MGS Delta: Snake Eater im Test - Seite 5: Alles noch drin?

Test Stefan Wilhelm
MGS Delta: Snake Eater im Test - Seite 5: Alles noch drin?
Quelle: PC Games

Eines der legendärsten Stealth-Games aller Zeiten bekommt seine wohlverdiente Neuauflage - mit Unreal Engine 5, moderner Steuerung und trotzdem extrem nah am Original. Im Test klären wir, warum Fans begeistert sein werden, aber auch, was Neueinsteiger beachten müssen.

Das ganze Paket

Der Trick für The End, bei dem wir im Bosskampf abspeichern und danach mindestens eine Woche das Spiel nicht spielen, funktioniert immer noch, genau wie die versteckte Methode, ihn schon weit vor dem eigentlichen Duell auszuschalten.

Selbst 20 Jahre später sind wir schwer beeindruckt, wie detailverliebt die Entwickler das Spiel damals gestaltet haben; wie sie in jedem Bosskampf, jedem Setpiece, ja, fast schon in jeder einzelnen Szene Geheimnisse verstecken konnten, die zum Herumprobieren anregen.

Dank eines viel komfortableren Ladesystems können wir nun auch schmerzfrei Taktiken austesten, ohne ständig ins Hauptmenü zurückkehren oder gleich die Konsole resetten zu müssen. Delta speichert beim Betreten eines neuen Areals automatisch ab, und den Save bei einem Fehler neuzuladen geht schneller, als wir Para-Medic sagen können. So heißt die Dame, bei der wir unsere regulären Spielstände anlegen, indem wir sie anrufen.

The End ist euch zu schwer? Spielt einfach eine Woche lang das Spiel nicht (oder stellt die Systemuhr vor). Quelle: PC Games The End ist euch zu schwer? Spielt einfach eine Woche lang das Spiel nicht (oder stellt die Systemuhr vor). Auch alle anderen Tricks und Easter Eggs aus der PS2-Version, die wir getestet haben, wurden in die Neuauflage gerettet - und zwar explizit aus dieser ursprünglichen Version, denn in Snake Eaters bisherigen HD-Remastern haben stets einige Bonusinhalte gefehlt.

So freuen sich PlayStation- und PC-Spieler über die Rückkehr des kurzweiligen Snake-vs-Monkey-Modus, während für Xbox-Zocker aus Lizenzgründen extra eine Bomberman-Variante davon gebaut wurde.

Das spielt sich zwar simpel und ist schnell vorbei, wurde aber genauso liebevoll überarbeitet wie der Rest des Pakets und ist allein schon wegen der schrägen Sounds und Animationen den Abstecher wert.

Und auch das Guy-Savage-Minispiel, das an einer bestimmten Stelle durchs Speichern und Neuladen ausgelöst wird, wurde aus seinem PS2-Kerker befreit und aufwändig überarbeitet.

Unter Mithilfe von Platinum Games, wohlgemerkt, wodurch sich dieses kleine, obskure Easter Egg noch deutlich besser spielt, als es vermutlich müsste, um den alten Fans ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Wir nehmen's aber natürlich mit Kusshand!

Alle eingefleischten Schlangenfresser finden im Geheimtheater außerdem viele humorvolle Cutscenes, die Snake Eater: Subsistence seinerzeit auf einer Bonus-Disk beilagen und nun als Collectibles ins Hauptspiel integriert wurden. Das Team hinter Delta hat sogar drei eigene kleine Filmchen in der neuen Grafikpracht erstellt.

Metal Gear Solid Delta: Snake Eater Quelle: PC Games/Konami Im witzigen Snake-vs-Monkey-Modus jagen wir Ape-Escape-Primaten. Kleine Wermutstropfen dabei: Die alten Clips werden weiterhin in pixeliger PS2-Optik präsentiert und die Methode, um sie freizuschalten, ist eher nervtötend. Dazu gilt es nämlich, ganz bestimmte Gegner in den Gebieten auszumachen und ihnen die Filmrollen abzuluchsen, indem wir uns an sie heranpirschen und sie dann mit einer Waffe bedrohen.

Beim kleinsten Patzer läuten sofort die Alarmglocken oder die Filmrolle geht kaputt - und das Spiel ist auch in seiner modernen Version noch ein Stück von der Fluffigkeit eines Metal Gear Solid 5 entfernt, was seine Steuerung und Systeme betrifft.

Der (Gift-)Zahn der Zeit

Delta kontrolliert sich deutlich besser als das Original, aber im Vergleich zu anderen modernen Spielen lässt sich eine gewisse Steife doch nicht von der Hand weisen.

Snake muss zwischen all seinen Aktionen relativ lange Animationspausen einkalkulieren, er muss sich genau im richtigen Winkel in Deckungen oder Schachtöffnungen bewegen und seine Manöver oft mit peniblen Timings und Reihenfolgen ausführen, damit sie Früchte tragen.

Automatismen gibt es hier für gar nichts. Jede kleine Teilaktion ist ein eigener Handgriff und oft auch ein eigener Knopf. Manöver wie das Aufheben von Wachen werden genauso behäbig wie im Original ausgeführt.

Das macht das Spiel zu einem sehr mechanisch-sauberen und kontrollierbaren Erlebnis, aber darüber freuen sich erstmal nur beinharte Kenner. Als Neuling muss man sich das sperrige Metal-Gear-Gameplay antrainieren, bevor man die Eigenheiten zu schätzen lernt. Das dauert und kann Nerven kosten, bessere Steuerung hin oder her. Unter der hübschen, neuen Haube dreht sich eben immer noch das alte Metallgetriebe.

Bewusstlose oder tote Gegner lassen sich unter anderem in Spinden verstecken. Dauert nur sehr lange! Quelle: PC Games Bewusstlose oder tote Gegner lassen sich unter anderem in Spinden verstecken. Dauert nur sehr lange! Vor allem Bossgegner können sehr pingelig sein, was ihre Angriffe und Verletzbarkeitsphasen angeht, aber auch manch anderer Moment spielt sich hakeliger, als er es müsste.

Um uns lautlos an einen Feind anzuschleichen, reicht es etwa nicht, den Analogstick nur leicht zu bewegen oder uns zu ducken, wie in so ziemlich jedem anderen Schleichspiel. Wir müssen zusätzlich einen separaten Knopf gedrückt halten, sonst werden wir automatisch entdeckt. Funktioniert problemlos, sobald man Bescheid weiß, nur als intuitiv würden wir es heutzutage nicht mehr bezeichnen.

  1. Seite 1 Remake-Ansatz und Grafik
  2. Seite 2 Details und Performance
  3. Seite 3 Spielmodi, Steuerung und neue Features
  4. Seite 4 Schleichen und taktische Möglichkeiten
  5. Seite 5 Alles noch drin?
  6. Seite 6 Zugänglichkeit und Story
  7. Seite 7 Fazit und Wertung
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