Das Geheimnis von Gothic

Special Carlo Siebenhüner
Das Geheimnis von Gothic
Quelle: THQ Nordic / Uwe Meier

Selbst 25 Jahre nach seinem Release ist Gothic immer noch ein Thema. Aber was ist denn nun das Geheimnis hinter dem Erfolg von Gothic?

Herumgemosert wird in vielen Tests auch wegen der Bugs und der hohen Hardwareanforderungen. Trotzdem sahnt Gothic von der deutschen Spielepresse sehr gute Wertungen ab. Wir haben das Spiel damals mit einer 85 belohnt. Bei den Kollegen von 4Players und PC Action wird sogar die 90 gezückt. International wird etwas niedriger gewertet. Doch auch da erkennt man das Potenzial. Die englische Version kommt im November 2001 auf den Markt.

Gothic wird zum Schläferhit

Allerdings hat man gerade für den eigentlich wichtigen amerikanischen Markt nur einen kleinen Popel-Publisher aufgetrieben, der das Spiel schlecht vermarktet. Auch die englische Übersetzung und Vertonung ist nicht sonderlich gut gelungen. Dazu kommt, dass die USA und England eher Konsolenländer sind. Eine Konsolenumsetzung für die Xbox ist zwar geplant, wird dann aber 2002 gekillt.

Der Held läuft mit minimalen Einstellungen durch das Minental Quelle: PC Games Viele Spieler mussten die Kolonie zum Release noch im Dauernebel erkunden. Viel mehr hat die Hardware damals nicht zugelassen. Und so bleibt der internationale Durchbruch für das Spiel erst mal aus. Allerdings spielt Gothic ein Spiel auf Zeit und durch Mundpropaganda bleiben die Verkäufe stabil. Und heimlich still und leise wurde dann der Osten Europas auf das Spiel aufmerksam. In Russland und vor allem in Polen wurde Gothic mit der Zeit unheimlich beliebt, so dass auch dort Übersetzungen und Synchros entstanden. Im Hinblick auf die wachsende Entwicklerszene in Polen hatte Gothic auch einen enormen Einfluss.

Nachdem sie die Lokalisierung für den polnischen Markt angefertigt hatten, war eine kleine Firma namens CD Projekt nämlich so begeistert von dem Spiel, dass ein paar fähige Leute im Haus auch eigene Spiele entwickeln wollten.

Also haben sie sich die Rechte für die in Polen beliebte Witcher-Serie eingekauft. Und der Rest ist Geschichte.

Obwohl sich Gothic also langsam aber sicher zum Schläferhit mausert, reicht es dann doch nicht, um die Entwicklungskosten wieder einzuspielen. Wie Mike Hoge in einem Interview ein paar Jahre später mal erklärte, hat Gothic mehrere Millionen gekostet, aber nur ein paar davon wieder eingespielt. Die Zukunft von Gothic ist nach dem Release also erst mal ungewiss und ein Nachfolger ist keine gesicherte Sache. Im Gegenteil: Das Team teilt sich nach Gothic sogar auf mehrere Projekte auf. Wie das abläuft? Na, das schaut ihr euch am besten in unserem Retro-Spcial zu Gothic 2 an.

Der Held zaubert einen Feuerregen. Quelle: PC Games Magie ist in Gothic ebenfalls möglich. Hier wird gerade ein mächtiger Feuerregen vorbereitet.

Das Geheimnis von Gothic

Spoiler-Alarm: Gothic lebt weiter - und das bis heute! Die Fanbase ist nach wie vor groß, es werden bis heute Mods auf Basis der alten Spiele entwickelt, es gibt inoffizielle Pen-&-Paper-Rollenspiele und in Polen und Deutschland haben sich sogar Live-Action-Rollenspiele im Gothic-Setting gebildet. Und 20 Jahre nach dem letzten offiziellen Teil lässt man die Serie von Herstellerseite sogar mit einem Remake wiederaufleben.

Tom Putzki

Ich zitiere mal einen Song: "Der Wahnsinn ist nur eine schmale Brücke..." und ungefähr das ist Gothic [für mich - Anm. der Redaktion]. Es ist einfach etwas, was aus ein paar mehr oder weniger zufällig zusammengewürfelten Leuten entsprungen ist und die sich an ein Projekt begeben haben, was für das Erfahrungslevel einfach viel zu groß war. Daraus ist dann etwas entstanden, was 25 Jahre nach Release immer noch ein Thema ist. Etwas, das durch verdammt viele Höhen und Tiefen ging. Uns unglaubliche Schwierigkeiten und Probleme bereitet hat. Aber wir trotzdem immer noch was richtig Gutes hingekriegt haben und wie mir immer wieder Leute erzählen: Etwas Legendäres.

Aber was ist denn jetzt das Geheimnis von Gothic? Wie lautet das Rezept, um einen Spieleklassiker zu erschaffen, der auch Jahrzehnte nach Release noch Spielerherzen wohlig warm werden lässt?

Na, ist doch ganz einfach:

Man braucht vier Kollegen, die vor dem Nichts stehen. Ein Faible für Rollenspiele. Eine zufällig über den Weg gelaufene Engine, deren Entwickler man dann aber dazu überredet, was viel Geileres zu entwickeln. Ein völlig übertrieben größenwahnsinniges Konzept für ein Spiel. Einen Publisher, der naiv genug ist, anzubeißen. Ein Team, mit dem man über Jahre an Konzepten rumexperimentiert. SEHR viel Durchhaltevermögen, damit man das Spiel dann in den letzten paar Monaten zusammenkloppen kann, weil der Publisher stinksauer ist.

Ach ja, und eine ordentliche Portion Glück, damit das Ganze dann auch noch vernünftig zusammenkommt und obendrauf auch noch den Nerv der Spieler da draußen trifft, ist auch nicht verkehrt. Oder um es kurz zu sagen: Man muss eben nur mit ein paar verrückten Gleichgesinnten ein Spiel machen, auf das man einfach selber richtig Bock hat!

  1. Seite 1 Die Anfänge von Gothic
  2. Seite 2 Project Orpheus & die Gründung von Piranha Bytes
  3. Seite 3 Das steckt hinter Progressionssystem & Lagerzugehörigkeit
  4. Seite 4 Die holprige Entwicklung von Gothic
  5. Seite 5 80% des Spiels in vier Monaten
  6. Seite 6 Die Welt der Verurteilten
  7. Seite 7 Das Geheimnis von Gothic
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