Hat ein Rennspiel Obama zum US-Präsidenten gemacht? Spionieren uns Spieleserver aus? Die ganze Wahrheit über In-Game-Advertising!
In diesem Artikel
- Seite 1 Werbung in Spielen: Einleitung
- Seite 2 Werbung in Spielen: Werbung auf Gefühlsebene
- Seite 3 Werbung in Spielen: Splinter Sell statt Splinter Cell
- Seite 4 Werbung in Spielen: Subtil und stimmig
- Seite 5 Werbung in Spielen: Pepsi verleiht Flügel
- Seite 6 Werbung in Spielen: Der gläserne Kunde
- Seite 7 Bildergalerie
Tom fiebert dem Showdown seines neuen Lieblingsspiels entgegen. Gerade als er auf den Kopf des größenwahnsinnigen Diktators zielt, der die ganze Welt unterjochen will, wird das Spiel unsanft von einem Werbefenster unterbrochen. Tom flippt aus, weil die Aufforderung, sich die angesagten Sneakers am besten jetzt gleich online zu bestellen, im denkbar ungünstigsten Moment auftaucht.
Dass es sich dabei um genau die Sneakers handelt, die Tom gestern als virtuelle Güter zum optischen Upgraden seines Geheimagenten-Alter-Ego gekauft hat, ist kein Zufall: Die Informationen über Toms Interesse an den digitalen Schuhen wurden von seiner Konsole an den Server des Spieleherstellers übermittelt, sodass die dynamische Werbesoftware dafür sorgte, dass Tom in der Werbepause genau das reale Produkt angeboten bekommt, mit dem er seine Spielfigur virtuell eingekleidet hat.
Die gute Nachricht: Dieses Szenario ist nur eine düstere Zukunftsvision. Die schlechte: Sie ist nicht sehr weit entfernt von der Wirklichkeit. Rein technisch gesehen wäre dies bereits heute möglich. Was die Werbetreibenden dankenswerterweise von derartig penetrantem Vorgehen abhält, ist die berechtigte Angst, dass Spieler solche Werbung nicht akzeptieren würden. Denn vor nichts haben Werber mehr Angst als vor einer Kampagne, die nicht ankommt. Schlechte PR schadet dem Produkt mehr als keine PR. Ein äußerst amüsanter öffentlicher Pranger findet sich auf Gamespot.com.
Was die Goldene Himbeere als Gegen-Oscar für miserable Filme ist, sind die vom Spieleportal auserwählten „Most Despicable Use of Ingame Advertising”-Nominierten für die Spielebranche. Die zweifelhafte Ehre des Sieges in der Kategorie „Verabscheuungswürdigste Werbung in Spielen“ wurde bei der letztjährigen Preisverleihung Bionic Commando zuteil. Weil die Softdrink-Automaten eines weltbekannten Zuckerwasser-Herstellers nach Meinung der Jury nicht nur die Spiellandschaft verschandeln, sondern auch dem Realismus abträglich sind - die Automaten sind selbst durch Waffengewalt nicht kaputt zu kriegen…
Auf der nächsten Seite geht's weiter.
