Lest im vierten Teil unseres großen History-Specials über die Geschichte der Videospiele, wie in den frühen 90er-Jahren Spiele erschaffen wurden, die noch heute die Games-Landschaft bedeutend prägen.
Die Geschichte der Videospiele ist eine Geschichte voller Missverständnisse ... Nein, alles Quatsch! Denn wenn ihr die letzten drei Ausgaben unserer großen Videospiel-Historie gelesen habt, dann bleiben keine Fragen offen! Im ersten Teil haben wir euch die frühesten Anfänge in den 50er-Jahren gezeigt, als Videospiele nicht auf Fernsehern, sondern auf Oszilloskopen gezockt wurden. Danach ging es im zweiten Teil darum, wie die Spielautomaten in den 60ern und 70ern unser liebstes Hobby salonfähig machten, eine neue Generation von Zockern war geboren. In Teil 3 erlebten wir, wie der Boom der Jahre zuvor zum Crash wurde und wie die Videospielwelt unter der geplatzten Blase zu leiden hatte. Ab sofort nehmen wir uns jeweils fünf Jahre vor, denn die Entwicklungen wurden immer rasanter, die Geschehnisse zu zahlreich, um euch wie zuvor ganze Jahrzehnte zusammenzufassen.
Solltet ihr nochmal einen Blick in die vorherigen Specials werfen wollen, dann bitte hier entlang: Teil 1: 1958 bis 1968, Teil 2: 1968 bis 1978 und Teil 3: 1978 bis 1988. Jetzt geht es weiter mit den Jahren 1988 bis 1993: Der Siegeszug der ersten Heimcomputer und der Videospiel-Crash von 1983 verlagert in Europa wie in den USA den Entwicklungsschwerpunkt auf die neuen Rechenknechte. Deshalb stürzen sich die westlichen Spielefirmen bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich auf die Maschinen von Commodore, Atari, Apple und den langsam spieletauglich werdenden IBM-PC. Das NES wird in den USA hauptsächlich von fernöstlichen Herstellern wie Capcom, Konami oder Nintendo selbst versorgt, nur langsam wagen sich auch US-Produzenten wie der 1987 gegründete Branchenneuling Acclaim an Spiele für Nintendos 8-Bit-Konsole. In Deutschland ist das Geschäft zu diesem Zeitpunkt fest in der Hand der Heimcomputer.
Wer etwas auf sich hält, spielt auf dem C64 oder noch besser auf einem Atari ST oder dem Amiga. Die Konsolen von Nintendo und Sega schummeln sich 1987 beinahe unbemerkt auf den deutschen Markt, beide vermögen kaum, an der Vormachtstellung der Heimcomputer zu kratzen. Konsolen gelten als anspruchsloses Kinderspielzeug und können den für damalige Verhältnisse mächtigen Heimcomputern hierzulande kaum Paroli bieten. Deren Beliebtheit ist durch die große Anzahl hochwertiger Spieletitel, viele unterschiedliche Anwendungen sowie den im Vergleich zur Vielseitigkeit niedrigen Anschaffungspreis ungebrochen und lässt Konsolen trotz hochwertiger Software nur eine Nebenrolle in der europäischen Branche zukommen.
Die Hochzeit der Heimcomputer
Quelle: Ubisoft
Pool Of Radiance: Das Taktik-Rollenspiel stellt das Genre seinerzeit auf den Kopf und ebnet den Weg für weitere Gold-Box-Spiele.
Daher verwundert es kaum, dass der Strom hochwertigen Nachschubs für die Tastaturmonster nicht abreißt. Gerade das Genre der Rollenspiele läuft 1988 zur Hochform auf. Bekannte Reihen wie Wizardry und Ultima gehen in die fünfte Runde, Might & Magic sieht die erste und The Bard's Tale die zweite Fortsetzung. Außer Ultima V, das zum ersten Mal einen Tag-Nacht-Zyklus mit entsprechend geändertem NPC-Verhalten einführt, verlassen sich die Genrekollegen auf das Optimieren des bereits eingeführten Spielkonzepts und verzichten auf große Innovationen.Neue Impulse kommen in erster Linie von SSIs Gold Box-Reihe, deren erster Titel Pool of Radiance ebenfalls 1988 erscheint. Das mit dem AD&D-System ausgestattete Spiel ist das erste erfolgreiche Taktik-Rollenspiel überhaupt, in dem im Gegensatz zu herkömmlichen Genre-Titeln die Kämpfe deutlich taktischer ablaufen und an ein rundenbasiertes Strategiespiel erinnern. In den Folgejahren wird das Genre vor allem in Japan stark weiterentwickelt und erfreut sich großer Beliebtheit.
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