Diablo Immortal im Test: Ein Mobile-Game zwischen Hit und Hölle
Test
Gute Nachrichten: Wir haben Telefone! Darum haben wir Diablo Immortal zwei Wochen lang intensiv getestet, am Smartphone und natürlich auf dem PC. In unserem großen Test mit Video klären wir, ob die Kritik am Free2Play-Modell gerechtfertigt ist, was Diablo Immortal trotzdem richtig gut macht - und ob Blizzard den Ruf des Spiels noch retten kann.
Platin ist eine Sonderwährung, die ihr über den Marktplatz durch Handel verdient. Hier dürft ihr nämlich seltene, ungebundene Items an andere Spieler verkaufen. Bis man aber wirklich große Mengen Platin zusammen hat, muss man schon Unmengen an Items verhökern - und das kann dauern. Darum gibt's natürlich noch eine andere Möglichkeit, um an Platin zu kommen, nämlich durch den Einsatz von Ewigen Kugeln - und diese Orbs sind die einzige Währung im Spiel, die ihr wirklich nur gegen echtes Geld bekommt. Es gibt schlichtweg keine Möglichkeit, die Orbs zufällig zu sammeln oder durch Aufgaben zu verdienen. Und genau das hätten wir von einem guten Free2Play-Modell erwartet! Premium-Währung kaufen ist eine Sache. Sie komplett aus dem Gameplay auszukoppeln, eine ganz andere.
Das Loot-System macht zumindest auf den ersten Blick nix verkehrt: Ihr findet jede Menge blaue, gelbe und hin und wieder auch legendäre Items, so wie man's aus Diablo 3 kennt. Ab der zweiten Schwierigkeitsstufe sind auch grüne Set-Gegenstände dabei, die können dann beispielsweise in bestimmten Dungeons droppen. Auch schön: Freigespielte Ränge für Ausrüstung lässt sich kostenfrei auf neue Beute übertragen, ihr könnt ein Item also bedenkenlos wechseln und das alte Zeug in Rohstoffe zerlegen, das geht sehr komfortabel. Das Inventar ist außerdem ordentlich bemessen und hat null Verwaltungsaufwand, die Action wird dadurch also nie ausgebremst.
Quelle: PC Games
Das Inventar ist aufgeräumt und erfordert kaum Aufmerksamkeit.
Legendäre Steine und Embleme
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Doch die Beutejagd hat noch eine Schattenseite: die berüchtigten, legendären Edelsteine, die schon vor dem Release in die Kritik geraten sind. Die Klunker werden in eure Ausrüstung eingesetzt, verpassen euch alle möglichen positiven Effekte und sind - theoretisch - ungeheuer mächtig. Denn sie erhöhen zusätzlich auch noch euren Resonanz-Wert, der all eure Attribute drastisch nach oben schraubt. Außerdem lassen sich alle legendären Edelsteine in zehn Rängen aufwerten und dann noch weiter verbessern, dadurch erhöhen sich auch ihre Resonanz- und Kampfkraft-Boni. Um so ein Ding mehrfach aufzuwerten, müsst ihr aber Unmengen Steine von gleicher Qualität beschaffen - und zwar wirklich so viele, dass man gratis keine Chance hat, mit zahlenden Spielern gleichzuziehen. Wenn es eine Paywall in Diablo Immortal gibt, dann findet ihr sie hier. Schlimmer noch: Selbst wenn ihr Unmengen an Geld in das Spiel buttert, stehen eure Chancen, einen wirklich seltenen Edelstein auf eine hohe Stufe zu bringen, so wahnsinnig gering, dass hier jeder investierte Cent einer zu viel ist.
Grundsätzlich könnt ihr legendäre Edelsteine zwar auch herstellen, dazu müsst ihr "nur" massenhaft Runenmaterial beschaffen. Doch im Kleingedruckten kommt dann die Ernüchterung: Selbst wenn ihr irgendwann die nötigen Runen zusammengekratzt habt, um ein 5-Sterne-Steinchen herzustellen, liegt die Erfolgsaussicht bei gerade mal 0,045 Prozent. Nullkommanullvierfünf! Was hat sich Blizzard nur dabei gedacht? Wem soll so etwas Spaß machen?
Quelle: PC Games
Um legendäre Edelsteine aufzuwerten, braucht ihr Unmengen an Handwerksmaterial - und das ist ohne Echtgeldeinsatz eine verdammt langwierige Angelegenheit.
Natürlich: Legendäre Steine könntet ihr theoretisch auch mit sehr, sehr viel Platin am Marktplatz kaufen. Doch den Entwicklern wäre es wohl viel lieber, wenn ihr stattdessen versucht, die kostbaren Steine in einem Ältestenportal zu verdienen. Diese sogenannten "Rifts" kennen wir schon aus Diablo 3: Ihr kämpft euch durch einen kurzen Zufallsdungeon, am Ende wartet dann ein Miniboss und etwas Beute. In Diablo Immortal gibt es aber einen wichtigen Unterschied: Bevor ihr so ein Ältestenportal startet, könnt ihr eure Beutechance noch mit zwei Arten von Emblemen steigern. Und die sind der Knackpunkt: Einfache Embleme erhaltet ihr ab und zu gratis, doch selbst damit ist die Chance auf gute Beute sehr gering. Es gibt darum noch stärkere Embleme, die euch einen legendären Stein als Beute garantieren - und die könnt ihr euch nur einmal pro Monat gegen Ingame-Währung kaufen. Blizzard schenkt euch also gerade mal zwölf legendäre Embleme pro Jahr! Wer mehr Embleme und damit bessere Dropchancen will, muss echtes Geld ausgeben. Ein Glücksspiel.
Wie dieser Youtuber zeigt, geht das Problem aber sogar noch tiefer: Tatsächlich scheint es, als habe Blizzard zwei Sorten von legendären Emblemen eingebaut, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Erst wenn man das Kleingedruckte liest, erfährt man: Manche Embleme lassen nur an den Spieler gebundene Beute droppen, die nicht handelbar ist. Andere dagegen werfen ungebundene Beute ab, die man auf dem Marktplatz gegen Platin verkaufen kann. Und was jetzt folgt, könnt ihr euch sicher denken: Die ersten Embleme erhaltet ihr gratis im Spielverlauf, letztere dagegen nur gegen echtes Geld im Shop. Ein dreister Trick, um die Spieler zusätzlich an der Nase herumzuführen.
Welche Summe man theoretisch braucht, um einen Stein vollständig aufzuwerten, ist übrigens bis heute nicht geklärt. Manche Spieler rechnen mit Beträgen im sechsstelligen Bereich. Sicher ist nur: Selbst wenn ihr bereit seid, ordentlich Kohle in das Spiel zu stecken, erhaltet ihr zwar deutlich mehr hochwertige Beute - doch selbst dann ist noch lange nicht gesagt, dass ihr am Ende auch nur einen Stein maximieren könnt, geschweige denn sechs. Was die Frage aufwirft, für wen Blizzard das ganze System überhaupt designt hat. Sicher nicht für die Normalspieler oder zumindest solche, die wenigstens ab und zu mal ein paar Euro ausgeben würden - die haben nämlich nichts davon.
Quelle: PC Games
Glücksspiel: Embleme erhöhen in Ältestenportalen (Rifts) eure Chancen auf hochwertige Beute.
Free2Play trifft PvP
Der "Duft" von Free2Play weht natürlich auch durch andere Spielebenen. Erfahrungspunkte von besiegten Gegnern spielen etwa eine geringere Rolle als in früher. Stattdessen sollt ihr hauptsächlich Aktivitäten und Quests aus eurem Kodex abarbeiten. Das sorgt für Beschäftigung im Endgame und lockt euch mit täglich wechselnden Aufgaben zurück ins Spiel. Als Belohnung gibt's nämlich Kampfpunkte, mit denen ihr in eurem Battle Pass einen Rang aufsteigt. Für jeden Rang erhaltet ihr dort nicht nur Belohnungen wie Items oder Ressourcen, sondern auch eine Riesenladung Erfahrung - und erst damit steigt ihr dann halbwegs zügig im Level auf. Klingt umständlich, hat aber natürlich einen Grund: Blizzard will, dass ihr möglichst oft in euren Battle Pass reinschaut und die vielen schönen Belohnungen seht, die nur einen Kauf entfernt sind.
Quelle: PC Games
Unten zu sehen: Wer sich einen Premium Battle Pass leistet, erhält pro Rang zusätzliche Belohnungen.
Der Battle Pass ist zwar gratis, doch wer hier etwas Kohle in die Hand nimmt und sich einen Premium-Pass gönnt, kann sich noch eine Reihe mit Extra-Belohnungen freischalten. Was uns daran stört: Am Ende einer Season geht dieses Upgrade wieder verloren und ihr müsstet euch den Premium Battle Pass ein weiteres Mal kaufen. Als einmalige Investition hätten wir das völlig in Ordnung gefunden, von irgendwas muss der Entwickler schließlich leben. Aber in der Form? Nein danke.
