Diablo Immortal im Test: Ein Mobile-Game zwischen Hit und Hölle

Test Felix Schütz
Diablo Immortal im Test: Ein Mobile-Game zwischen Hit und Hölle
Quelle: Blizzard

Gute Nachrichten: Wir haben Telefone! Darum haben wir Diablo Immortal zwei Wochen lang intensiv getestet, am Smartphone und natürlich auf dem PC. In unserem großen Test mit Video klären wir, ob die Kritik am Free2Play-Modell gerechtfertigt ist, was Diablo Immortal trotzdem richtig gut macht - und ob Blizzard den Ruf des Spiels noch retten kann.

Wie bei Mobile-Games üblich, sind die meisten Aufgaben sehr kurzgehalten, das gilt besonders für die minutenlangen Nebenquests, die unterwegs für Abwechslung sorgen. Am Wegesrand locken auch immer wieder kleine Zufallsereignisse, die euch von eurem Ziel weglocken wollen. Kann man machen, ist aber kein Muss. In der Hauptstory wird am meisten geboten, da gibt's eine ganze Menge Dialoge und Cutscenes, nett inszenierte Bosskämpfe und ein paar Dungeons mit schick gemachten Skript-Ereignissen. Das ist zwar streng genommen alles nix Besonderes mehr, doch für ein Mobile-Game verschiebt Diablo Immortal die Messlatte hier spürbar nach oben.

Als erstes Diablo überhaupt ist Immortal auch ein ausgewachsenes MMO. Einen Offline-Modus oder eine private Spielwelt gibt es nicht, nur sporadisch landet ihr in Instanzen, die für euch allein reserviert sind. Darum begegnet ihr praktisch überall anderen Spielern, die Monster jagen, Kisten öffnen oder Quests erledigen. Das ist für ein Diablo mehr als ungewöhnlich und auch längst nicht von jedem Fan gewollt. (Zur Erinnerung: Diablo ist seit dem ersten Teil als Koop-Spiel designt, das man aber auch komplett alleine erleben kann).
Vor Dungeons stellt ihr euer Team mithilfe einer simplen Gruppensuche zusammen. Quelle: PC Games Vor Dungeons stellt ihr euer Team mithilfe einer simplen Gruppensuche zusammen.

Diablo goes MMO

Trotzdem kommen auch Einzelgänger auf ihre Kosten. Allerdings führen die omnipräsenten Spieler öfter mal zu merkwürdigen Momenten, etwa wenn jemand ein Story-Ereignis auslöst, das ihr aber noch gar nicht zu Gesicht bekommen sollt. Für euch schaut das dann so aus, als würde der Spieler einfach ins Leere kloppen. Diablo Immortal bricht außerdem mit einer Tradition: Fast alle Levels sind von Hand gefertigt, schließlich teilen sich alle Spieler die gleiche Welt. Bis auf die Dungeons gibt es also keine zufallsgenerierte Umgebungen mehr. Außerdem müsst ihr euch auf plötzliche Respawns gefasst machen, schließlich wollen alle Spieler genügend Beute und Gegner abbekommen. Das ist zwar notwendig, wird aber manchmal auch einfach etwas unelegant, wenn euch zum Beispiel eine Kiste oder ein Elite-Mob direkt vor die Füße spawnt.

Auch bei den Zonen-Ereignissen (ab der zweiten Schwierigkeitsstufe) kann's chaotisch werden. Etwa wenn zwei Dutzend Spieler auf einmal versuchen, einen NPC zu eskortieren, Gegner plattzumachen und Beute einzusacken - solche heftigen Lags haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Oder wenn wir einen öffentlichen Raidboss wie die schick designte Blutrose in Angriff nehmen wollen: Nach 20 Minuten haben wir hier genervt aufgegeben, weil irgendjemand wieder nicht kapiert hat, dass sich das Vieh regelmäßig heilt, wenn man ihm zu nahe kommt. Gerne würden wir uns da besser mit den anderen Leuten absprechen, doch die Chat-Funktion ist weder am PC noch Mobile so richtig gelungen und lässt noch einigen Komfort vermissen. Absprachen mit zufälligen Spielern gab es praktisch nie. Auch die Gruppensuche und Gildenverwaltung schrecken mit ihrer Fülle an Optionen anfangs eher ab. Das Gleiche gilt für die Unmengen an Upgrade-Systemen, die wir später noch kennenlernen. Hier und da wirkt Diablo Immortal schlichtweg überladen.
Blutrose ist einer von mehreren großen Bossen, die sich nur in großen Teams knacken lassen. Quelle: PC Games Blutrose ist einer von mehreren großen Bossen, die sich nur in großen Teams knacken lassen.

Talente und Paragon

Ausgerechnet beim Talentesystem geht Diablo Immortal aber einen simplen Weg. Ähnlich wie in Diablo 3 schaltet ihr Skills wieder automatisch durch Levelaufstiege frei, diesmal allerdings ohne die Fertigkeitsrunen, um Talente zu variieren. Diesen Job übernehmen nun die legendären Items. Wenn ihr also zum Beispiel aus einem Pfeilhagel einen Bombenregen machen wollt oder aus einem Energiestrahl einen Eisblitz, müsst ihr erst mal den passenden legendären Gegenstand finden. Die Auswahl ist allerdings deutlich kleiner als in Diablo 3. Außerdem könnt ihr die Skill-Varianten aus euren Items extrahieren und anschließend auf andere Ausrüstung übertragen. Im Grunde hat man dadurch wieder fast wieder das gleiche System wie in Diablo 3 - es ist nur etwas kleiner und umständlicher.
Das Talentesystem fällt leider sehr simpel aus. Quelle: PC Games Das Talentesystem fällt leider sehr simpel aus.
Dafür wurde aber das Paragon-System kräftig erweitert. Ab der Maximalstufe 60 warten nun mehrere kleine Talentbäume auf euch, in denen ihr Punkte verteilt, um passive Boni und Sondereffekte freizuschalten. Das System ist umfangreich und sorgt für lange Beschäftigung, zumal die Upgrades in den Bäumen ziemlich mächtig sind. Allerdings darf immer nur ein Baum aktiv sein und die meisten davon werden erst auf hohen Levelstufen freigeschaltet - was uns also jenseits von Paragon 30 erwartet, müssen wir erst noch herausfinden.

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