Crusader: No Remorse im Retro-Special: Diese Grafik hat uns damals völlig umgehauen
Special
Detaillierte Grafik, gnadenlose Action und ein irres Zerstörungssystem: Mit Crusader: No Remorse sorgte Origin im Jahr 1995 für Aufsehen. Leider auch bei der Bundesprüfstelle.
Wer Anfang der 90er Jahre fleißig am PC gezockt hat, kam an diesem Namen kaum vorbei: Origin Systems. Das Studio wurde 1983 von Richard Garriott gegründet und feierte in seinen frühen Jahren vor allem mit den Ultima-Rollenspielen große Erfolge. Seinen absoluten Höhepunkt erreichte Origin aber mit der kultigen Wing-Commander-Serie: Gerade in Sachen Inszenierung konnte das Studio immer wieder neue Maßstäbe setzen, vor allem das legendäre Wing Commander 3 verschob damals die Grenzen des technisch Machbaren und kurbelte die Verkäufe von Pentium-Prozessoren und CD-ROM-Laufwerken kräftig an.
Viele namhafte Entwickler wie Chris Roberts (Star Citizen), Warren Spector (Deus Ex), Tom Chilton (World of Warcraft) oder John Romero (Doom) verdienten sich zu dieser Zeit ihre Sporen bei Origin, dort legten sie den Grundstein für ihre späteren Karrieren. Unter von ihnen war auch Tony Zurovec, ein junger, ehrgeiziger Programmierer. Zurovec hatte zuerst an Ultima 7 und 8 mitgewirkt, bevor EA ihm schließlich ein eigenes Projekt zutraute - und das sollte sich richtig auszahlen.
Crusader: No Remorse erschien im August 1995 für MS-DOS und sorgte damals mit seiner grandios gerenderten Optik und einem irren Zerstörungssystem für Aufsehen. Aber auch spielerisch hatte Crusader eine Menge zu bieten. Zurovec hatte eine Menge gute Ideen umgesetzt, die deutlich über ein simples Ballerspiel hinausgingen. In diesem Special werfen wir einen Blick zurück auf Crusader und zeigen, was Crusader so besonders gemacht hat, was vielleicht nicht ganz so gut gealtert ist - und warum die Marke ein viel zu frühes Ende gefunden hat.
In diesem Artikel
- Seite 1 Crusader: No Remorse - Retro: Keine Gnade, keine Reue
- Seite 2 Crusader: No Remorse - Retro: Zerstörung zum Staunen
- Seite 3 Crusader: No Remorse - Retro: Steuerung und Videos
- Seite 4 Crusade: No Remorse - Retro: Musik, Atmosphäre und Fortsetzung
- Seite 5 Crusader: No Remorse - Retro: Konsolenports und Crusader 3
- Seite 6 Bildergalerie
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Kritik am System
Laut eigenen Aussagen hat Tony Zurovec das Spiel als zynischen Gesellschaftskommentar konzipiert. Ihn umtrieb damals nämlich die Sorge, die Menschheit würde den Regierungen immer mehr Macht anvertrauen und irgendwann nur noch von korrupten Eliten kontrolliert werden. Aus dieser Idee entstand schließlich Crusader: No Remorse, eine dystopische Zukunftsvision, die irgendwann im 22. Jahrhundert angesiedelt ist.
In dieser Zeit regiert das machthungrige Consortium, das man sich einfach als tyrannische Weltregierung vorstellen kann. Wer da nicht spurt, wird gnadenlos verfolgt - ein Job, den oft die sogenannten Silencer übernehmen, rot gepanzerte Hightech-Soldaten, die den Willen des Consortiums mit aller Härte durchsetzen. Doch im Intro-Video erfahren wir, dass ein bestimmter Silencer irgendwann von Gewissenbissen geplagt wird und den Befehl verweigert, unschuldige Zivilisten zu jagen. Das sieht man in der Chefetage natürlich gar nicht gern, der abtrünnige Silencer wird umgehend zum Abschuss freigegeben. Doch der macht aus seiner Not eine Tugend und schließt sich kurzerhand den Rebellen im Untergrund an. Dort hilft er ihnen dabei, das böse Consortium zu Fall zu bringen sollen.
Bildergalerie
Brutales Tötungs- und Metzelspiel
Für euch geht's dann 15 Missionen lang ausschließlich darum, feindliche Einrichtungen abzuklappern und dort unterschiedlichste Ziele zu erfüllen. Da müsst ihr Daten stehlen, Giftgasfabriken hochjagen, Gefangene retten, Klonprogramme stoppen, Prototypen vernichten oder Politiker entführen. Und nein, dabei wird nicht verhandelt oder geschlichen. Es gibt keinen lautlosen Nahkampfangriff, keine Betäubungspfeile und keine friedliche Lösung: In Crusader löst ihr alles mit roher Waffengewalt.
Der Untertitel des Spiels heißt No Remorse, also keine Reue - und der Name ist Programm, denn hier wird wirklich alles umgeschossen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Das gilt nicht nur für Feindsoldaten oder Mechs, sondern auch für unbewaffnete Angestellte, die zum Teil noch an ihren Büro-PCs sitzen und sich mit erhobenen Händen ergeben. Auch hier darf man abdrücken, eine Strafe gibt's dafür nicht. Im Gegenteil: Weil ihr alle Körper auch noch looten und so ein paar Credits einsacken dürft, werdet ihr effektiv sogar dafür belohnt, wirklich alles im Level abzuschießen.
Und das fand die BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährende Medien) damals überhaupt nicht lustig: Die deutsche Fassung von Crusader wurde vorsorglich entschärft, Bluteffekte und einige derbe Sterbeanimationen flogen raus (obwohl man sie mit einem simplen Trick wieder aktivieren konnte). Bei EA ging man nach den Schnitten offenbar von einer USK-Freigabe ab 16 Jahren aus, doch am Ende bekam das Spiel doch eine Freigabe ab 18 Jahren verpasst. Die Verpackungen hatte man aber schon optimistisch mit einem USK-16er-Logo gedruckt, sie mussten deshalb mit einem roten Sticker überklebt werden.
- Seite 1 Crusader: No Remorse - Retro: Keine Gnade, keine Reue
- Seite 2 Crusader: No Remorse - Retro: Zerstörung zum Staunen
- Seite 3 Crusader: No Remorse - Retro: Steuerung und Videos
- Seite 4 Crusade: No Remorse - Retro: Musik, Atmosphäre und Fortsetzung
- Seite 5 Crusader: No Remorse - Retro: Konsolenports und Crusader 3
