Crusader: No Remorse: Harte Gewalt, doch die Steuerung war härter!

Special Felix Schütz
Crusader: No Remorse: Harte Gewalt, doch die Steuerung war härter!
Quelle: GOG, PC Games

Die Grafik grandios, die Atmosphäre genial. Doch die Steuerung kostet richtig Nerven und steht dem Spielspaß immer wieder im Weg.

Unterwegs sammelt ihr nicht nur Schlüssel, Geld und jede Menge Munition, sondern auch einige praktische Items. Zum Beispiel Tretminen oder einen überaus praktischen Störsender, mit dem man Roboter kurz lahmlegt. Das nützlichste Werkzeug sind aber die praktischen Spinnenbomben: Die lenkt man einfach von Hand ins Ziel, sogar um Ecken herum. Perfekt, um Kameras, Geschütze oder Mechs auszuschalten!

Auch die Umgebung könnt ihr hier und wieder zu eurem Vorteil nutzen. Wer Ventile aufdreht, lässt zum Beispiel Flammen oder Gaswolken aus undichten Rohren herausschießen. Und wenn mal wieder ein Kraftfeld im Weg ist und ihr den passenden Schalter dazu verpasst habt, könnt ihr oft auch einen Generator in der Nähe zerballern und so die Barriere beseitigen.

In Crusader gibt es oft mehrere Lösungen für ein Problem - und das war auch ein erklärtes Ziel der Designer. Natürlich ist nichts davon jemals auf dem Niveau eines Deus Ex, doch für ein Top-Down-Actionspiel sind die spielerischen Möglichkeiten schon mehr als ungewöhnlich.

Dadurch fühlt sich Crusader fast schon wie ein Action-Adventure an. Es gibt sogar ein paar simple Rätsel, für die man zum Beispiel Schalterkombinationen finden oder zwischen zwei Aufzügen hin und herspringen muss. Auch das ist nicht tiefgängig, lockert das Geballer aber ein wenig auf - und mehr braucht es auch gar nicht.

Endgegner: Die Steuerung

Für ein Actionspiel der 90er bringt Crusader ein umfangreiches Moveset mit: Der Silencer kann nicht nur schießen, laufen und rennen, sondern geht auf Knopfdruck auch in die Hocke, springt oder vollführt Seitwärtsschritte und Ausweichrollen. Die vielen Möglichkeiten und das Lenken in acht Richtungen verlangen aber auch nach entsprechend vielen Tasten - und das führt leider dazu, dass sich Crusader schon bei Release ziemlich umständlich anfühlt. Die rappelvolle Tastenbelegung lässt sich natürlich auch nicht ändern, das war 1995 nämlich noch kein kein Standard. Zwar darf man auch mit der Maus zielen, doch wer gleichzeitig noch rennen, ausweichen, Items verwenden, Schalter drücken, Gegner plündern und Heilpakete einwerfen will, braucht dafür gefühlt sieben Arme.

Die Engine von Ultima 8: Pagan wurde für Crusader: No Remorse stark verbessert und um viele Funktionen erweitert. Quelle: PC Games Die Engine von Ultima 8: Pagan wurde für Crusader: No Remorse stark verbessert und um viele Funktionen erweitert. Und das ist noch nicht mal Nervigste an der Steuerung. Crusader basiert technisch auf einer stark verbesserten Engine von Ultima 8 Pagan, die ebenfalls von Tony Zurovec geschrieben wurde. Der Ultima-Avatar wurde aber noch mit der Maus kontrolliert, die Action spielte sich viel simpler und vor allem waren die Level längst nicht so detailreich und verästelt. In Crusader weht ein anderer Wind, hier müsst ihr euren Silencer viel genauer an Tischen, Geländern, Treppen und Kisten entlangbewegen, was dann öfter mal dazu führt, dass sich die Spielfigur ungelenk an einem Objekt vorbeischiebt oder schlimmstenfalls daran hängenbleibt.

Glücksspiel: Für die wenigen Sprünge in Crusader: No Remorse braucht ihr gute Nerven. Quelle: PC Games Glücksspiel: Für die wenigen Sprünge in Crusader: No Remorse braucht ihr gute Nerven. Wirklich haarig sind die Sprungeinlagen, für die man teilweise sogar auf einer kleinen, schwebenden Plattform landen soll. Diese Momente sind zwar zum Glück nur sehr selten, zeigen der Engine aber deutlich ihre Grenzen auf: Da kommt es immer wieder zu fehlerhaften Fallanimationen, teilweise prallt der Held an der Plattform ab und rutscht meterweit ins Leere. Darum: Immer, wirklich immer vor so einer Szene schnellspeichern! Denn bis ein Sprung wirklich sitzt, landet man schon das eine oder andere Mal im Abgrund.

Der schrille Weasel ist der einzige Händler im Spiel. Quelle: PC Games Der schrille Weasel ist der einzige Händler im Spiel.

Als Full Motion Video noch cool war

Deutlich gelungener sind dafür die Abschnitte zwischen den Missionen. Denn nach jedem Einsatz kehrt ihr in eure Rebellenbasis zurück. Dort könnt ihr kurz verschnaufen oder die TV-Nachrichten anschauen, in denen das Consortium seine Propaganda verbreitet. Und ihr dürft euch sogar mit anderen Charakteren unterhalten. Ein echtes Dialogsystem gibt es zwar nicht, aber dafür laufen alle Gespräche in sauber gemachten Filmsequenzen mit echten Darstellern ab.

Manche der Schauspielerleistungen sind zwar ein bisschen übertrieben, aber im Großen und Ganzen geht die Besetzung völlig in Ordnung. Nettes Detail: Die Hintergründe und Kostüme in den Filmchen passen genau zum Gameplay, dadurch entsteht kein unschöner Bruch zwischen Videos und Spielgrafik. Crusader wurde übrigens auch komplett auf Deutsch vertont - und das sogar ziemlich ordentlich! Leider gibt es vom ersten Spiel heute nur die englische Fassung digital zu kaufen.

  1. Seite 1 Crusader: No Remorse - Retro: Keine Gnade, keine Reue
  2. Seite 2 Crusader: No Remorse - Retro: Zerstörung zum Staunen
  3. Seite 3 Crusader: No Remorse - Retro: Steuerung und Videos
  4. Seite 4 Crusade: No Remorse - Retro: Musik, Atmosphäre und Fortsetzung
  5. Seite 5 Crusader: No Remorse - Retro: Konsolenports und Crusader 3
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