Black & White heute: Kauf, Rechte & Vermächtnis
Special
Warum Black & White heute kaum erhältlich ist und weshalb Fans auf ein Comeback hoffen.
Es ist in der Summe keine Sandbox mehr, eher ein super spielbarer Mix aus Aufbau- und Echtzeit-Strategie. Das Ergebnis macht zwar trotzdem viel Spaß, büßt aber auch ein wenig der alten Faszination ein. Die Wertungen fallen deshalb spürbar niedriger aus und die Verkaufszahlen des ersten Teils kann Black & White 2 nicht mehr erreichen.
Lionhead zieht seine Konsequenzen daraus, zumal Konsolenspiele im Jahr 2005 bereits stark im Aufwind sind. Spätestens nachdem Lionhead ein Jahr später von Microsoft gekauft wird, konzentriert sich das Studio voll und ganz auf die Fable-Serie. Mit Black & White ist es dagegen aus und vorbei, einen dritten Teil gibt's nämlich bis heute nicht.
In diesem Artikel
Wo kann ich Black & White heute kaufen? Und läuft das überhaupt noch?
Umso mehr wünschen sich viele Fans eine Neuauflage der beiden Spiele, ganz egal ob nun als Remaster oder einfach nur als simpler Port für moderne Betriebssysteme. Doch so einfach ist es leider nicht, denn Black & White ist eines der wenigen wirklich großen PC-Spiele, die nie digital erschienen sind. Egal ob auf Steam oder GOG, es gibt einfach keine Möglichkeit, das Ding legal zu kaufen - wer also eine Version haben will, muss sich auf Ebay oder bei anderen Quellen umsehen.
Quelle: Lionhead
25 Jahre Black & White: Legendäre Göttersimulation zwischen Hype und Größenwahn (1)
Hat man dann ein Exemplar ergattert, steht man noch vor der Aufgabe, das Ding irgendwie zum Laufen zu bringen. Einfach installieren und losspielen? Kann man auf modernen Systemen vergessen, da braucht es mehrere Schritte für die Einrichtung und Fanpatches dazu, bis die Dinger wieder in die Gänge kommen. Das ist zwar ein ganz schöner Aufwand und das Ergebnis spielt sich auch nicht fehlerfrei, doch zumindest kann man Black & White so zum Beispiel in moderner 4K-Auflösung erleben.
Doch warum kann man Black & White nicht einfach digital kaufen? Und wieso hat eigentlich noch niemand ein Remaster produziert? Wie GOG schon 2022 in einem Interview verraten hat, bemühen sich die Retro-Experten schon lange darum, die beiden Spiele endlich wieder aufzupolieren und verkaufen zu dürfen. Auf der Wunschliste der GOG-Community belegt es sogar den ersten Platz!
Doch das Problem liegt, wie so oft, bei den Eigentümern. In diesem Fall ist das der Publisher Electronic Arts, der Black & White ursprünglich veröffentlicht hat, er besitzt bis heute das Vertriebsrecht an beiden Spielen. Die Markenrechte und der komplette Programmcode liegen dagegen bei Microsoft, nachdem Lionhead im Jahr 2016 geschlossen wurde. Laut Bartosz Kwietniewski von GOG wäre es theoretisch zwar absolut möglich, eine Einigung mit beiden Seiten auszuhandeln. Doch offenbar besteht bei denen einfach kein großes Interesse, andernfalls wäre die Sache nämlich schon vor Jahren über die Bühne gegangen. Die Fans sind also weiter zum Warten und Hoffen verdonnert.
Quelle: Lionhead
25 Jahre Black & White: Legendäre Göttersimulation zwischen Hype und Größenwahn (2)
Was vom Hype übrig blieb
Black & White ist kein Klassiker, weil es alles richtig gemacht hat. Es ist ein Klassiker, weil es Dinge versucht hat, an die sich sonst kaum jemand rantrauen würde. Es stimmt zwar, dass Molyneux im Vorfeld zu viel versprochen und den Hype mitbefeuert hat. Und letztendlich war Black & White vielleicht auch nicht so umwerfend oder wegweisend wie erhofft. Es ist und bleibt also ein polarisierendes Spiel - aber eben auch eines, das genau das geliefert hat, was heute so viele an der Gaming-Branche beklagen: mutige Ideen, ein riskantes Konzept und innovative Technik - und das alles entwickelt von einem kleinen Team, das praktisch bei Null angefangen hat. So etwas muss man erst mal hinbekommen.
Doch heute, im Jahr 2026, ist der Ruf von Peter Molyneux schwer angeschlagen. Dabei galt der charmante Brite mal als waschechter PR-Profi, der selbst erfahrene Journalisten um den Finger wickelt und mit Versprechungen lockt, die er am Ende nicht immer einlöst. So kündigt er schon für Fable vollmundig mehrere Features an, die aber nie im fertigen Spiel auftauchen. Viele Fans können darüber noch hinwegsehen, schließlich haben wir dem Mann zig großartige Spiele zu verdanken. Doch Jahre später ruiniert er sein Ansehen mehrmals in Folge, zuerst mit dem Kinect-Schwindel Project Milo, gefolgt vom enttäuschenden Curiosity-Experiment und gekrönt von der Kickstarter-Gurke Godus. So hat sich der Gaming-Visionär letztendlich selbst ins Abseits katapultiert.
Quelle: Medienagentur plassma / Olaf Bleich
Die Bauoptionen sind im zweiten Teil wesentlich vielschichtiger geworden. Die Interaktion mit der eigenen Kreatur wurde hingegen spürbar vereinfacht.
Doch seitdem sind wieder ein paar Jährchen ins Land gegangen und Molyneux wagt noch einmal einen neuen Anlauf. Mit Masters of Albion kehrt der Brite wieder ins Godgame-Genre zurück und verspricht einen vollgepackten Mix aus Mittelalter-Aufbau, Götter-Sim und Fantasy-Rollenspiel, mit Action, Handwerk, Warenkreisläufen, Erkundung, Survival, Tower Defense und gefühlt einem Dutzend anderer Genres, alles natürlich mit jeder Menge Freiheit, dynamischen Systemen und moralischen Entscheidungen.
Klingt also wieder mal ziemlich irre und überambitioniert, was sich Molyneux und sein Team von 22Cans da vorgenommen haben. Und klar: Das Ding könnte am Ende krachend auf die Nase fliegen. Aber wenn uns Black & White eines gelehrt hat, dann doch, dass selbst verrückte Ideen, und eine gute Portion Größenwahn hin und wieder bemerkenswerte Spiele ergeben können, an die man sich noch lange Zeit erinnert - und für alles andere gibt es schließlich noch den Einheitsbrei.
