Black & White: Kreaturen-KI & Gameplay-Details
Special
KI, Quests und Entscheidungen: Warum die Kreaturen in Black & White das Spiel so besonders machen.
Die Dorfbewohner haben ein gewisses Eigenleben und folgen simplen Mustern, Berufen und Bedürfnissen, manche pflanzen sich fort, andere holen Holz und Nahrung oder bauen Häuser. Man kann ihnen dabei helfen, sollte es aber nicht übertreiben - sonst riskiert man, eine Gemeinde voller Faulpelze großzuziehen, die irgendwann keinen Finger mehr rührt. In dem Fall muss man hart durchgreifen und die Bevölkerung eine Weile ... "umerziehen", damit sie sich wieder um sich selbst kümmert.
Jammer rum, dann hilft dir Gott
Die Stimmung im Volk beeinflusst ihr auch über jede Menge Quests, die durch goldene und silberne Schriftrollen dargestellt werden. In denen lernt ihr unterschiedlichste schrullige Figuren aus der Nähe kennen, die natürlich prompt ihre Sorgen und Nöte bei euch abladen. Manche vermissen vielleicht ein paar ausgebüxte Ziegen, andere wollen, dass wir seltene Steine herschleppen und korrekt anordnen - ein paar Puzzles haben es also auch ins Spiel geschafft. Und dann soll man wieder einen Brand löschen, ein paar Leute vor dem Ertrinken retten oder ein göttliches Wunder vollbringen.
Quelle: Medienagentur plassma / Olaf Bleich
Die Baufunktion ist rudimentär. Hier bastelt der Handwerker Holzbalken für ein größeres Wohnhaus zusammen. Bestimmte Aktivitäten beschleunigen wir, indem wir Bewohner schnappen und sie auf Baustellen oder Felder setzen. Dadurch werden sie zu Jüngern und erledigen ausschließlich diese Aufgabe.
Nicht jeder dieser Aufträge ist für sich genommen eine Spaßgranate, manche fallen sogar ziemlich öde aus oder ziehen sich in die Länge. Aber es sind auch ein paar richtig nette Quests dabei, vor allem, wenn sie mit dem Lionhead-typischen Humor punkten, den wir noch aus Bullfrog-Zeiten kennen. Wer's gespielt hat, erinnert sich bestimmt noch an die hungrigen Seeleute auf der ersten Map. Die stimmen ungefragt ein Liedchen an, mit dem sie uns bitten, Vorräte und Holz für den Schiffsbau zu besorgen, damit sie endlich aufbrechen können - kann man nervig finden oder verdammt liebenswert, aber kalt lässt es garantiert niemanden.
In diesem Artikel
Und auch hier hat man die Wahl: Besorgt man ihnen die gewünschten Sachen oder straft man sie mit göttlichem Zorn? Das beeinflusst nicht nur unsere Gesinnung, sondern in dem Fall hat's auch konkrete Folgen. Hilft man der Truppe nämlich dabei, in See zu stechen, begegnet man ihnen auf der fünften Insel wieder und wird dort mit einer vorgebauten Siedlung und einer neuen Kreatur belohnt.
Je nachdem, wie ihr euch in solchen Momenten verhaltet, verändert sich auch das Aussehen eures Tempels. Es ist das wichtigste Gebäude im Spiel und wird entsprechend oft besucht. Hier wird euch nicht nur fleißig gehuldigt, ihr könnt das Bauwerk auch selbst betreten. Darin klickt man sich von Raum zu Raum, wo dann verschiedenste Statistiken und Infotafeln auf euch warten, außerdem dürft ihr nur hier Savegames anlegen - dabei wird dann sogar stilecht ein Screenshot in einem Bilderrahmen ausgehängt. Klar wäre das alles auch einfacher und schneller gegangen. Aber wir reden hier immer noch von Lionhead! Da macht der kreative Eifer eben nicht mal vor dem Speicher-Menü halt.
Quelle: Medienagentur plassma / Olaf Bleich
Gut aufgepasst! Nachdem wir unserem Affen gezeigt haben, wie man Bäume zu Holz verarbeitet, hilft er uns dabei - zumindest manchmal.
Killerkuh und Kuscheltiger
Bis dahin wäre Black & White schon ein eigensinniger und halbwegs unterhaltsamer Mix aus Aufbau- und Götterspiel - doch erst eure Kreatur macht das Ganze zu etwas Besonderem, die ist schließlich der Star der Show. Ihr sucht euren Schützling kurz nach Spielbeginn aus, danach begleitet er euch durch die gesamte Kampagne. Anfangs stehen nur drei Biester zur Auswahl. Der Affe ist clever und lernt besonders schnell, ist aber körperlich schwächer als der Rest. Der Tiger haut dagegen kräftig zu, bekommt aber lange Zeit kaum was gebacken und muss erst umständlich erzogen werden. Und die putzige Kuh ist irgendwo dazwischen. Später in der Kampagne könnt ihr eure Kreatur noch durch andere Viecher ersetzen, zum Beispiel durch Zebras, Bären oder Schildkröten. Dadurch ändern sich zwar ihre Basiswerte, doch all ihre gelernten Erfahrungen bleiben ihnen erhalten.
Eure Kreatur ist nämlich keine austauschbare Einheit, die einfach nur Befehle ausführt. Stattdessen werkelt in dem Vieh eine fortschrittliche KI, die ihm ein Eigenleben verpasst, das auf Werten wie Wissen, Bedürfnissen und Absichten basiert. Wie sie damit umgeht, wie sie mit der Umgebung interagiert und was sie als gut oder schlecht einordnet, das alles lernt die Kreatur erst im Laufe der Zeit. Entweder auf eigene Faust - oder aber man legt sie hin und wieder an eine magische Lern-Leine. Dann kann man sie eine Weile durch die Welt führen und ihr alles Mögliche zeigen. Zum Beispiel, dass man Bäume ausreißen und ins Lager transportieren kann. Oder dass sich im Wasser Fische fangen lassen, mit denen man seinen Hunger stillt. Dass man Felder abernten und damit die Bevölkerung versorgen kann. Sogar Zauber kann man dem tierischen Sidekick beibringen, indem man sie einige Male vorführt. Wenn ihr der Kreatur zum Beispiel zeigt, wie man Bäume mit dem Regenwunder gießt, übernimmt sie den Job irgendwann selbst und hilft so dabei, die Holzvorräte ein wenig aufzustocken. Wer hier etwas Zeit ins Training investiert, züchtet sich einen praktischen Helfer heran - und das finden dann auch eure Untertanen ziemlich super.
Ganz anders schaut die Sache aus, wenn euer Tierchen plötzlich Häuser mit Feuerbällen und Steinen bewirft, eure Vorräte verputzt oder den Friedhof als Klo benutzt. Und wenn es sich dann noch einen saftigen Bewohner schnappt und ihn neugierig verputzt, ist die Stimmung im Volk erst so richtig im Keller.
Quelle: Medienagentur plassma / Olaf Bleich
Kraulen im Kornfeld: Per Tastendruck können wir mit unserer Kreatur auf Tuchfühlung gehen, sie mit Streicheleinheiten belohnen oder mit Schlägen bestrafen.
Wer mag, kann sein Tierchen in solchen Fällen dann aktiv erziehen. Dazu krault man ihm entweder den Bauch und bestätigt es in seinem Handeln - oder man verpasst ihm ein paar saftige Schellen und bringt ihm so bei, dass Leute naschen oder auf Gebäude kacken eben doch nicht so okay ist.
Im Laufe der Zeit verändert sich eure Kreatur auch optisch und spiegelt so ein wenig eure Spielweise wider. Anfangs sind eure Tierchen noch putzige kleine Kerlchen, kaum größer als ein Gebäude, doch je mehr sie futtern, rasten, lernen und trainieren, desto mehr wachsen sie auf Godzilla-mäßige Größe heran, werden muskulös oder fett, böse oder hilfsbereit, klug oder hohl, fröhlich, aggressiv und so weiter. Als hätte man ein Tamagotchi mit einem Psycho-Test gekreuzt.
Was tut man da eigentlich?
Auch wenn also viele gute Ideen im fertigen Black & White stecken, ist der Spielablauf erstaunlich simpel gestrickt. Die gesamte Kampagne besteht aus fünf großen Inselwelten, und in jedem Level geht es letztendlich darum, die Karte zu erobern. Dazu baut man zuerst mal die eigene Siedlung aus, sorgt für Nachwuchs und stellt Wohnraum bereit.
