Stundenlang gespielt: Avowed wird kein Überflieger - und das ist auch völlig in Ordnung
Special
Schluss mit den ewigen Skyrim-Vergleichen: Wie spielt sich Avowed wirklich? Meine Eindrücke nach mehreren Spielstunden.
Stressfreies Erkunden
Wenn ich nicht gerade Echsenwesen, Spinnen oder Banditen verkloppe, erkunde ich die idyllischen Landschaften. Im Startgebiet fehlt es zwar noch etwas an Leben, doch trotzdem gibt es einiges zu entdecken. Am Ufer hinter einem Lagerhaus entdecke ich zum Beispiel eine gemütliche Decke samt Körbchen, hübsch hergerichtet für ein romantisches Picknick. Gratisessen, wie praktisch!
Später klettere ich eine Klippe hinauf, entdecke dort hinter einem Wasserfall eine Schatzkiste, die einen nützlichen Zauberstab enthält. Und gleich danach komme ich in einer Ruine an einer merkwürdigen Statue vorbei - bei genauerer Untersuchung erspähe ich einen Schalter, der eine Geheimtür zu einem weiteren Schatz öffnet. Den magischen Ring kann ich gut gebrauchen.
Quelle: Xbox Game Studios
Und so geht es immer weiter: Egal ob ich in eine Spinnenhöhle stolpere, unter einer Brücke tauche, eine Ruine erkunde oder übers Scheunendach auf einen Dachboden klettere - überall warten kleine und große Belohnungen, das motiviert.
Viel verpassen kann man allerdings auch nicht. Egal, ob Waffe, Heiltrank oder Goldmünze: Mit sanften Soundeffekten und bunten Farbmarkierungen betteln die Gegenstände förmlich darum, endlich mitgenommen zu werden. Sagte ich schon, dass sich Avowed sehr einsteigerfreundlich spielt?
Freunde ohne gewisse Vorzüge
Ähnlich wie in Fallout: New Vegas oder The Outer Worlds treffe ich unterwegs auch besondere NPCs, die ich als Begleiter mitnehmen kann. Dem ersten begegne ich gleich nach dem Tutorial, schon nach ein paar Minuten will ich ihn nicht mehr missen: Der blauhäutige Kai teilt nicht nur in Kämpfen ordentlich aus, er klinkt sich auch immer wieder in Dialoge ein oder kommentiert das Geschehen - das sorgt für Flair.
Nebenbei hat er die Fähigkeit, brennbare Hindernisse wie etwa Spinnenweben abzufackeln. Dazu muss ich nur sein Talent aus einem Ringmenü auswählen. Alternativ könnte ich auch selbst einen Flammenzauber schleudern oder eine Brandbombe werfen. Aber wozu die Mühe? Kai regelt.
Quelle: Xbox Game Studios
Auch Begleiter wie er leveln mit der Zeit auf, dann sucht man ihnen ein paar aktive Skills und passive Verbesserungen aus. Ich habe aber leider keine Möglichkeit gefunden, meinen Kameraden neue Ausrüstung in die Hand zu drücken - an ihrer Bewaffnung und ihrem Aussehen konnte ich darum (noch) nichts ändern.
Ab und zu wollen meine Kumpels auch mal plaudern. Dazu muss ich erst besondere Orte aufsuchen, an denen ich ein Lager aufschlagen darf. Ähnlich wie in meinem Raumschiff in The Outer Worlds steht hier dann die Truppe zum Plausch bereit. Hoffnungen auf Romanzen braucht man sich allerdings nicht machen, denn ein Beziehungssystem haben die Entwickler bereits ausgeschlossen.
Zumindest kann ich an Werkbänken aber meine Ausrüstung verbessern, wenn ich vorher die nötigen Ressourcen gesammelt habe. Was daran neu ist? Nicht das Geringste. Spaß kann es am Ende trotzdem machen - doch um das Crafting richtig einzuschätzen, werde ich mehr als nur ein paar Spielstunden brauchen.
Fazit: Es muss nicht immer ein Meisterwerk sein
Am Ende meiner Spielzeit bleibe ich mit gemischten Gefühlen zurück. Avowed macht Spaß, keine Frage! Doch alles, wirklich alles daran, wirkt unglaublich vertraut, gewöhnlich, um nicht zu sagen: einfallslos. Aber: Schnitzel mit Pommes habe ich auch schon tausendfach gegessen - und trotzdem ist das manchmal genau das Richtige.
Eben dieses Gefühl hatte ich auch bei Avowed: Es will das Genre nicht auf den Kopf stellen, sondern gibt sich mit dem zufrieden, was es ist - und könnte damit genau bei den Spielern punkten, die sich einfach nur mal wieder ein gutes, zugängliches Action-Rollenspiel wünschen, das nicht gleich hunderte Spielstunden verschlingt.
Avowed hat allerdings zwei Probleme, die ihm am Ende den Erfolg verhageln könnten. Da wäre einmal die Konkurrenz: Obsidian veröffentlicht das Spiel am 18. Februar 2025 - und damit genau eine Woche nach Kingdom Come: Deliverance 2, das viele Rollenspieler auf ihrem Wunschzettel haben. Dass in der gleichen Woche auch noch Assassin's Creed: Shadows vom Stapel läuft, macht die Sache nicht besser.
Und dann wäre da noch der Preis: Microsoft ruft 70 Euro für Avowed auf. (Für die Premium Edition werden sogar 90 Taler fällig!) Das ist der übliche Preis für AAA-Produktionen, doch manchen dürfte das angesichts der Spielzeit vielleicht ein Zehner zu viel sein: Die Entwickler haben schon bestätigt, dass Avowed einen vergleichbaren Umfang wie The Outer Worlds haben wird - und das lässt sich in 30 bis 40 Stunden komplett durchspielen. Natürlich wird Avowed aber auch ab dem ersten Tag im Game Pass landen - und ich bin sicher, dass es spätestens dort eine ganze Menge Fans finden wird. Schnitzel mit Pommes geht eben immer.
