Für das neue Alice: Madness Returns haben wir die Entwickler Spicy Horse Games in Shanghai besucht und ein Interview mit Entwicklerlegende American McGee geführt.
Welche Publikum wollen Sie mit Ihrem Spiel ansprechen?
Das ist spannend! Die Geschichte von Alice im Wunderland landet in allen so genannten „vier Quadranten“: jung, alt, männlich und weiblich. Das ist wirklich ideal! Daher haben wir versucht, diese Eigenheit beizubehalten und praktisch alle Spieler anzusprechen. Das war schon beim ersten Spiel so. Und das zwingt uns schon wieder neue Einschränkungen auf.
Etwa in der Art, wie wir Figuren gestalten. Da wollen wir die weibliche Zielgruppe nicht abschrecken. Oder beim Kampfsystem! Da wollen wir etwa junge Spieler nicht überfordern. Wir denken ständig über solche Sachen nach, denn dieser allumfassende Reiz der Alice-Geschichte ist einzigartig.
Bei der Präsentation des Spiels sprachen Sie davon, dass auch Puppentrickfilme aus den 80ern eine große Inspiration waren.
Ja, das geht uns allen so. Wir haben im Studio sogar einen speziellen Film-Raum. Dann bringen wir das ganze Team zusammen und schauen gemeinsam solche alten Filme wie Der Dunkle Kristall oder Labyrinth, damit auch alle verstehen, wohin wir mit dem Spiel wollen.
Ein Mitarbeiter, der das erste Spiel nicht kennt und auch diese Art Filme nie gesehen hat, glaubt vielleicht angesichts der Tatsache, dass wir ein Spiel mit M-Rating machen: „Yeah, das wird richtig blutig! Schaut euch das viele Blut an, das ich gemacht habe!“ Und dann muss man sich eben mit diesem Menschen hinsetzen und ihm unseren Ansatz erklären. Es gibt eine Art und Weise, die Dinge im Spiel zu präsentieren, also Charaktere, Objekte oder Artworks, die extrem verstörend sind. Aber eben nicht, weil literweise Blut spritzt. Es könnte eine unnatürliche Körperhaltung sein, seltsame Größenverhältnisse oder falsche Perspektiven. Es braucht etwas Zeit und Mühe, auf diese Weise zu arbeiten. Es ist nicht so einfach wie „Da, Blut! Wie gruselig!“ und es zwingt unsere Künstler dazu, sehr lange darüber nachzudenken, wie sie Dinge ohne Blut und Gewalt gruselig machen können.
Und so viel sei verraten: Es wird im Spielverlauf Abschnitte geben, die einfach unglaublich verstörend sind. Da ist zwar nirgends Blut, sie sind aber dennoch völlig krank. Es sind sehr kindliche, farbenfrohe Umgebungen aber stets, wenn man genau hinschaut, stimmt irgendetwas überhaupt nicht damit. Und durch solche Spielwelten wandeln zu können, ist nach all der Mühe eine tolle Belohnung für uns.
Werden solche verstörenden Dinge auch Alice direkt passieren?
Nun, ich will nicht zu viel verraten. Sie verändert sich. Und zwar wie die Umgebung auch. Das ist ein Geben und Nehmen zwischen ihr und der Spielwelt.
Was ist eigentlich mit den Filmrechten zum ersten Alice-Spiel passiert?
Die Rechte für einen Film existieren nach wie vor. Sie wurden verkauft und liegen nun in den Händen einiger Leute, die absolut nichts mit unserem Projekt oder Electronic Arts zu tun haben. Wir haben also keinerlei Einfluss darauf, was damit passieren wird. Aber so wie ich Hollywood kenne und da erst kürzlich dieser große Disney-Film zum Thema Alice erschien, wage ich mal die Prognose, dass es in den nächsten fünf Jahren kaum Chancen gibt, dass dieser Film produziert wird.
Andererseits: Wer weiß, was nach diesen fünf Jahren passiert? Das ist ja das tolle an diesem Stoff. Alice im Wunderland wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder neu aufgegriffen, verändert und auf tausende Arten neu erzählt. Jedes Jahr probieren zehn oder zwanzig Leute etwas Neues mit dem Stoff, uns eingeschlossen. Aber sollte tatsächlich irgendwann mal dieser Film erscheinen, haben wir damit nichts zu tun gehabt.
