Xbox: Microsoft muss in die Gänge kommen

Kolumne Carlo Siebenhüner
Xbox: Microsoft muss in die Gänge kommen
Quelle: Microsoft / pcgames

2022 war kein gutes Xbox-Spielejahr. Nach zwei Jahren mit der Series X muss jetzt endlich was passieren, findet Carlo Siebenhüner in seiner Kolumne.

Doch es gibt noch einen Faktor, der diese Mangelerscheinung an Spielen noch gravierender erscheinen lässt. Schon in der One-Ära entwickelte sich eine ungesunde Dreierkonstellation, denn die einzigen Studios, die man nach dem Kahlschlag übrig ließ, kümmerten sich um genau drei Marken: Halo, Gears und Forza. Das soll nicht heißen, dass die Spiele schlecht sind. Im Gegenteil sind sie sogar richtig gut. Doch war es immer nur eines von den Dreien und das ist auf Dauer ermüdend. Dazu kamen noch zeitexklusive Sachen, wie Ori oder Rise of the Tomb Raider. Der Rest der One-Generation wurde komplett von Drittanbietern gestemmt und war somit auch auf der PlayStation erhältlich.

PlayStation does what Microdon't

Das ist ein Problem, denn eine der wichtigsten Regeln im Konsolengeschäft lautet, dass man mit Exklusivspielen starke Anreize bieten muss, die Leute auf die eigene Plattform holen. Genau das hat Sony gemacht. Die zogen währenddessen davon, mit Spielen wie Uncharted, Horizon, God of War, Spider-Man, Detroit, Death Stranding, Days Gone, The Last of Us, Bloodborne, Ghost of Tsushima, Infamous, The Last Guardian... Soll ich noch mehr aufzählen?

Xbox: Microsoft muss in die Gänge kommen (5) Quelle: Microsoft Xbox: Microsoft muss in die Gänge kommen (5)

Natürlich sind auch die sich alle recht ähnlich: Third-Person-Singleplayer-Action-Adventure-Rollenspiel-Mischformen. Das kann man durchaus kritisieren, doch sie haben eben alle genug Eigenständigkeit, dass die meisten davon völlig zurecht von Kritikern und Fans gefeiert werden. Für mich gehört The Last of Us: Part 2 mit zum Besten, was ich in den letzten Jahren überhaupt gespielt habe und Ghost of Tsushima ist ein Artstyle-Gedicht. Genau so etwas fehlt aber auf der grünen Seite.

Die grüne Welle kommt

Xbox strengt sich durchaus an, diesen Makel aufzuholen. Sie sind lange auf Shoppingtour gegangen und haben erst ein paar Studios, dann Bethesda und jetzt Activision Blizzard geschluckt. Ich weiß, das Thema ist wirklich sensibel und das Internet diskutiert sehr emotional über das Für & Wider, sich gleich ganze Publisher einzuverleiben. Doch schieben wir die Emotionen zur Seite und betrachten das ganz rational, dann ist dieser Schritt aus Microsofts Sicht der einzig logische. Microsoft hat es ganz einfach versaut, sich über die Jahre eine gesunde Entwicklerbasis aufzubauen. Anschließend haben sie eine ganze Generation gebraucht, um sich neu zu sortieren, mit dem Ziel, jetzt weiter mitzuspielen.

Das bedeutet aber auch, dass keine Zeit da ist, in einem langwierigen Prozess Studios aufzubauen und aufzupäppeln. Eine Vorgehensweise, für die Sony immer gelobt und geschätzt wird. Für Microsoft ist das nicht drin, die müssen jetzt mit einem Sony mithalten, das seit Jahren einen Top-Titel nach dem anderen raushaut. Also brauchen sie die Studios auch jetzt und nicht erst in zehn Jahren, wenn man sie langsam hochgezogen hat. Talentierte Gamedesigner und -designerinnen wachsen schließlich nicht auf den Bäumen. Aus einem rein logisch-geschäftlichen Blickwinkel ist das Vorgehen also der einzig richtige Schritt. Das heißt natürlich nicht, dass man das persönlich gut finden muss.

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