Xbox: Microsoft muss in die Gänge kommen
Kolumne
2022 war kein gutes Xbox-Spielejahr. Mit der Verschiebung von Starfield und Redfall klafft eine riesige Lücke im Spielekatalog von Team Grün. Nach zwei Jahren in der neuen Konsolengeneration muss da jetzt endlich was passieren, findet Carlo Siebenhüner in seiner Kolumne.
Freunde, wie die Zeit vergeht. Es ist November und in einem Monat ist schon wieder fast Weihnachten. Doch bevor ihr jetzt panisch im Kreis rennt, weil ihr noch keine Weihnachtsgeschenke habt, lasst uns doch vorher ein wenig über Spiele reden. Denn bisher war das Spielejahr meiner Meinung nach eher durchwachsen. Ja, es gab große Brecher dieses Jahr mit Elden Ring und God of War: Ragnarök. Horizon: Forbidden West ist ziemlich untergegangen, war aber auch ein großes Ding. Von mir aus zählen auch A Plague Tale oder Xenoblade Chronicles 3 zu den stärkeren Titeln.
Und sonst? Die großen Dritten, wie Gotham Knights, haben mal wieder enttäuscht und der Rest bestand aus eher kleineren Titeln. Dabei hat vor allem ein Publisher mit Abwesenheit geglänzt: Und das ist Xbox. Wer meine Kolumnen verfolgt, weiß vielleicht, dass ich zwar eine PlayStation habe, mich in dieser Generation aber für Team Grün entschied, mit einer Series X. Ich liebe meinen schwarzen Monolithen auch und hatte die letzten zwei Jahre viel Spaß mit ihm. Doch nach diesem Jahr muss ich schon sagen: Xbox muss jetzt langsam in die Gänge kommen, was Triple-A-Releases angeht.
In diesem Artikel
Denn nach zwei Jahren in der neuen Konsolengeneration muss das Versprechen eingehalten werden, das man zum Start dieser Generation getroffen hat. Das war vereinfacht gesagt: "Nach der Saure-Gurken-Zeit der One-Generation ist Xbox wieder da!"
Xbox IST wieder da - teilweise
Ja, man muss definitiv zugeben, dass Xbox tatsächlich ein starkes Comeback hingelegt hat. Man hat eine tolle Konsole mit ordentlich Power. Man bietet auch was für Einsteiger mit der Series S und beide Konsolen verkaufen sich sehr gut. Es gibt eine umfangreiche Abwärtskompatibilität. Mit Play Anywhere kann ich Spiele auf dem PC, der Konsole oder in der Cloud nahtlos da weiterspielen, wo ich aufgehört habe. Und dann gibt es natürlich noch das Killer-Argument mit dem Xbox Game Pass. Während andere Spieleanbieter die Preise angezogen haben, konnte Microsoft das Spielen günstiger machen, doch ohne dass Spielehersteller dadurch das Nachsehen haben. Im Gegenteil profitieren die sogar aktuell von den Spieleabos. Wer das nicht glauben will, schaut gern mal in unseren Report zum Thema. Dort haben wir mit einem Publisher gesprochen, der seit Start des Game Pass dabei ist.
Nur an einer Stelle hakt es aber im Hause Microsoft ganz gewaltig. Die richtig großen Aushängeschilder durch First-Party-Spiele fehlen auch zwei Jahre nach dem Start der Konsolengeneration. An dieser Stelle sind die Auswirkungen der Xbox One auch heute noch mit voller Wucht spürbar. Aus irgendeinem Grund hatte Microsoft in der Lebenszeit der 360 die völlig irre Idee, dass eigene Entwicklerstudios vollkommen überbewertet sind und hat angefangen, den Großteil seiner Studios abzusägen.
Quelle: Microsoft
Xbox: Microsoft muss in die Gänge kommen (2)
Lionhead Studios - dichtgemacht. Ensemble - dichtgemacht. Bizarre Creations - von Activision dichtmachen lassen. Bungie - ziehen lassen. Digital Anvil - dichtgemacht. Aces Game Studio - dichtgemacht. Das fiel ihnen dann spätestens mit dem Start der Xbox One voll auf die Füße. Klar, die ganze Konsole und der Gedanke dahinter waren zu Beginn eine einzige Katastrophe. Doch wo man Always-On, Gebrauchtspielsperre und Kinect-Zwang relativ flott aufheben konnte, war der Mangel an Eigenproduktionen allgegenwärtig - bis heute!
Wenn man sich die Game Awards der letzten zehn Jahre anschaut, konnte Sony mit Ausnahme von einem Jahr jedes Mal ein First-Party-Spiel in den Nominierten für das Game of the Year platzieren. Oft haben sie auch abgeräumt. Nintendo liegt dicht dahinter. Und Xbox? Dort hat es in den letzten zehn Jahren kein einziges Spiel aus der First-Party-Riege geschafft, überhaupt nominiert zu werden.
