Detroit: Become Human im Test - Ein toller interaktiver Androiden-Thriller (mit Testvideo)
Test 35,91 €
Nach einigen Verschiebungen ist es nun endlich soweit und mit Detroit: Become Human erscheint der neueste interaktive Film der Heavy Rain- und Beyond: Two Souls-Macher Quantic Dream. Wir haben den PS4-Exklusivtitel mehrmals durchgespielt und verraten euch, ob der Androiden-Thriller bis zu den vielen möglichen Endsequenzen spannend bleibt.
Nach einigen Verschiebungen ist es endlich soweit und Detroit: Become Human, der neueste interaktive Film der Heavy Rain- und Beyond: Two Souls-Macher Quantic Dream, entführt uns in das Detroit des Jahres 2038, wo der technische Fortschritt den gesellschaftlichen deutlich überragt. Noch immer gibt es unbegründete Vorurteile, offene Anfeindungen und Gewalt gegen Andersartigkeit. In der düsteren Zukunft des PS4-Exklusivtitels richtet sich der Hass einiger Menschen aber nicht gegen Homosexuelle oder Migranten, sondern gegen Androiden. Während die reichere Bevölkerung von den Helfern aus der Cyberlife-Fabrik und dem damit einhergehenden technischen Fortschritt profitiert, verlieren viele andere Menschen ihre Arbeit und machen dafür die Androiden verantwortlich. Und jetzt ratet mal, in welche Rolle wir in Detroit schlüpfen? Wir übernehmen abwechselnd die Kontrolle über die drei Cyberlife-Maschinen Markus, Connor und Kara (bekannt aus Quantic Dreams gleichnamiger Tech-Demo aus dem Jahr 2012) und erleben aus deren Perspektive nicht nur hautnah den Zustand der Gesellschaft, sondern beeinflussen mit unseren Handlungen, ob der Status quo beziehungsweise das System beibehalten wird.
Detroit: Become Human im Test - Auf der Flucht/Auf der Jagd
Da es natürlich langweilig wäre, mit den Protagonisten nur ein paar Haushaltsaufgaben zu erledigen, spielen wir keine gewöhnlichen Androiden. Kara und Markus sind nämlich sogenannte Abweichler, sprich: Sie entwickeln ein eigenes Bewusstsein und empfinden menschliche Emotionen. Während dies bei Kara geschieht, weil sie die kleine Alice vor ihrem gewalttätigen Vater beschützen möchte, setzt bei Markus der Selbsterhaltungstrieb ein, wodurch er menschlich handelt. Beides führt jedoch dazu, dass sie nun von den Behörden als defekt deklariert und verfolgt werden. Kara versucht nun, das Kind zu schützen, und möchte nur in Frieden leben, Markus hingegen trifft weitere Androiden und wird wider Willen zum Anführer des Abweichler-Widerstands.
Der dritte spielbare Charakter hört auf den Namen Connor und ist ein Prototyp, der speziell dafür entwickelt wurde, bei Polizeieinsätzen zu helfen. Er wird direkt von Cyberlife geschickt und zusammen mit seinem menschlichen (ziemlich versoffenen) Partner Hank mit der Lösung der Abweichler-Fälle betraut. Überall in den USA und vor allem in Detroit kommt es nämlich in letzter Zeit vermehrt zu Fällen, in denen Androiden einfach flüchten oder sich gar gegen ihren Besitzer wenden. Warum sind so viele Maschinen plötzlich defekt? Und noch viel wichtiger: Ist es wirklich möglich, dass ein Android zum Leben erwacht?
Quelle: PC Games
Ständig bringt euch das Spiel mit fiesen Entscheidungen in die moralische Zwickmühle. Reagiert man empathisch oder ist man vielleicht doch nur eine Maschine?
Detroit: Become Human im Test - Viele Wege führen nach Detroit
Detroit: Become Human (jetzt kaufen / 35,91 € ) wechselt regelmäßig die Perspektive und lässt euch so Karas und Alices Flucht, Markus' Widerstandsbemühungen sowie Connors Ermittlungen übernehmen. Auch wenn wir mit den drei Protagonisten an völlig verschiedenen Orten sind, bestimmen wir mit den Handlungen aller Figuren, wie sich die Spielwelt verändert. Dies hat völlig unterschiedliche Konsequenzen, die nicht immer sofort absehbar sind. Manchmal äußert sich eine Handlung nur darin, dass Kara in den Fernsehnachrichten sieht, was Markus und seine Gruppe angestellt haben, mal ergeben sich dadurch neue Handlungsstränge, mal wird einem so ein gewisser Lösungsweg für eine Situation verbaut.
Quelle: PC Games
Die Geschichte von Kara und der kleinen Alice ist der emotionalste Part von Detroit und bietet einige hochdramatische Szenen.
Wir entscheiden nicht einfach nur, ob Karas Flucht gelingt, ob Connor seine Ermittlungen erfolgreich abschließt oder sich gar auf die Seite der Androiden schlägt, und ob Markus' Revolution blutig oder friedlich abläuft, sondern bestimmen das Schicksal von Detroit, das sich sogar auf die allgemeine Weltpolitik auswirken könnte. Zumindest vermittelt uns das Spiel sehr gut das Gefühl, dass es so wäre. Dies liegt zum einen daran, dass die Atmosphäre der Spielwelt so wunderbar dicht, düster und authentisch daherkommt, und zum anderen daran, dass es wohl noch keinen anderen interaktiven Film gab, der uns so viele verschiedene mögliche Abläufe bot.
Natürlich hat auch Detroit: Become Human ein paar feste Fixpunkte, die bestimmen, in welche Richtung die Story geht, doch die Wege dorthin und auch die Wege von diesem Fixpunkt aus unterscheiden sich von Spieler zu Spieler deutlich. Hier hat Quantic Dream wirklich nicht zu viel versprochen, jede Handlung, Aktion oder Entscheidung wirkt sich irgendwie auf den Spielverlauf aus. Behandelt Connor seinen Partner Hank schlecht, wird dieser ihm später kaum helfen. Sät Markus mit seiner Widerstandsgruppe Terror und Gewalt, wird er kaum die Öffentlichkeit von seinem Freiheitskampf überzeugen können.
Quelle: PC Games
Dialoge nehmen Quantic-Dream-typisch wieder viel Platz ein. Je genauer ihr die Umgebung nach Hinweisen erkundet, desto mehr Gesprächsoptionen schaltet ihr frei.
Beide Beispiele äußern sich schließlich in wichtigen Szenen und könnten zusammengenommen mit anderen Entscheidungen für ein Ende sorgen, das ganz anders ist als ihr es euch vorstellt. Durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten erhält Detroit: Become Human einen höheren Wiederspielwert als andere Spiele dieses Genres. Habt ihr einen Abschnitt abgeschlossen, zeigt euch das Spiel übrigens anhand eines Diagramms euren Weg sowie verschlossene Lösungsmöglichkeiten, die ihr eben nicht gewählt habt. Sehr schön: Komplettisten können die Kapitel jederzeit vom Hauptmenü aus frei auswählen und an mehreren Kontrollpunkten des Abschnitts ansetzen, um von dieser Stelle aus andere Entscheidungen zu treffen.
Detroit: Become Human im Test - Konsequente Erzählung
Da es sich bei Detroit: Become Human eher um einen interaktiven Thriller handelt als um ein auf Gameplay basierendes Spiel, ist die Qualität der Inszenierung und Story natürlich umso wichtiger und in beiden Punkten überzeugt der Titel absolut. Audiovisuell ist Detroit eine absolute Wucht. Musikuntermalung, Soundkulisse, Vertonung (deutsch und englisch), Licht- und Wettereffekte sowie das Design der fiktiven Zukunft liegen allesamt auf einem herausragenden Level. Besonders die Charaktermodelle sind unfassbar gut gelungen und die allgemeine Präsentation ist so gut, dass sich einige Hollywood-Filme von Quantic Dreams Titel eine Scheibe abschneiden könnten.
Quelle: PC Games
Markus wird im Laufe des Spiels zum Androiden-Anführer wider Willen. Ob der Freiheitskampf friedlich oder blutig abläuft, hängt allein von euren Entscheidungen ab.
Auch die Geschichte überzeugt, da sie verglichen mit Heavy Rain oder Beyond: Two Souls konsequenter erzählt wird und nicht zu viele Themen verarbeiten möchte. Detroit: Become Human ist an einigen Stellen sogar richtig schonungslos und mutet seinen Spielern einige sehr heftige Szenen zu. Eines der von uns erspielten Enden werden wir wohl nie wieder aus dem Kopf bekommen. Nur an einigen Stellen kommt der berüchtigte David-Cage-Kitsch ein wenig durch. Der Franzose, der wie auch bei Heavy Rain und Beyond hier Regie führte und mit einem Co-Autor das Drehbuch schrieb, hält sich mit seinen wilden Ideen und seltsamen Dialogzeilen jedoch sehr zurück. Es gibt nur wenige Dialoge, die hölzern rüberkommen und obwohl ein paar wenige Szenen etwas trashig anmuten, sind sie nie so übertrieben, um einen aus dem Spiel zu reißen. Das lassen die dichte Atmosphäre, die spannende Geschichte und das interessante Szenario gar nicht erst zu.
Da störte es uns eher, dass wir an zwei Stellen vom Spiel quasi zu einer Aktion gezwungen wurden, obwohl wir schon absehen konnten, was als Nächstes passiert und wir deshalb lieber anders reagiert hätten. Insgesamt macht die Geschichte der drei Protagonisten im dystopischen Detroit aber viel Spaß. Cage spielt mit den Erwartungen der Spieler, setzt ein paar falsche Fährten und verteilt überall in den abgesteckten Arealen kleine Hinweise zur Story oder zur Spielwelt. Zudem versucht er nicht mehr zwanghaft alles zu erklären, lässt sogar einige Dinge im Unklaren und fördert somit die Interpretation der Spieler. Zwar bedient er sich einiger symbolträchtiger Bilder aus der Geschichte, wie z. B. bei den abgetrennten Abteilen im Bus für Menschen und Androiden, er holt aber sehr selten den Holzhammer heraus, wodurch Detroit: Become Human sowohl als unterhaltsamer, spannender interaktiver Thriller als auch als Parabel auf Rassismus funktioniert.
Detroit: Become Human im Test - Seichtes Spielerlebnis
Quelle: PC Games
Da sie Empathie zeigte, wird Kara zum Abweichler erklärt und von den Behörden gejagt. Dabei möchte sie doch nur frei sein.
Doch ihr dürft natürlich nicht nur zugucken und ab und an mal eine Entscheidung fällen, ein wenig Gameplay ist natürlich auch in einem interaktiven Film enthalten. So gibt es zum Beispiel wieder einige Action-Sequenzen, die ihr Quantic-Dream- und genretypisch meistert, indem ihr die auf dem Bildschirm angezeigten Tasten auf dem Controller drückt. Das funktioniert sowohl auf dem Schwierigkeitsgrad für Casual Gamer als auch auf dem für erfahrenere Spieler gewohnt gut, sofern nicht die Bewegungssensoren des Dualshock 4 ins Spiel kommen. In den Fällen, wo ihr nicht eine Taste auf dem Controller drücken, sondern das Pad in eine bestimmte Richtung bewegen sollt, wird die Eingabe oftmals nur mit Verzögerung oder erst nach mehreren Versuchen erkannt. Ihr braucht aber keine Angst zu haben, dadurch die Quicktime-Events zu versauen - schließlich kann jeder der drei Charaktere auch vorzeitig ins Gras beißen - irgendwie funktionierte es dann doch immer noch rechtzeitig. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad sehr lasch. Selbst auf der Stufe für erfahrene Spieler macht es oftmals nichts aus, wenn ihr eine der angezeigten Tasten nicht rechtzeitig drückt.
Quelle: PC Games
Action-Sequenzen werden in Quicktime-Events gemeistert. Die Eingabe über die Bewegungssensoren zickt aber hin und wieder.
Neben dem QTE-Knöpfchengedrücke dürft ihr euch an einigen Stellen auch frei in den abgegrenzten Arealen bewegen. Dies ist meistens der Fall, wenn ihr mit Connor einen Tatort untersucht. Drückt ihr R2, werden euch nicht nur eure Missionsziele, sondern auch Interaktionspunkte angezeigt. Während die Analysen an den Tatorten Spaß machen, da ihr hier mit gesammelten Hinweisen den Tathergang rekonstruiert, ist die Bewegung selbst ein wenig krampfig. Ihr müsst oft millimetergenau an einem Objekt stehen, um damit zu interagieren. Zudem bewegen sich die Figuren ein wenig hüftsteif und die Kameraperspektiven sind nicht immer optimal, sodass ihr sie entweder mit R1 komplett wechselt oder ständig mit dem rechten Analogstick nachjustiert, der aber eben auch genutzt wird, um mit Objekten zu interagieren. Einfach ein wenig fummelig.
Das ist besonders schade, weil es sich wirklich lohnt, die Umgebung abzusuchen, da man so oftmals Dinge erfährt, die später neue Gesprächsoptionen und somit Lösungswege freischalten. Ansonsten bemüht sich Quantic Dream aber um ein wenig spielerische Abwechslung, obwohl das Gameplay in allen Fällen ziemlich seicht bleibt. Mit Markus gibt es beispielsweise kleinere Stealth-Einlagen, in denen er Wachen austrickst; Kara muss sich unter Zeitdruck immer wieder vor Verfolgern verstecken und dabei eventuelle Spuren verwischen. Selbst bei Action-Passagen und Verfolgungsjagden darf man sich nun entscheiden, ob man lieber riskant und schnell vorgeht oder ein wenig langsamer, aber dafür sicherer. Das ist sicher alles nicht der heilige Gameplay-Gral, reicht für diese Art von Spiel aber auf jeden Fall aus. Da, wo Detroit: Become Human richtig überzeugen muss, liefert es schließlich richtig ab. (Detroit: Become Human in der Wikipedia.)
