Die Geschichte der Wrestling-Spiele: Vom Pixelbrei zum Showsport-Spektakel
Special
Mit WrestleMania 34 steht an diesem Wochenende in New Orleans die größte Wrestling-Veranstaltung des Jahres auf dem Plan. Um den Showsport-Fans unter euch die Wartezeit bis zum Ertönen der Ringglocke zu verkürzen, erzählen wir euch in diesem Artikel die Geschichte der Wrestlingspiele und ziehen Parallelen zu tatsächlichen Ereignissen im Catch-Business.
Die Geschichte der Wrestling-Spiele
(Fast) Konkurrenzlos
Doch nicht nur im Wrestling begann eine neue Zeitrechnung. Mit der PS2, Nintendos Gamecube und später der Xbox standen neue Konsolen in den Startlöchern. Die SmackDown!-Reihe debütierte 2001 auf der neuen Sony-Hardware. Der dritte Serienteil trug den schönen Untertitel Just Bring It! Brachte aber selbst nicht allzu viel mit. Während im TV bereits viele ehemalige WCW- und ECW-Superstars in der WWF zu sehen waren, konnten sie von Yuke's nicht mehr rechtzeitig zum Release ins Spiel gepackt werden. Überhaupt vermisste man ein paar kreative Ideen und Erweiterungen. Der Nachfolger überzeugte 2002 allerdings wieder sowohl technisch als auch spielerisch. WWE SmackDown!: Shut Your Mouth sah besser aus, beinhaltete die neuen Superstars verfolgte nun aber einen etwas realistischeren Ansatz weg vom Arcade-Gameplay der PSX-Teile. Zudem war es der erste Titel der Reihe nach dem verlorenen Rechtsstreit der World Wrestling Federation mit dem World Wildlife Fund, woraufhin sich die Promotion in World Wrestling Entertainment umbenannte.
Quelle: PC Games
WWE SmackDown! Here Comes the Pain ist dank seines extrem spaßigen Gameplays auch heute noch ein fantastisches Spiel.
Noch immer hielt man bei THQ daran fest, jeder Plattform ein eigenes Wrestling-Game zu kredenzen. Im gleichen Jahr wie Shut Your Mouth erschienen deshalb WWE WrestleMania X-8 für den Gamecube und WWE RAW für die Xbox. Obwohl WM X-8 ebenfalls von Yuke's entwickelt wurde, konnte es nicht recht überzeugen, war aber immerhin nicht so eine mittelschwere Katastrophe wie WWE RAW, welches von Anchor entwickelt wurde. Gerade die Animationen des letztgenannten Titels schwankten stets zwischen grauenhaft und unfreiwillig komisch. Die jeweiligen Nachfolger WrestleMania XIX und RAW 2 im nächsten Jahr kamen zwar immer noch nicht an die SmackDown!-Reihe auf der Playstation 2 heran, machten aber durchaus Laune.
Allerdings war es auch schwer, den WWE-Games auf der PS2 das Wasser zu reichen, da diese ebenfalls 2003 mit Here Comes The Pain das beste Spiel der Reihe herausbrachte. HCTP war realistisch, spielte sich trotzdem flott, sah toll aus, bot viele Spielmodi, der Karrieremodus passte sich dem gewählten Wrestler sowie euren Entscheidungen an und man durfte nun gezielt einzelne Körperpartien der Gegner bearbeiten. Zudem wurden mit First Blood und Bra & Panties zwei neue Match-Arten eingeführt und einige Legenden fanden ihren Weg ins Spiel.
Im nächsten Jahr passte sich die Reihe dem Roster-Split aus dem TV-Programm der WWE komplett an und benannte sich in SmackDown! vs. RAW um, da eh beide Shows im Spiel vertreten waren. Ansonsten änderte sich kaum etwas. Der Karrieremodus bekam eine neue Story, die Grafik wurde ein wenig aufpoliert und die Animationen wurden etwas verbessert. Der Nachfolger SmackDown! vs. RAW 2006 brachte zum Release Ende 2005 jedoch einige Verbesserungen mit sich. Die Präsentation war klasse, die Grafik noch hübscher und der Karrieremodus bot endlich eine Sprachausgabe statt Textboxen. Vor allem aber überzeugte Fans der neue General-Manager-Modus, in dem man selbst über die Geschicke von RAW oder SmackDown! bestimmen durfte. Man stattete Superstars mit Verträgen aus, setzte Rivalitäten an und versuchte so, höhere Einschaltquoten als die Konkurrenz-Show einzusacken.
Der Modus war so beliebt, dass er im Nachfolger SD! Vs. RAW 2007 noch weiter ausgebaut wurde. Nun durfte man noch mehr Shows betreuen, konnte Promos ansetzen oder Werbung schalten, die einem Geld einbrachte, um auslaufende Verträge zu verlängern. Doch das waren bei weitem nicht die einzigen Neuerungen. Der Titel war der erste der Reihe, der auch für die Xbox 360 erschien und die Steuerung wurde ziemlich umgekrempelt. Grappling-Moves führte man nun mit dem rechten Analogstick aus und man konnte sogar den Gegner frei durch den Ring tragen und ihn aus dem Seilgeviert werfen, in die Ecke schleudern oder durch Leitern und Tische slammen. Die Steuerung war recht intuitiv, ging gut von der Hand und brachte der Serie noch mehr Realismus, allerdings gefiel vielen Fans die Bedienung nicht, sodass man schon mit dem nächsten Teil wieder für die meisten Aktionen auf die normalen Tasten zurückwich und das Trage-Feature ganz herausstrich. Erst im letztjährigen WWE 2K18 (jetzt kaufen 19,90 € ) feierte es sein Comeback.
Quelle: PC Games
In SmackDown! vs. RAW 2007 kam zum ersten Mal das Trage-System zum Einsatz.
Doch überhaupt war der Nachfolger SmackDown! vs. RAW 2008 ein ziemlicher Rückschritt. Als erster Titel der Reihe erschien er für die PS3 sowie Nintendos Wii und die Playstation 2 bekam nur eine abgespeckte Version. Egal auf welcher Plattform man jedoch zockte, SD! Vs. RAW 2008 wirkte in vielen Belangen recht lieblos und Entwicklerstudio Yuke's hatte große Probleme mit der technischen Anpassung für die neuen Konsolen. Herauskam letztendlich ein ziemlich verbuggter Titel, bei dem viele groß angekündigte Features wie Springboard-Aktionen nur mit Glück funktionierten. Auch hier steht ein Videospiel wieder sinnbildlich für das tatsächliche Geschehen im Wrestling-Business, schließlich feierte in diesem Titel die zu Recht viel gescholtene WWE-Version der ECW ihr Debüt.
Quelle: PC Games
AKI arbeitete später mit dem Hip-Hop-Label Def Jam zusammen und fertigte mit dieser Lizenz Wrestling-Spiele.
Bevor wir weiter in der Reihe der WWE-Spiele gehen, müssen wir jedoch einen kleinen Schritt zurück machen, denn Vince McMahons Promotion war zumindest im Videospiel-Sektor nicht komplett konkurrenzlos. Nachdem auch AKI und THQ nicht mehr zusammenarbeiteten, tat sich das Studio mit Electronic Arts zusammen, die auch nach dem Ende der WCW Wrestling-Spiele veröffentlichen wollten. Die Lizenz, die man sich angelte, war jedoch reichlich ungewöhnlich. Man arbeitete nun mit dem Hip-Hop-Label Def Jam zusammen und in AKIs erstem Spiel für EA durfte man sich demzufolge mit Rappern wie DMX oder Method Man prügeln. Hierfür nutzte man die Engine von WCW Mayhem und das beliebte Kampfsystem von WWF No Mercy. Def Jam Vendetta erschien 2003, erfreute sich großer Beliebtheit und sackte auch von der Fachpresse gute Wertungen ein. Die Nachfolger Def Jam: Fight for NY (2004) und Def Jam Icon (2007) hatten jedoch nicht mehr sonderlich viel mit Wrestling zu tun und waren eher normale Beat em Ups.
Doch auch Yuke's versuchte es mit einem anderen Wrestling-Game abseits der WWE. In der Rumble Roses-Reihe spielte man nur mit weiblichen Wrestlern, bei denen die Fleischbeschau aber klar im Mittelpunkt stand. Gameplay und Technik waren zweitrangig, sodass es nicht verwundert, dass das Spiel in westlichen Gefilden nicht groß beachtet und von der Presse oftmals abgewatscht wurde. Immerhin veröffentlichte das Studio aber 2004 WWE Day of Reckoning für Nintendos Gamecube. DoR sowie der Nachfolger im nächsten Jahr waren klasse Spiele, die mit eingängigem Kampfsystem und einem toll erzählten Story-Modus glänzten.
Quelle: Midway
TNA iMPACT! sah gut aus, enttäuschte jedoch spielerisch auf ganzer Linie.
Interessanter war allerdings, dass Total Nonstop Action Wrestling bekannter wurde und ein eigenes Videospiel bei Midway in Auftrag gab. Die Promotion wurde 2002 von Jeff und Jerry Jarrett gegründet, etablierte sich über die Jahre mit spektakulärem Wrestling und einem sechseckigen Ring als Alternative zur WWE und verpflichtete viele beliebte Wrestler, die bei der WWE in Ungnade gefallen waren oder unzufrieden mit ihrer Position bei McMahons Liga waren. In diesem Fall kam das Videospiel dem tatsächlichen Geschehen um TNA zuvor.
Während die Promotion erst im Jahr 2009 langsam anfing, sich selbst abzuschaffen, indem man mit aller Gewalt mit der bekannteren WWE gleichziehen wollte, dafür zu hoch bezahlte Altstars wie Hulk Hogan oder Ric Flair verpflichtete und damit die eigene Identität der Liga verlorenging, war schon das Spiel TNA iMPACT! im Jahr 2008 eine Beleidigung für die Fans. Trotz zahlreicher Verschiebungen konnte der Titel gerade mal grafisch überzeugen. In Sachen Präsentation und Gameplay war iMPACT! eine kleine Katastrophe. Entrances wurden nicht komplett gezeigt, es gab keine Ringrichter, die Steuerung war hakelig, das Kontersystem ungenauer als in jedem anderen Wrestlingspiel und das Balancing schwankte stets zwischen einem Kind den Lutscher klauen und Armdrücken mit Braun Strowman.
Besonders der langweilige Karrieremodus enttäuschte, obwohl dieser zuvor stark beworben wurde und TNA den Hauptcharakter Suicide sogar als echten Wrestler in ihre Shows brachte. Das Suicide-Gimmick war allerdings genauso halbgar wie das Spiel, aus dem er entsprungen war. Im Laufe der Jahre steckten ganze sechs verschiedene Wrestler unter der Maske. TNA schaffte es nicht eine echte Alternative oder gar Konkurrenz zur WWE zu werden und das Spiel stellte erst Recht keine Gefahr für die Spiele zur McMahon-Promotion dar.
Quelle: THQ
Die WWE-Spiele boten in den letzten Jahren viele verschiedene Features. SD! vs. RAW 2009 stellte beispielsweise die Tag Teams in den Mittelpunkt.
Die Neuzeit
Bei den Spielen zur WWE gab es in den folgenden Jahren einige Aufs und Abs. Mittlerweile war klar, dass die Games immer wieder einige Bugs beinhalteten und es oftmals gar technische Probleme gab, die sich auf die Performance einiger Match-Arten auswirkten. Und auch zwei Spin-offs zur Hauptserie kamen bei den Fans nicht so recht an. Das 2009 veröffentlichte Legends of WrestleMania war eine sterbenslangweilige Quicktime-Orgie und WWE All-Stars von 2011 war ein herrlich überdrehter Arcade-Prügler, dem es jedoch an Abwechslung und Spieltiefe fehlte.
Quelle: THQ
WWE All-Stars war ein launiger Arcade-Prügler, der ein wenig Abwechslung vermissen ließ.
Die Hauptreihe überzeugte jedoch immer wieder mit spaßigen Features. SmackDown! vs. RAW 2009 setzte stark auf verbesserte Tag-Team-Kämpfe und gefiel, die Nachfolger setzten auf den Road-to-WrestleMania-Modus, in denen man den Weg einzelner vorgegebener Superstars zum größten Event des Jahres verfolgte. Der GM-Modus wurde in den Universum-Modus umgewandelt, bei dem es mehr auf den Show-Aspekt ankam und weniger Fokus auf das tatsächliche Management der Show gelegt wurde. Auch eine Konkurrenzsituation zwischen RAW und SmackDown! gab es nicht mehr, da die beiden Roster im TV immer weiter zusammengeführt wurden.
Ende 2011 entschied man sich bei THQ sogar den mittlerweile etablierten Namen fallen zu lassen und nannte das neu Spiel schlicht WWE 12. Das letzte WWE-Spiel von THQ hieß demzufolge WWE 13 und begeisterte die Spieler mit einem riesigen Roster bestehend aus aktuellen Wrestlern und den Superstars der Attitude-Ära. Der Road-to-WrestleMania-Modus war Geschichte, stattdessen spielte man im Showcase die größten Momente eben jener Zeit rund um Stone Cold Steve Austin, The Rock oder Chris Jericho nach.
Quelle: PC Games
In den Showcase-Modi der neueren WWE-Games dürfen wir bekannte Szenen aus der Wrestlinggeschichte nachspielen.
WWE 13 war eine würdige Verabschiedung von THQ, die Wrestling-Spiele maßgeblich geprägt hatten, aber schon kurz nach dem Release im Dezember 2012 Insolvenz anmeldeten. 2K Games sicherte sich nun die Rechte und startete mit WWE 2K14 Ende 2013 die Weiterführung der Reihe, da man sich ebenfalls das zuständige Studio Yuke's schnappte. Seitdem werden Gameplay, Grafik, Modi und Präsentation weiter ausgebaut, ein revolutionäres Wrestling-Game ist Yuke's aber auch unter dem neuen Label nicht gelungen. Selbst mit dem Sprung auf die neuen Konsolen PS4 und Xbox One mit WWE 2K15 sowie ein Jahr später mit dem Nachfolger auf den PC gelang noch nicht der große Wurf.
Die Spiele machen zwar allesamt Spaß, haben aber auch immer wieder mit einigen Altlasten, mitgeschleppten Bugs und technischen Problemchen zu kämpfen. Zudem ist die Switch-Version des neuesten Ablegers WWE 2K18 sogar ein fast unspielbarer Totalausfall. Schon seit geraumer Zeit mehren sich Stimmen, dass die Reihe mal ein Jahr Pause bräuchte oder man die Serie einem anderen Studio übergeben sollte. Spricht man jedoch mit den Entwicklern, wird schnell deutlich, dass diese die gleiche Liebe zum Showsport verspüren wie die Fans. Vielleicht braucht Yuke's einfach noch mal einen Konkurrenten, der Druck auf sie ausübt und so zu neuen Höchstleistungen anspornt. Eben genau das, was auch der echten WWE mal wieder gut tun würde.
