Die Geschichte der Wrestling-Spiele: Vom Pixelbrei zum Showsport-Spektakel

Special Christian Dörre
Die Geschichte der Wrestling-Spiele: Vom Pixelbrei zum Showsport-Spektakel
Quelle: PC Games

Mit WrestleMania 34 steht an diesem Wochenende in New Orleans die größte Wrestling-Veranstaltung des Jahres auf dem Plan. Um den Showsport-Fans unter euch die Wartezeit bis zum Ertönen der Ringglocke zu verkürzen, erzählen wir euch in diesem Artikel die Geschichte der Wrestlingspiele und ziehen Parallelen zu tatsächlichen Ereignissen im Catch-Business.

Eine neue Weltordnung

Während des Lebenszyklus von Super Nintendo und Mega Drive veränderte sich die Wrestlinglandschaft rasant. Die WWF musste einen Steroidskandal überstehen, schaffte es nicht so recht, neue Stars zu etablieren und hielt an albernen Gimmicks fest, welche die älter gewordenen Zuschauer nicht sehen wollten. Die WCW hingegen profitierte von den tiefen Taschen Ted Turners, holte sich überaus populäre, aber von McMahon langsam aufs Abstellgleis geschobene Stars wie Hulk Hogan oder Macho Man Randy Savage und lockte mit reichlich Moneten auch aktuelle Stars wie Diesel oder Razor Ramón nach Atlanta. Mit der vorhandenen Starpower wusste man zwar einige Zeit nichts anzufangen, doch als Eric Bischoff die kreative Leitung übernahm, befand sich die WCW plötzlich im Aufschwung.

Man sendete mit Nitro eine Livesendung zeitgleich zu WWFs RAW, die teils aufgezeichnet war und man so die Ergebnisse der Rivalen verraten konnte. Zudem lockte Bischoff noch mehr Stars und startete eine Storyline, welche das Business revolutionierte. Kevin Nash (vormals Diesel) und Scott Hall (Razor Ramón) vermittelten dem Publikum, sie seien von McMahon geschickt worden, um die WCW zu zerstören und in einem der schockierendsten Twists der Wrestlinggeschichte schloss sich auch noch Publikumsliebling Hulk Hogan der Gruppierung an. Wrestlingfans wandten sich von der veralteten WWF ab, sahen lieber WCW und mit dem von nun an als nWo (New World Order) betitelten Gruppierung waren Fieslinge im Showsport auf einmal cool.

WCW vs. nWo: Revenge ist eines der besten Wrestlingspiele aller Zeiten. Quelle: PC Games WCW vs. nWo: Revenge ist eines der besten Wrestlingspiele aller Zeiten. Genau dies geschah nun auch im Videospiel-Sektor. WCW-Spiele waren nun nicht nur gefragter, sondern man hatte in Atlanta auch Glück, dass man mit THQ einen Publisher fand, der das neu gegründete und Wrestling-versessene Studio AKI an die Lizenz setzte. 1997 brachte THQ direkt zwei Spiele mit der wertvollen Lizenz heraus: Das spaßige, aber etwas altbackene WCW vs. The World für die Playstation und das großartige WCW vs. nWo: World Tour für das Nintendo 64. World Tour bot ein riesiges Roster, eine tolle Präsentation und vor allem ein sehr gutes Kampfsystem. Abgerundet wurde dieses Spielspaß-Komplettpaket von einem mächtigen Editor, mit dem man nicht nur selbst Superstars erstellen konnte, man durfte sogar die WCW-Catcher bearbeiten und so das Roster aktuell halten. Der Nachfolger WCW/nWo: Revenge erschien nur ein Jahr später, besserte viele Kleinigkeiten aus und entthronte damit World Tour als bestes Wrestlingspiel.

WWF Attitude fing das Flair der Ära gut ein, spielte sich jedoch ein wenig hakelig. Quelle: PC Games WWF Attitude fing das Flair der Ära gut ein, spielte sich jedoch ein wenig hakelig. Dagegen konnte selbst das durchaus gute WWF Warzone aus dem Jahr 1998 nicht mithalten. Der Titel fing zwar das Flair, der sich mittlerweile neu erfundenen WWF in der sogenannten Attitude-Ära ein, glänzte mit Stone Cold Steve Austin auf dem Cover und bot launiges Gameplay, doch an World Tour und Revenge reichte der Titel nicht heran. Genau wie in der Realität sollte sich aber auch hier das Machtgefüge schon bald wieder verschieben. Kurz vor dem Bankrott setzte McMahon in seiner Liga mehr auf erwachsenere Charaktere, Anzüglichkeiten, spektakuläre Matches und Gewalt. Wrestler, die oft nur in der zweiten Reihe standen, entfachten plötzlich ihr gesamtes Potenzial, ob nun durch Gimmickwechsel oder weniger Restriktionen im Ring oder bei der Wortwahl.

D-Generation-X, The Hardy Boyz, The Rock, Mankind und natürlich vor allem Stone Cold Steve Austin führten die WWF wieder zu alter Stärke. Das Wrestling erlebte einen nie zuvor und auch danach nie wieder erreichten Boom. WWF und WCW lieferten sich einen erbitterten Kampf, bei dem man erst 99 so langsam absehen konnte, dass die WWF diesen gewinnen wird. Die WCW steckte in einer nWo-Dauerschleife fest und schaffte außer Goldberg keine neuen Stars, während die Popularität von Stone Cold ihresgleichen suchte. Wegen Steve Austin gewann die WWF den sogenannten Monday Night War, doch im Videospielbereich siegte die WWF ausgerechnet aufgrund von THQ.
Mit WWF WrestleMania 2000 begann der Siegeszug der WWF/WWE im Videospielbereich. Quelle: PC Games Mit WWF WrestleMania 2000 begann der Siegeszug der WWF/WWE im Videospielbereich.

Bäumchen wechsel dich

Die ECW-Spiele für die PSX sind grausiger als das blutigste Hardcore-Match. Quelle: PC Games Die ECW-Spiele für die PSX sind grausiger als das blutigste Hardcore-Match. Der Zehn-Jahres-Deal mit Acclaim war ausgelaufen und die World Wrestling Federation beauftragte nun auch THQ und AKI mit der Entwicklung neuer Spiele. Die WCW wollte unter keinen Umständen mit einer Firma zusammenarbeiten, die auch für die verhasste Konkurrenz produzierte und kündigte die Kooperation mit THQ. Stattdessen verpflichtete man Electronic Arts. Acclaim wollte aber natürlich auch noch etwas vom großen Catch-Kuchen abhaben und heuerte bei Extreme Championship Wrestling an, der Nummer 3 auf dem Markt, die sich vor allem durch Hardcore-Matches, der Verpflichtung ausländischer Stars und akrobatischem Wrestling eine beinharte Fangemeinde aufgebaut hatte. ECW war wild, rau und dreckig und passte damit hervorragend zum Programmcode der folgenden Acclaim-Games.

Überhaupt passten Acclaim und Extreme Championship Wrestling ganz gut zusammen. Die ECW lieferte zwar tolle Shows ab und revolutionierte das Independent Wrestling, während die beiden Acclaim-Titel Hardcore Revolution sowie Anarchy Rulz verbuggter und kaum kontrollierter Mist waren, doch innerhalb weniger Jahre gingen beide Firmen pleite. ECW ging 2001 bankrott und nur drei Jahre später auch Acclaim, nachdem der Publisher erneut mit zwei Legends of Wrestling-Spielen versuchte, auf dem Wrestling-Game-Markt Fuß zu fassen.

Backyard Wrestling ist so schlecht, dass es offenbar auch in einem Hinterhof entwickelt wurde. Quelle: PC Games Backyard Wrestling ist so schlecht, dass es offenbar auch in einem Hinterhof entwickelt wurde. Die Legends of Wrestling-Spiele hatten zwar eine nette Prämisse, da man hier auf die großen Stars der 80er setzte und einen in verschiedenen Territorien antreten ließ, aber die Titel sahen ziemlich schlimm aus, steuerten sich noch schlechter und beinhalteten mehr Bugs als der Film Starship Troopers. Und wo wir schon bei richtig schlechten Catch-Games sind, wollen wir Midways Backyard Wrestling-Reihe auch nicht unerwähnt lassen. Die hässlichen, dahingerotzten Hinterhofprügeleien waren einfach nur grottig. Über The Simpsons Wrestling von EA (2001) und das Kart-Rennspiel WWE Crush Hour von THQ (2003) breiten wir sogar lieber ganz den Mantel des Schweigens.

Doch zurück zum Zweikampf zwischen der WWF und WCW. Die World Wrestling Federation enteilte der Konkurrenz nicht nur bei den Einschaltquoten im TV, sondern war dank des Deals mit THQ auch wieder auf dem Videospielmarkt der klare Marktführer. Das 1999 für das N64 erschienene, von AKI entwickelte WWF WrestleMania 2000 bot alle Stärken von WCW/nWo: Revenge und baute das Gameplay sogar noch aus. Zudem durfte man sich erstmals durch die verschiedenen Shows zu Titelkämpfen bei PPVs kämpfen. Ein Jahr später erschien bereits der Nachfolger WWF No Mercy, der von vielen Fans noch heute als das beste Wrestlingspiel aller Zeiten bezeichnet wird.

Der abwechslungsreiche Story-Modus von WWF No Mercy ist sogar heute noch empfehlenswert. Quelle: PC Games Der abwechslungsreiche Story-Modus von WWF No Mercy ist sogar heute noch empfehlenswert. Auch hier baute man konsequent auf den Stärken des Vorgängers auf und erweiterte diese sinnvoll. Die Animationen waren geschmeidiger, Move-Sets abwechslungsreicher, es gab richtige Entrances, Fans reichten einem Waffen, um sie dem Gegner über den Schädel zu ziehen und der Spielablauf fühlte sich realistischer und taktischer an. Zudem bot der mächtige Editor noch mehr Möglichkeiten. So durfte man nun sogar auch weibliche Superstars erstellen. Das beliebteste Feature war allerdings klar der überarbeitete Story-Modus, der je nach Match-Ausgang andere Wege einnahm. Als wäre das nicht genug, gab es sogar Multi-Men-Leiter-Kämpfe, die unfassbar chaotisch aber auch ebenso spaßig waren. WWF No Mercy ist nach wie vor nicht nur ein super Wrestling-Game, sondern eines der besten Sportspiele aller Zeiten.

Allerdings bestimmte die WWF nicht nur das Geschehen auf Nintendos 64-Bit-Konsole, auch auf der ersten Playstation beeindruckte man mit jeder Menge Action. Während THQ AKI an die N64-Spiele setzte, durfte sich Yuke's Media Creations auf der PSX austoben. Darüber durfte man zunächst noch skeptisch sein, da das Studio vier Jahre zuvor mit Power Move Pro Wrestling eine ziemliche Gurke für Activision auf die Playstation und den Sega Saturn losließ und der neue Titel für die WWF auf der gleichen Engine basierte. Yuke's gelang mit WWF SmackDown! jedoch der große Durchbruch.

WWF SmackDown! spielte sich so wunderbar rasant, dass Arcade-Fans auch heute noch Freude mit dem PSX-Titel haben werden. Quelle: PC Games WWF SmackDown! spielte sich so wunderbar rasant, dass Arcade-Fans auch heute noch Freude mit dem PSX-Titel haben werden. Der Titel sah viel, viel besser aus als ihr letztes Catch-Spiel und fing die raue Atmosphäre der Attitude-Ära sowie die Charakteristika der damaligen Stars perfekt ein. Vor allem aber überzeugte SmackDown! mit seinem rasanten Gameplay, das einen arcadigeren Einschlag hatte als die N64-Spiele von AKI, und dem tatsächlichen Sellen von Moves. Die Wrestler bewegten sich anders, wenn sie verletzt waren, humpelten, bettelten sogar um Gnade. Selbst die Mimik der echten Superstars wurde klasse eingefangen. Wenn The Rock im Spiel eine Augenbraue hochzog, jubelte man genauso wie bei einer echten SmackDown!-Ausgabe im TV.

Der ebenfalls im Jahr 2000 erschienene Nachfolger WWF SmackDown! 2: Know Your Role verbesserte nur ein paar Kleinigkeiten, setzte aber ebenfalls auf die flotten Kämpfe und die tolle Präsentation des Vorgängers. Der Editor wurde erweitert, man durfte nun eigene Taunts erstellen und Tag-Teams konnten jetzt Double-Team-Moves ausführen. Die Spiele waren so erfolgreich, dass die WWE bis heute mit Yuke's zusammenarbeitet.

WCW Backstage Assault bot keine echten Wrestling-Matches und machte ungefähr so viel Spaß wie eine Grippe im Sommer. Quelle: PC Games WCW Backstage Assault bot keine echten Wrestling-Matches und machte ungefähr so viel Spaß wie eine Grippe im Sommer. Die bereits dem Untergang geweihte WCW und EA versuchten es im gleichen Jahr mit WCW Backstage Assault, das aber wohl nur denjenigen noch ein Begriff ist, die damals für diesen Mist Geld bezahlten und sich heute noch darüber ärgern. Die WCW setzte in der Realität immer mehr Schnapsideen um und verstörte die letzten verbliebenen Fans mit einem Judy-Bagwell-on-a-forklift-Match oder dem Schauspieler David Arquette als World Heavyweight Champion. Und da dachte sich wohl EA, dass Wrestling in dieser Liga eh keine Rolle mehr spielt und veröffentlichte WCW Backstage Assault.

Der Titel sah schlechter aus als die Konkurrenz, bot kaum Spielmodi, spielte sich nicht sonderlich gut und beinhaltete eben kaum richtiges Wrestling. Stattdessen konzentrierte man sich auf Prügeleien im Backstage-Bereich. Die Verkäufe des Spiels blieben so weit hinter den Erwartungen, dass sogar ein Port für das N64 eingestellt wurde. Die WCW ereilte quasi dasselbe Schicksal, denn mit dem Rücken zur Wand, und von Ted Turner mittlerweile aufgegeben, wurde die Promotion 2001 an niemand geringeren als Vince McMahon verkauft. Als wäre das noch nicht genug, sicherte sich McMahon auch noch sämtliche Rechte und Verträge an der ECW.

  1. Seite 1 Die Geschichte der Wrestlingspiele: Vom Pixelbrei zum Showsport-Spektakel
  2. Seite 2 Die Geschichte der Wrestling-Spiele: Vom Pixelbrei zum Showsport-Spektakel
  3. Seite 3 Die Geschichte der Wrestling-Spiele: Vom Pixelbrei zum Showsport-Spektakel
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk