Interview mit dem Geschäftsführer der USK

Special Simon Fistrich

Die Novellierung des Jugendschutzes ist derzeit in aller Munde. Wir haben mit dem "USK-Boss" Dr. Klaus Spieler gesprochen.

Warum ist der Jugendschutz in Deutschland, zumindest im Bezug auf dargestellte Gewalt, so auffallend hart?

Marek Klingelstein hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist der verantwortliche Cheftester bei der USK Marek Klingelstein hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist der verantwortliche Cheftester bei der USK Ich denke, das hat mit unserer Geschichte zu tun. Wir haben eine Kultur, die bereit war, aus unserer Geschichte zu lernen - und das halte ich erstmal für eine Tugend. Wir haben begriffen: Wer mit Waffen spielt, hat irgendwann ein problem. Ich selber bin damals auch von meiner Mutter verdroschen worden, weil ich mir von Freunden ein Spielzeuggewehr ausgeliehen hatte.

Sie hatte zu viele Männer gesehen, die mit so einem Ding weggefahren und dann in einer Kiste wiedergekommen sind. Deshalb besitzen wir, die Deutschen, eine besondere Sensibilität gegenüber Gewalt und Krieg, denn das hat unser Volk fast kaputtgemacht.

Aber Krieg gab es doch in ganz Europa?

Ja, aber wir waren nicht die Sieger. Für die Sieger war es einfacher, damit klarzukommen. Durch den Krieg hat sich der deutsche Jugendschutz ein bisschen stark auf das Gewaltproblem fixiert. Es gibt auch andere Gefährdungen, die wir allerdings nicht so ernst nehmen.

Zum Beispiel?

Die Fluchtgefährdung. Man flüchtet in virtuelle Realitäten und verlegt seinen Lebensmittelpunkt dahin. Auch das Thema "Bad Language". Ich finde schon, wir sollten etwas mehr Wert darauf legen, dass man in Spielen nicht ständig alle möglichen schmutzigen Wörter benutzt. Trotzdem, wir sind auf Gewalt fixiert, aber ich denke, dass die anderen Länder in den nächsten Jahren nachziehen werden. Wir sind früher dran. Nicht wir müssen unsere Sichtweise entspannen, sondern auch die anderen werden den Jugendschutz anziehen.

Und das aus verschiendenen Gründen. Ich behaupte immer, dass Medium muss zivilisiert werden. Ich behaupte ja nicht, so wie Professor Pfeiffer, Computerspiele sind ein Medium, auf das die Gesellschaft verzichten kann. Das Medium hat gewaltige Potenziale, im Guten, wie im Bösen. Das wird jedem klar, der sich mal in Second Life bewegt hat.

Aber die Gesellschaft kann auf dieses Medium ebenso wenig verzichten, wie auf den Buchdruck. Es muss zivilisiert werden. Die Gesellschaft muss lernen, es zu kontrollieren, aber das kann der Jugendschutz nicht alleine.

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