Interview mit dem Geschäftsführer der USK

Special Simon Fistrich

Die Novellierung des Jugendschutzes ist derzeit in aller Munde. Wir haben mit dem "USK-Boss" Dr. Klaus Spieler gesprochen.

Wie ist denn der aktuelle Stand der Wissenschaft im Bezug auf Ursache und Wirkung von Computerspielen mit gewalttätigen Inhalten und Auswirkungen auf Jugendliche?

Der aktuelle Stand ist ein bisschen so wie in dem alten Witz: "Der eine sagt so, der andere so", was vor allem an der Begrenztheit der Forschungen liegt. Wenn ich über Wirkungen von Computerspielen reden will, bräuchte man eigentlich Langzeiterhebungen. Man müsste dieselbe Person über einen längeren Zeitraum beobachten.

Kurzzeitige Erhebungen sagen nichts weiter als "jemand, der einen Hamburger isst, wird davon satt". Die Wirkungen sind ja absehbar. Sie kaufen bei Medien fast immer das, was sie wollen. Sie gehen in einen Krimi oder einen Liebesfilm, weil sie genau wissen, was sie da erwartet. Sie wissen, welche Erregungen da bei Ihnen passieren werden.

Die kann ich auch messen, aber das ist nichts Neues. Der Mensch, der sich ein bestimmtes Spiel kauft, wird vermutlich während des Spielens und vielleicht auch noch eine Viertelstunde danach bestimmte Empfindungen haben, möglicherweise sogar Aggressivität. Das bringt uns aber nicht wirklich weiter.

Gibt's denn keine Forschung über längere Zeiträume?

Professor Christian Pfeiffer mag offenbar keine Spiele. Professor Christian Pfeiffer mag offenbar keine Spiele. Das fängt erst an. In den USA beschäftigen sich Wissenschaftler mit dem Thema. Ich persönlich würde in Richtung biographischer Forschung tendieren. Mann müsste gemeinsam mit einem Menschen zusammen auf sein Leben zurückblicken und fragen, welche Rolle haben eigentlich Spiele für dein Leben gehabt. Kannst du dich daran erinnern?

Dann würd möglicherweise festgestellt, dass Spiele für die heutige Generation um 30 eine ganz wichtige Rolle gespielt haben, bei der Entwicklung bestimmter Fähigkeiten. Zum Beispiel logisches Denken oder Hand-Augen-Koordination.

Genauso würden auch negative Elemente entdeckt werden, vielleicht eine Isolierung über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Der Vorteil dieser Art von Forschung wäre, dass man vermutlich mehr auf positive Ergebnisse stoßen würde. Auf Menschen, die spielen und aus denen, salopp gesagt, trotzdem etwas geworden ist. Denn Leute, die forschen und über die Verwahrlosung der Spiele berichten, gibt es ja auch schon genug.

Der Kriminologe Professor Pfeiffer zum Beispiel forscht fast nur bei Jugendlichen mit abweichendem sozialen Verhalten. Ihn interessieren die Leute, die sich aus verschiedenen Gründen nicht so verhalten, wie der Mehrheit der Heranwachsenden. Auffällige Jugendliche, die natürlich wie fast alle anderen auch am Computer spielen. Und ich halte es dann für hochproblematisch, wenn da die Auswirkungen, die Spiele bei diesen Menschen haben, als Folie über alle anderen gelegt wird.

Über die Familien, die unter Umständen die Wurzel des aufmerksamen Verhaltens ist, redet dann kein Mensch mehr. Professor Pfeiffer untersucht nur die Symptome. Ich kann genauso gut sagen, es gibt statistisch eine hohe Übereinstimmung zwischen der Abnahme der Raucher und der Abnahme der Schwangerschaften und dann behaupten, es müsste einen Zusammenhang geben.

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