Legendär und doch fast vergessen: Tony Hawk's Pro Skater prägte eine Generation!
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Eine Beinahe-Pleite, viel Chaos im Studio und ein nahezu perfektes Spiel: Tony Hawk's Pro Skater ist zu Recht Kult. Doch wie ist das Funsport-Game überhaupt entstanden und warum spielte der Zufall eine so große Rolle?
Die Brainstorming-Sitzungen müssen damals wild gewesen sein: In Ermangelung von Tablets und anderen digitalen Oberflächen wurden Konzeptzeichnungen auf Whiteboards gezeichnet und später ins Spiel übertragen. Schnell wurde klar, dass vor allem die Interaktion mit der Umgebung und ihrer Architektur sowie die Freiheit des Skatens der Schlüssel zum Erfolg sein würden. Tony Hawk und andere professionelle Skater gaben ständig Feedback zum laufenden Projekt.
"Sobald wir die Basics wie den Ollie, Grind, Flip und Grab gemeistert hatten, kam der Rest von ganz alleine", erklärte Producer Ralph D'Amato im Gespräch mit VG247. So wurde beispielsweise die Steuerung im Laufe der Entwicklung deutlich entschlackt. Zwischenzeitlich erinnerte die Ausführung der Moves eher an die Tasten- und D-Pad-Kombinationen eines Prügelspiels.
Auch das Highscore-System entwickelte sich erst im Laufe der Zeit, sodass es später möglich war, Tricks miteinander zu verknüpfen, um immer höhere Punktzahlen zu erreichen.
Liebe und Antrieb für eine aufblühende Subkultur
Als Basis diente die bereits erwähnte Apocalypse-Engine. Die Animationen des ersten Teils der Tony-Hawk's-Serie waren größtenteils "handgemacht", wurden aber nicht per Motion Capturing integriert. Scott Pease bezeichnet die Mo-Cap-Bilder von Tony Hawk im schwarzen Anzug mit weißen Tischtennisbällen darauf als "Marketing-Ding".
Denn nach eigener Aussage wurden die Aufnahmen zwar als Referenz genutzt, aber kaum direkt verwendet. Stattdessen besuchte das Entwicklerteam immer wieder von Tony Hawk empfohlene Skate-Spots, um in die Subkultur einzutauchen, aber auch um Moves und Tricks zu studieren. Die Skateboard-Legende war auch federführend bei der Auswahl der im Spiel integrierten Skater:
"Das Roster stammt von mir. Die erste Crew repräsentierte die unterschiedlichen Stile des Skatens. Das waren die Jungs, die wirklich an die Grenzen gingen und für eine gewisse Vielfalt standen."
Quelle: Moby Games
Aber Tony Hawk's Pro Skater war natürlich mehr als nur ein paar Pixelmännchen (und ein Pixelweibchen), die auf rollenden Brettern Tricks vollführten. "Wir wollten echte Skate-Kultur schaffen. Das Gameplay selbst ist nicht realistisch (...). Aber der tatsächliche Kulturaspekt der Grafik, aller Graffitis, der Decks, der Deckkunst, die Tatsache, dass wir echte Skater im Spiel hatten - all diese Dinge übernahmen wir direkt aus der Kultur", führt Mick West diesen Punkt aus.
Damit einher ging die Auswahl des Soundtracks. Die Songauswahl kam zunächst vom Neversoft-Team selbst, aber auch Tony Hawk steuerte eine Liste mit Wunschstücken bei. Dass für Bands wie Goldfinger, Slayer oder Dead Kennedys keine horrenden Lizenzgebühren bezahlt werden mussten, war nur den guten Beziehungen der Beteiligten zu verdanken.
"Es war ungewöhnlich, echte Bands in einem Videospiel zu haben. Aber für Tony Hawk's Pro Skater ergab es absolut Sinn. Slayer etwa waren erst nicht begeistert davon, weil sie keine Werbe-Deals oder kommerziellen Sachen machen. Wir haben sie schließlich dennoch bekommen, weil meine Ex-Frau eine Connection zu ihrem Manager hatte. Sie kannte auch einen der Jungs von Suicidal Tendencies, also war es ein Kinderspiel, diese Band zu engagieren", erklärt Lead-Artist Silvio Porretta gegenüber jenkemmag.com. Der Soundtrack machte einen Teil der Atmosphäre und auch des Lebensgefühls des Spiels aus und war entscheidend für seine Langzeitwirkung.
