Tony Hawk's Pro Skater veränderte nicht nur die Welt der Videospiele, sondern prägte eine ganze Generation. Aus einer Nische wurde Kult: Skateboarding wurde durch den "Birdman" und die Playstation zum globalen Phänomen.
Es ist Freitagabend im Hochsommer. Billige Erfrischungen stehen im Kühlschrank bereit, der Geruch vom Grill schwebt durch das Fenster in die Wohnung und an den Röhrenfernseher sind Playstation und N64 angeschlossen. Spätestens bei den Klängen von Goldfinger mit Superman ist klar: Heute Abend steht Tony Hawk's auf dem Programm!
Kaum ein anderer hat den modernen Skate-Sport so sehr geprägt wie der Birdman. Mit einem Spiel und einer daraus entstandenen Erfolgsgeschichte wurde aus einer Randsportart eine internationale Bewegung, ein Lebensgefühl - eine Legende. Wir haben mit dem Vert-Pionier höchstpersönlich über die Entstehung der Spielereihe gesprochen und schauen mit euch zurück auf die Revolution des Skateboarding-Genres.
Shred it like Tony!
Skateboard-Spiele waren Ende der 90er keine neue Erfindung. Atari brachte Mitte der 80er mit 720° das erste Genre-Spiel auf den Markt. Hier ging es rudimentär in isometrischer Perspektive über Flat und durch Parks, um in kürzester Zeit einen hohen Score zu erreichen. Etwas später ging es mit Skate or Die! auch auf dem NES zur Sache. Wirklich sexy war der Sport in 8-Bit-Auflösung allerdings nicht.
Revolutionär wurde es erst 1997, als Sega sein Arcade-Imperium immer weiter ausbaute. Mit den hauseigenen Systemen des Model 1 bis 3 setzten die Japaner neue Maßstäbe in Sachen 3D-Grafik und Realismus im Arcade-Bereich. Auf dem Model2 landeten etwa Spiele wie Virtua Fighter 2, Daytona USA, Sega Rally und Top Skater - ein Automat mit einem Skateboard als Controller. Da könnte man glatt meinen, dass sich Activision davon zwölf Jahre später inspirieren ließ.
Quelle: PC Games
Gameplay aus Top Skater
So weite Sprünge müssen wir aber eigentlich gar nicht machen. In einer Top-Skater-Partie hat man weniger als eine Minute Zeit, um möglichst viele Tricks an Rails, Kicker und in Big-Air-Arealen hinzulegen. Das kommt einem doch ein wenig bekannt vor, oder?
Zur gleichen Zeit arbeitete Activision bereits an einem eigenen Skate-Spiel. Entwickler Neversoft haben im Nachhinein häufiger in Interviews erwähnt, dass Top Skater als Einfluss diente. Dass ausgerechnet Tony Hawk, der bis dato schon über zehn Weltmeister-Titel hatte und Erfinder zahlreicher Vert-Tricks war, zum Aushängeschild der Spielereihe wurde, war eher einigen Zufällen geschuldet.
So fing alles an
Der Birdman klopfte rund um 96/97 bei einigen Publishern und Herstellern an, weil er ein Skateboarding-Spiel umsetzen wollte. Das hat Activision mitbekommen und sich bei ihm gemeldet, weil die eine ähnliche Idee hatten.
"Ich sah, woran sie arbeiteten und ich wusste sofort, dass das das spaßigste Spiel sein würde, an dem man arbeiten konnte. Das Team wirkte wirklich motiviert. Sie waren offen für meine Ideen und ich habe sofort zugesagt. Und dann haben wir den ersten Teil ein paar Jahre später veröffentlicht." - Tony Hawk
Das, was daraus entstanden ist, hat Geschichte geschrieben. Ende September 1999 erschien mit Tony Hawk's Skateboarding (jetzt kaufen 31,99 € )(bzw. Tony Hawk's Pro Skater) das erste Spiel einer langen Reihe. Zunächst war das Spiel für die Playstation gedacht, erschien wenig später aber auch für N64, Dreamcast, Game Boy Color und NGage. Es gab sogar eine ganz besondere Version für den C64.
Ich glaube, ganz am Anfang, als sie das erste Mal auf mich zu kamen, um das Spiel zu machen, sagte ich: "Das ist für den N64, oder?" Und sie sagten: "Nein, das ist für die Playstation, weil es mehr Playstations auf der Welt gibt" Und ich sagte: "Aber auch für den N64, oder?" Sie sagten: "Nein, aktuell nicht."
Und dann riefen sie mich etwa sechs oder acht Monate nach der ersten Veröffentlichung an und sagten: "Du hast deinen Wunsch bekommen. Wir machen jetzt eine Version für den N64." - (Anmerkung der Redaktion: Tony spricht im Interview vom C64, meint aber N64.)
Bildergalerie
Wir wollen aber den vollen Fokus auf die Playstation-Fassung legen. Schließlich war sie der Dosenöffner für die Spielereihe.
Verglichen mit den späteren Teilen fühlt sich der Erstling natürlich etwas rudimentär, für den damaligen Zeitpunkt aber revolutionär an. Statt in isometrischer Perspektive wurde das Können der Playstation ausgenutzt und man spielte die Skater aus einer Third-Person-Ansicht. Obendrauf hat man mit dem Warehouse die perfekte erste Location für das Spiel gewählt. Der Spieler wird direkt in das Geschehen geworfen, aber immer noch ein wenig an die Hand genommen.
