Starfield und Co.: (Fast) jedes Open-World-Spiel sollte ein Skateboard haben

Kolumne Christian Fussy 44,99 €
Starfield und Co.: (Fast) jedes Open-World-Spiel sollte ein Skateboard haben
Quelle: Activision

Ich bin der Meinung, dass (fast) jedes Open World Spiel gleich um ein Vielfaches besser wäre, wenn wir unsere Spielfigur mit einem Skateboard ausrüsten könnten.

Im September dieses Jahres war ich noch komplett vertieft in Baldur's Gate 3, als plötzlich Bethesdas neues Weltraum-Open-World-RPG Starfield im Microsoft Game Pass auftauchte. Ich hatte mich zwar auf das Spiel gefreut, immerhin bin ich Fan von Sci-Fi-Shows wie Firefly, Star Trek oder Cowboy Bebop und hätte gerne ein eigenes Raumschiff, das Timing hätte allerdings schlechter nicht sein können. Ich entschied mich dazu, Starfield zumindest auszuprobieren, ein paar der interessantesten Features zu testen und womöglich später zurückzukommen, um das Spiel dann richtig durchzuspielen.

Schon nach zwei abendlichen Sessions war ich von dem Bethesda-RPG aber ganz schön genervt. Ich kann über viele Dinge hinwegsehen, die wir bei Spielen des Studios seit jeher einfach akzeptieren. Wie zum Beispiel, dass NPCs grundsätzlich aussehen, als wären sie von den Organismen aus "Die Körperfresser kommen" übernommen worden. Oder dass der Hauptcharakter nie wirklich eine eigene Persönlichkeit besitzt, sondern nur besondere Kräfte, die ihn zur Schlüsselfigur für die Story machen. Oder dass man sich jedes Mal ein neues System zum Schlösserknacken aneignen muss.

Was mich allerdings tatsächlich gestört hat, war die Art und Weise, wie wir uns in der Spielwelt bewegen und dabei mit ihr interagieren.

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Need for Speed

In RPGs und wahrscheinlich in den meisten Spielen wird generell viel gelaufen, womit ich auch grundsätzlich kein Problem habe. Die Bewegungsgeschwindigkeit in Starfield (jetzt kaufen 69,99 € / 44,99 € ) ist aber standardmäßig sehr niedrig und sämtliche Wege dauern dreimal so lang, wie es mir recht wäre.

Ein Spielspaß-Hindernis, das von der ersten Sekunde zusätzlich dadurch vergrößert wird, dass wir im Sprint schneller sind als NPCs, beim Gehen allerdings langsamer. Bereits in der ersten Mission müssen wir einer Gruppe Charaktere folgen, während wir uns mit der Steuerung vertraut machen, was den Spieleinstieg zu einer Geduldsprobe macht.

Starfield Quelle: Screenshot Starfield Doch selbst mit der Gelassenheit eines buddhistischen Mönchs ist das Herumwandern in Starfield eher etwas, das man erträgt, statt es zu genießen. Wo in anderen Spielen wie Red Dead Redemption 2 Schlendern zum Erlebnis wird, sind die Städte in Starfield - zumindest zu Beginn - eher steril und wir fühlen uns in unserem großen Astronautenanzug auch erst mal ganz schön deplatziert inzwischen der Zivilbevölkerung.

In Rockstars Cowboy-Epos hingegen fühle ich mich wie einer von vielen Vagabunden auf der Durchreise. Die Bewohner reagieren mit freundlichem Gruß oder feindseliger Anspannung, wenn ich auf sie zugehe. Ich kann mir im Saloon ein Bier holen und einfach die dichte Atmosphäre einsaugen oder mich zu einer Runde Poker hinreißen lassen.

Die Welt fühlt sich lebendig an und ich bewege mich auch gerne in ihr, obwohl die Steuerung überladen ist und sich Hauptfigur Arthur immer so leichtfüßig bewegt, als käme er gerade von einem All-you-can-eat-Buffet.

Arthur Morgan aus Red Dead Redemption 2 auf Pferd Quelle: Rockstar Games Nervig wird es erst, wenn wir zum 100. Mal eine weite Strecke mit dem Pferd zurücklegen müssen, sich die zufälligen Ereignisse bereits mehrfach wiederholen und wir keine Lust haben, einen Umweg zu gehen, um zu jagen, zu fischen oder einen Streit anzufangen. Denn dann wird selbst der Ritt auf dem schickesten Premium-Pferd zum langwierigen, passiven Hämmern der A-Taste.

Im besten Fall ist Movement nicht nur dazu da, um die Figur von A nach B zu bringen, sondern aktives Gameplay, das schon für sich betrachtet Spaß macht. Und manche Open-World-Spielereihen zelebrieren das bereits.

Poesie in Bewegung

So zum Beispiel die aktuelle Spider-Man-Serie von Sony (Marvel's Spider-Man 2 im Test). Zwischen den Hochhäusern von New York herum zu schwingen, ist einfach ein geiles Gefühl und Erweiterungen wie der Wingsuit-Gleiter sorgen sogar noch zusätzlich für Bewegungsfreiheit.

Spider-Man balanciert auf einem Finger auf der Spitze eines Wolkenkratzers mit New Yorks Skyline im Hintergrund. Quelle: PC Games Natürlich kann nicht jede Spielfigur gleich Spider-Man sein, zumindest in Science-Fiction-Spielen, die nicht komplett realistisch sind, ließe sich ein Greifhaken o. Ä. aber sicherlich leicht umsetzen. Den gibt es ja schließlich schon in Just Cause und die Spielereihe fand noch nicht einmal im Weltraum statt.

In Starfield gibt es ja tatsächlich ein Jetpack, mit dem wir unsere Geschwindigkeit erhöhen und abheben können. Um länger und schneller unterwegs zu sein, müssen wir jedoch erst einige Upgrades dafür kaufen.

Unser Movement mit Erfahrungspunkten nach dem Motto "höher, schneller, weiter" aufrüsten zu können, finde ich nicht schlecht, unsere Basis-Fähigkeiten auf dem Gebiet sollten aber ebenfalls bereits Spaß machen.

In einem meiner liebsten Open-World-Spiele, Saints Row 4, wurde das Movement offenbar 1:1 vom Vorgänger übernommen. Man kann sprinten, springen und sämtliche Fahrzeuge benutzen, was auch durchaus Laune macht. Zu Beginn von Teil 4 erhält die Spielfigur dann aber Superkräfte, mit denen wir im Affenzahn durch die Straßen rennen und dabei jedes Auto hinter uns lassen können.

Außerdem laufen wir Wände hoch und können sogar fliegen. Mit einem Schlag wurde aus grundsolidem Movement ein absolutes Gameplay-Highlight. Die Kräfte können wir im Lauf des Spiels noch aufwerten, schon der erste Schritt mit den Superkräften fühlt sich aber an wie eine Offenbarung. Und wie zuvor erwähnt, die Steuerung des Spiels war von vornherein nicht schlecht.

Saints Row 4 Quelle: Koch/PC Games Neben der Möglichkeit, schnell durch die Gegend zu sausen, gäbe es aber auch noch eine andere Idee, das Movement zu erweitern und gleichzeitig die abwechslungsreiche Umgebung auszunutzen.

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Heaven is a half pipe

Mein Vorschlag: Jedes Open-World-Spiel sollte prinzipiell über ein Skateboard verfügen, um die Bewegung innerhalb der Spielwelt spaßiger zu gestalten. Wir wären dadurch erstens schneller unterwegs und unsere Hauptfigur wirkt direkt cooler. Man stelle sich zudem nur vor, welche Tricks und Sprünge wir auf so manchen Planeten ausführen könnten.

Bei einem Spiel wie Atlas Fallen (unser Test), das sich als Action-RPG mit ausgeklügeltem Kombosystem und Multiplayer und zahlreichen Quests verkauft, ist mir am stärksten im Kopf geblieben, dass wir auf Knopfdruck durch den Sand gleiten können, statt überall hin laufen zu müssen. Ich habe während des Spielens mehrmals gedacht: "Mann, wäre das cool, wenn man hier grinden oder dort einen Backflip machen könnte".

Atlas Fallen Quelle: Focus Entertainment  Skateboards sind klein und verstaubar, erlauben es, enge Kurven zu nehmen, sind objektiv betrachtet die coolste Form der Fortbewegung und können für Sci-Fi-Spiele entspannt durch Hoverboards ersetzt werden. Rockstars vielleicht bestes Spiel (neben GTA: San Andreas und Red Dead Redemption 2) Bully (in Europa Canis Canem Edit) hatte ein Skateboard, das auf Knopfdruck aktiviert werden konnte.

Wir konnten damit Ollies machen, um z.B. Treppenstufen hinunter zu springen und es war immer extrem befriedigend, feindlichen NPCs damit davonzufahren.

Sollte es im nächsten GTA eines der Bretter zu kaufen geben, würde ich das äußerst feiern, vor allem, wenn wir damit Grinds oder andere Manöver ausführen können. Bowling und Yoga in allen Ehren, aber manche Geländer in GTA 5 betteln doch nur darum, heruntergerutscht zu werden.

Nötiger als die GTA-Reihe, in der es ja bereits Fahrräder, Motorräder und viele verschiedene Karren gibt, hätten es aber natürlich Spiele, in denen große Gebiete zu Fuß passiert werden müssen, die nicht wirklich voller Leben stecken. Abgesehen von Hideo Kojima scheinen die meisten Entwicklerteams "zu Fuß gehen" nicht wirklich als Gameplay zu sehen, obwohl wir in etlichen Open World Spielen die meiste Zeit genau damit verbringen. Und so lange sich das nicht ändert, hätte ich gerne mein Skateboard.

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