Die zwölf Tage von Star Trek: Die besten Weihnachtsfolgen von Enterprise und Co.
Special
Geschenke, Schnee und Ärger mit der Familie: Autor und Star-Trek-Guru Sebastian Göttling verrät euch, welche Folgen von Star Trek ihr zu Weihnachten unbedingt angucken müsst.
Und so zeigt Generations die einzige waschechte Weihnachtsszene in ganz Star Trek, als Picard sich in ein altenglisches Herrenhaus fantasiert - der Christbaum schön geschmückt, unter ihm ein Riesenberg Geschenke - in dem er selbstverständlich mit einer treu sorgenden Ehegattin und jeder Menge Kinderlein lebt.
Sogar sein kleiner Neffe weilt hier noch im Diesseits, leider ein allzu falscher Tiny Tim. Reichlich anachronistisch ist dieses Weihnachten geraten, denn unser aller Captain Picard ist eben ein Freund der Klassiker: die Kinder ebenso wie die Geschenke sehen nicht aus wie aus dem 24. Jahrhundert, sondern eher wie aus König Edwards England.
Es wirkt beinahe so, als müsse jeden Moment Mary Poppins zur Tür hereinkommen. Diese übertriebene Künstlichkeit ist es vielleicht auch, die Captain Picard erkennen lässt, dass es sich bei all dem um einen Mummenschanz handelt. Jäh erwacht er wieder aus dem falschen Weihnachtstraum, um ein weiteres Mal die Galaxie zu retten.
Quelle: Paramount
Am zehnten Tag der Star-Trek-Weihnacht folgt der Abschluss der Picardschen Yuletide-Trilogie, das Next-Generation-Serienfinale All Good Things... (Gestern, heute, morgen). Zu dieser Geschichte haben sich die Autoren womöglich von Sir Patricks Karriere zumindest teilweise inspirieren lassen.
Ein wenig Kontext: Stewart war vor seinem Star-Trek-Engagement ein fester Bestandteil der Royal Shakespeare Company und vermisste es nach einigen Jahren in den USA bei wöchentlicher Serienanstellung, nicht mehr auf den Brettern stehen zu können, die die Welt bedeuten. Um seinen Bühnendrang zu befriedigen, schrieb er sich selbst im Jahr 1991 eine Version von - da haben wir es endlich wieder - Charles Dickens' A Christmas Carol auf den Leib.
In dieser Ein-Mann-Show spielte Stewart sämtliche vierzig Rollen selbst, von Ebenezer Scrooge bis hin zu den Glocken des Big Ben. Das hatte den Vorteil, dass Stewart das Stück in den weihnachtlichen Drehpausen der Next Generation am Broadway spielen konnte, ohne in den langen Monaten dazwischen ein Schauspielensemble arbeitslos zu machen, weil ihnen der Hauptdarsteller fehlte, denn in einer Solo-Bühnenshow gibt es schlicht und ergreifend kein Ensemble.
Preisgekrönt war diese Darbietung, die Stewart auch in den drei Folgejahren wiederholte. 1993 spielte er es ausnahmsweise nicht am Broadway, sondern in seiner alten Heimat England, in London am Old Vic Theatre. Als ein Jahr darauf die Erfolgsserie Next Generation nach sieben Jahren endete, stellt in der finalen Doppelfolge wieder einmal das gottgleiche Wesen Q seinem Lieblingsmenschen Jean-Luc ein großes Rätsel, das diesmal nicht nur die gesamte Galaxie, sondern auch die Jahrmillionen überspannt.
Als Hilfestellung schickt Q den Captain fortwährend zwischen drei Zeitebenen hin und her: Mal befindet er sich in der Seriengegenwart, mal springt er zurück in den Pilotfilm - was einer Finalfolge eine schöne Symmetrie verleiht - mal geht es in eine melancholisch-spekulative Zukunft der verpassten Chancen, ein Vierteljahrhundert nach Serienende.
Ganz so, wie Ebenezer Scrooge von den drei Geistern die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige Weihnacht gezeigt bekommt. Gestern, heute, morgen eben.
Quelle: Paramount
Der allmächtige Q als Geist der zukünftigen Weihnacht
Doch den besten Ebenezer Scrooge gibt es immer noch auf der Raumstation Deep Space Nine. Die Rede ist vom Ferengi Quark, Barbesitzer und einer der geizigsten seiner Zunft, in all seiner Durchtriebenheit aber doch mit einem butterweichen Herzen, was er nur ungern zeigt oder gar zugibt.
So bezeichnen wir ihn in unserem Star-Trek-Podcast nicht von ungefähr manchmal als Onkel Dagoquark (das Enten-Original Onkel Dagobert geht ebenso auf Dickens zurück, heißt er im Original doch Uncle Scrooge). Einen Geldspeicher hat Quark zwar nicht, dafür aber einen Neffen und einen Bruder, der Donald-trotteliger kaum sein könnte.
In keiner Folge ist Quark Scrooge-hafter als in der, die am elften Tag der Star-Trek-Weihnacht an der Reihe ist, Body Parts (Quarks Schicksal). Nach einer fatalen Fehldiagnose glaubt Quark, dass seine Tage gezählt sind - und so verkauft er bereits im Voraus seine sterblichen Überreste an den Meistbietenden.
Zum Glück, aber irgendwie auch zum Unglück, entpuppt sich das Ganze als Fehldiagnose und Quark steht vor der schweren Entscheidung, den Deal entweder doch durchzuziehen und sich abmurksen zu lassen - oder eben einen Kaufvertrag zu brechen und somit bei seinem Volk, bei dem das Geschäft über allem anderen steht, für alle Zeiten unten durch zu sein.
Am Ende ist ihm das Leben lieber als die Ferengi-Ehre und so werden all sein Hab und Gut konfisziert. Die weihnachtlich herzerwärmende Szene ist die letzte der Episode, in der Dagoquark feststellen muss, dass er trotz seiner stets durchtriebenen Machenschaften viele Freunde an Bord der Raumstation gewonnen hat, die ihm zu einer Art Ersatzfamilie geworden sind.
