Die vierte Staffel von Star Trek TNG Teil 2: Es bleibt ja in der Familie

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Jede Menge Familiengeschichten - unter anderem lernen wir die Schwester der verstorbenen Sicherheitschefin Tasha Yar kennen.
Quelle: Paramount

Autor und Star-Trek-Experte Sebastian Göttling arbeitet im 2. Teil seines Rückblicks auf Staffel 4 von Star Trek TNG politische und familiäre Intrigen auf.

Teil 1 der Retrospektive zur vierten Staffel von Star Trek: The Next Generation berichtete davon, wie auf das furiose Finale des größten aller Borg-Zweiteiler The Best of Both Worlds (In den Händen der Borg/Angriffsziel Erde) mit Family (Familienbegegnung) eine ungewohnt ruhige Episode folgte, die zwar Hardcore-Fans und Kritiker überzeugte, aber bei den Einschaltquoten bedauerlicherweise durchfiel.

Trotz des durchwachsenen Erfolgs dieses Experiments bestand Showrunner Michael Piller trotzdem darauf, dass das Stichwort "Familie" als Leitmotiv aller Episoden bis zur Winterpause durchgezogen werden sollte - und es war umso erstaunlicher, dass dem Autorenteam dieser ununterbrochene Lauf gelang. Ein Schweinsgalopp durch die Familienfolgen der vierten Staffel ...

Woche 2: In Brothers (Die ungleichen Brüder) erfährt Androide Data, dass sein Vater und Schöpfer Dr. Noonien Soong ebenso noch unter den Lebenden weilt sie sein zerstört geglaubter, böser Androidenzwilling Lore.

In diesem aufwendig gefilmten Familientreffen, in dem Brent Spiner eine Dreifachrolle spielt (was in der deutschen Fassung leider verloren geht, da Synchronsprecher Michael Pan nur die zwei Androiden, nicht aber den greisen Soong vertonte), gibt es auch eine Nebenhandlung um einen außer Kontrolle geratenen Bruderstreit unter den Zivilistenkindern an Bord der Enterprise.

Woche 3: In Suddenly Human (Endars Sohn) gabelt die Enterprise den Jugendlichen Jono auf, der als Baby von einem kriegerischen Alienvolk entführt und als einer der ihren aufgezogen wurde - die klassische Wolfskind-Geschichte.

Als sich seine echte Familie wieder meldet, ist Jono hin- und hergerissen zwischen den Welten, der Debatte "Veranlagung vs. Umwelt", und als er interimsweise beim Captain einzieht, wird Picard für ein paar Tage zum Vater wider Willen.

Woche 4: In Remember Me (Das Experiment) sorgt sich Beverly Crusher darum, was passiert, wenn man alt wird und nach und nach sämtliche Familienmitglieder verliert.

Star Trek TNG - Season 4 Quelle: Paramount Dieses Sinnieren wird zur Realität und der Bordärztin zum Verhängnis, als diese in eine Parallelwelt gezogen wird, in der, basierend auf Beverlys Gedanken, alle anderen Besatzungsmitglieder und schließlich auch alle Einwohnerinnen und Einwohner der gesamten Galaxie dezimiert werden. Aus dieser misslichen Lage rettet sie selbstverständlich ihr Teenager-Sohn Wesley.

Diese Episode ist eine der beiden, die sich aus dem liegengebliebenen Science-Fiction-Plot von Family ergaben. Sie ist die einzige Arbeit des vorher erwähnten Lee Sheldon, der nur kurz zum Team der Serie gehörte, und wurde vor dem Dreh nochmals ausführlich von dessen Nachfolgerin Jeri Taylor überarbeitet.

Woche 5: In Legacy (Die Rettungsoperation) reist die Enterprise zu der gefallenen und gesetzlosen Föderationskolonie, welche die Heimat ihrer verstorbenen Kollegin und Sicherheitschefin Tasha Yar war. Dort lebt immer noch deren Schwester Ishara und die Crew - allen voran Data - projiziert in diese Begegnung Gefühle, Erwartungen und nostalgische Erinnerungen an die schmerzlich vermisste Tasha.

Woche 6: In Reunion (Tödliche Nachfolge) kehrt Worfs große Liebe, die Halbklingonin K'Ehlyr, zurück auf die Enterprise - mit einer dreikäsehochgroßen Überraschung für den stattlichen Krieger. Ihr letztes Zusammentreffen sorgte für unverhofften Nachwuchs und der Knirps nennt sich Alexander. Kurioserweise wurde diese Episode nicht vom Klingonen-Spezialisten Ronald D. Moore geschrieben, sondern vom Neuzugang Brannon Braga.

Woche 7: In Future Imperfect (Gedächtnisverlust) entführt ein einsames Alien-Waisenkind - noch ein Überbleibsel aus der verworfenen Family-Handlung - den ersten Offizier Will Riker und gaukelt ihm Gedächtnisverlust sowie eine irreal-alternative Zukunft vor.

Viele Jahre nach der eigentlichen Handlung ist Riker angeblich Captain der Enterprise und der kleine Alienjunge, der sich nichts sehnlicher wünscht als ein Zuhause und eine Familie, gibt sich in dieser Illusion als Wills Sohn aus.

Woche 8, die letzte Folge des "Familienlaufs": In Final Mission (Die letzte Mission) heißt es Abschied nehmen von Wesley Crusher, dem oftmals umstrittenen Teenager-Charakter, der mit dieser Episode nach dreieinhalb Jahren aus der Serie ausstieg und anschließend nur noch für einige wenige Gastauftritte zurückkehren sollte.

Während Mutter Beverly Crusher in dieser Geschichte keine große Rolle spielt, bruchlandet Wesley zusammen mit seinem großen Vorbild und Vaterfigur Jean-Luc Picard auf einem Wüstenplaneten, muss dort erstmals eigene Missionsverantwortung übernehmen, die Wahrheit konfrontieren, dass er viele Leistungen nur vollbrachte, um Picard stolz zu machen, und das Leben seines Mentors retten, bevor er sich von ihm verabschiedet, um auf der Sternenflotten-Akademie hoffentlich den Weg in ein selbstständiges Leben zu finden.

Klingone Worf bleibt selbst dann stoisch, wenn er erfährt, dass er einen Sohn hat. Quelle: Paramount Klingone Worf bleibt selbst dann stoisch, wenn er erfährt, dass er einen Sohn hat. Kurioserweise war Die letzte Mission, das Finale des Familien-Zyklus, gleichzeitig auch die letzte Episode von Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert, die auf dem ZDF ausgestrahlt wurde. Der Episodentitel ließ weniger gut informierte Zuschauerinnen und Zuschauer womöglich zu dem Schluss kommen, es handelte sich hier nicht bloß um den Abschied von Wesley, sondern auch um das Ende der gesamten Serie.

Zum Glück waren leidenschaftliche Fans wie ich trotz fehlenden Internetzugangs bestens informiert durch seinerzeit hervorragende Sekundärquellen - zu nennen sei beispielsweise Ralph Sanders Standardwerk Das Star Trek Universum, worin bereits Ende 1991 die restlichen Episoden der vierten Staffel aufgelistet waren.

Und wer im Gegensatz zu mir im Jahr 1993 Mitglied des deutschen Star-Trek-Fanclubs STCE (Star Trek Central Europe) war, der bekam alle paar Monate das Club-interne Fanzine Trekworld zugesandt.

Im dortigen Newsbereich konnte man die atemlose Geschichte der deutschen Fernsehausstrahlung von Star Trek verfolgen, oftmals ein Wechselbad der Gefühle, weil das Zweite Deutsche Fernsehen dazu neigte, lange Sendepausen einzulegen - und vor allen Dingen auch gemachte Versprechen zu brechen.

So wurde beispielsweise, anders als zunächst angekündigt, die Serie im Frühsommer 1991 überraschend aus dem Programm genommen, woraufhin die Ausstrahlung erst ab Februar 1992 fortgesetzt wurde. Obwohl Dirk Bartholomä, seines Zeichens Chef des Fanclubs, in ständigem, regen und guten Briefkontakt mit der ZDF-Redaktion war, schien man sich auf die Öffentlich-Rechtlichen in Sachen Star Trek nur wenig verlassen zu können.

Bildergalerie

Das Drama der ständigen Ungewissheit endete mit Die letzte Mission. Die Episode war 1993 die letzte Folge eines 16 Episoden andauernden Sendeblocks, der in den Sommerferien ausgestrahlt wurde. Erstmals zeigte das ZDF hier nicht ganz gemächlich eine Folge pro Woche, sondern sendete diese letzten Episoden in vier aufeinanderfolgenden Wochen jeweils montags bis donnerstags.

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