Die vierte Staffel von Star Trek TNG: Es bleibt ja in der Familie

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Jede Menge Familiengeschichten - unter anderem lernen wir die Schwester der verstorbenen Sicherheitschefin Tasha Yar kennen.
Quelle: Paramount

Autor und Star-Trek-Experte Sebastian Göttling arbeitet im 2. Teil seines Rückblicks auf Staffel 4 von Star Trek TNG politische und familiäre Intrigen auf.

Wo Staffel 3 einigermaßen vorhersehbar mit dem Angriff der Borg endete, war es eine große Überraschung für alle Beteiligten, dass diesmal ausgerechnet die Worf-Saga auf ihrem Siedepunkt angekommen war. Denn nach Reunion in der Staffelmitte folgte als Cliffhanger Redemption (Der Kampf um das klingonische Reich, Teil 1) und der deutsche Titel lässt bereits vermuten, dass die politische und familiäre Intrige zu einem weltenumspannenden Konflikt eskaliert.

Die große Frage am Ende von Staffel 4 ist, ob ein klingonischer Bürgerkrieg möglicherweise von den schattenhaften Romulanern inszeniert wurde, um so das Friedensabkommen zwischen den Klingonen und der Föderation zu erodieren. Außerdem verlässt Worf die Sternenflotte, um im Bürgerkrieg seines Volkes mitzukämpfen.

Jede Menge Familiengeschichten - unter anderem lernen wir die Schwester der verstorbenen Sicherheitschefin Tasha Yar kennen. Quelle: Paramount Jede Menge Familiengeschichten - unter anderem lernen wir die Schwester der verstorbenen Sicherheitschefin Tasha Yar kennen. Jedoch ist die Episode bei Weitem nicht so apokalyptisch wie der Angriff der Borg, die romulanischen Ränkespiele sind deutlich weniger verheerend und auch die Rückkehr Worfs zur Enterprise scheint viel weniger fraglich als vor einem Jahr die Rettung des Jean-Luc Picard aus den Händen der Borg. Dennoch ein ambitionierter, opernhafter und hervorragend gespielter Staffelabschluss, der viel zum Worldbuilding bei Star Trek beitrug.

Auch auf der Ziellinie von Staffel 4 sorgte Altmeister Gene Roddenberry wieder für Unruhe hinter den Kulissen. Anscheinend war er im Kopf beim Pilotfilm hängengeblieben und beharrte darauf, dass Worf kein Hauptcharakter war und nicht die zentrale Figur eines epischen Staffelfinales sein durfte.

Man mag ihm diesen Lapsus verzeihen, denn Roddenberry erlitt zu dieser Zeit aufgrund seines ungesunden Lebenswandels - jeder Menger hochprozentiger, brauner Spirituosen und gelegentlichen Drogenkonsums - mehrere kleine Schlaganfälle, die sein Zurechnungsvermögen immer weiter beeinträchtigten.

Genau wie im Vorfeld der Episode Family ging auch hier wieder Paramount-Executive Rick Berman in Gene Roddenberrys Büro und regelte diskret, dass der Cliffhanger wie geplant stattfinden durfte.

Showrunner Michael Piller hatte die Serie stabilisiert, auf der Höhe ihres Erfolgs in sicheres Fahrwasser gesteuert. Nach mehreren Jahren des internen Zwists hatte er eine Arbeitsatmosphäre geschaffen, die von Miteinander und Familiensinn geprägt war.

Selbst in die eigentliche Handlung der Serie hinein trug er dieses Motiv von Familie: Vater Picard und seine Kinder. Im echten Leben: Mutter Jeri Taylor, Vater Michael Piller und ihre "Kinder" im Autorenzimmer.

"Großvater" Gene Roddenberry befand sich derweil auf dem Abstellgleis; das Konzept The Next Generation im besten und schlechtesten Wortsinne verwirklicht. Fortsetzung folgt.


Sebastians bisherige Star-Trek-Retrospecials


Verfügbarkeitshinweis: Alle Staffeln von "Star Trek: The Next Generation" sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-ray und DVD.

Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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