Die vierte Staffel von Star Trek TNG: Es bleibt ja in der Familie

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Jede Menge Familiengeschichten - unter anderem lernen wir die Schwester der verstorbenen Sicherheitschefin Tasha Yar kennen.
Quelle: Paramount

Autor und Star-Trek-Experte Sebastian Göttling arbeitet im 2. Teil seines Rückblicks auf Staffel 4 von Star Trek TNG politische und familiäre Intrigen auf.

The Drumhead (Das Standgericht) ist eine der typischen Spar-Episoden, die immer dann eingefügt werden, wenn das Produktionsbudget für die laufende Staffel überstrapaziert worden war. Besonders günstig sind dabei sogenannte Bottle Shows, die nur auf den vorhandenen Kulissen spielen und einzig und allein von Dialog und Schauspiel leben, fast wie eine Theateraufführung.

In diesem Fall sehen wir ein Lehrstück über die Gefahren des Faschismus, der in der Föderation des 24. Jahrhunderts doch noch nicht ausgerottet zu sein scheint. Da hat Altmeister Roddenberry offensichtlich nicht aufgepasst, als das Drehbuch herumging.

Hollywood-Legende Jean Simmons spielt eine juristische Admirälin, die an Bord der Enterprise kommt, um einen Sabotageakt zu untersuchen. In ihrem Feuereifer wird daraus schnell eine Hexenjagd, doch am Ende hat sie die Rechnung ohne den moralisch einwandfreien Captain Picard gemacht.

Staffel 4 hat aber auch einige wenige Tiefpunkte zu bieten, darunter Devil's Due (Der Pakt mit dem Teufel), eine aufgewärmte Geschichte der nie realisierten 70er-Jahre-Star-Trek-Serie, was man der Handlung deutlich anmerkt, allem voran in der Antagonistin Ardra, die wie ein Abklatsch von Q wirkt, dem bereits seit der allerersten Folge etablierten, allmächtigen Störenfried, der einen Narren am Captain gefressen hat.

Besagter Q kommt ebenfalls in einer Episode zurück, die eher mau ist. In Qpid (Gefangen in der Vergangenheit) versetzt er Captain Picard und seinen Offiziersstab als Robin Hood & Co. in den Sherwood Forest. Warum genau tut Q das? Weil er dem Captain eine Lektion in Liebesangelegenheiten erteilen möchte.

Wem sich jetzt nicht erschließt, warum dazu ausgerechnet die Analogie des Mannes, der von den Reichen stiehlt und an die Armen gibt, herhalten muss, der ist etwas Heißem auf der Spur.

Es handelt sich hier um eine lupenreine und unverhohlene Trittbrettfahrt beim Kinohit des Jahres, genauer gesagt der Robin-Hood-Verfilmung mit Kevin Costner in der Hauptrolle, angereichert mit kindischen bis biederen Gags sowie Kostümen/Kulissen, die mehr nach Provinztheater aussehen als nach einer millionenschweren Science-Fiction-Hochglanzproduktion.

Shakespearehafte Ränkespiele und ein klingonischer Bürgerkrieg bilden die Basis für den Cliffhanger am Ende von Staffel 4. Quelle: Paramount Shakespearehafte Ränkespiele und ein klingonischer Bürgerkrieg bilden die Basis für den Cliffhanger am Ende von Staffel 4. Dies sollte nicht das letzte Mal sein, dass Star Trek in den 90er-Jahren auf Kosten der eigenen Integrität popkulturellen Trends hinterherrannte. Eine der eher unschönen Begleiterscheinungen von wachsendem Erfolg.

Kehren wir nochmals zurück zu Reunion (Tödliche Nachfolge), der Episode, in der wir Worfs Sohn Alexander kennenlernen. Diese Folge ist außerdem eine Fortsetzung der herausragenden Staffel-3-Episode Sins of the Father (Die Sünden des Vaters), in der Worf die Ehre seiner Familie zugunsten der politischen Stabilität seines Heimatplaneten opfert.

In Reunion wird dieses Shakespeare-hafte Intrigenspiel vertieft, indem Alexanders Mutter und Worfs Geliebte K'Ehlyr umgebracht wird, ausgerechnet von der schurkischen Duras-Familie, die auch die Strippenzieher der Politposse war. Ohne sich jetzt in Details zu verlieren, denn der Plot ist äußerst komplex geraten: Ungewöhnlich an dieser Storyline ist, dass Star Trek hier erstmals eine staffelübergreifende Fortsetzungsgeschichte mit einem der Hauptcharaktere erzählt.

Diese Art der "Serialization", so der Fachbegriff, wurde für Star-Trek-Verhältnisse hier in bislang ungekannter Intensität betrieben und sollte so den Grundstein legen für lang gezogene Handlungsbögen, wie sie etwa charakteristisch für die spätere Spin-off-Serie Star Trek: Deep Space Nine sein sollten.

Eigentlich war den Macherinnen und Machern damals sehr daran gelegen, dass Star Trek aus Einzelgeschichten bestand, damit Gelegenheitszuschauerinnen und -zuschauer jederzeit einsteigen konnten und nicht aufgrund fehlendem, kompliziertem Vorwissen vorangegangener Episoden vergrault wurden.

Hier wagte man die erste, große Ausnahme, und das ausgerechnet mit dem Charakter des Klingonen Worf. Denn dieser war zu Serienbeginn gar nicht als Hauptcharakter geplant gewesen, sondern nur als gelegentlicher Gastcharakter, der mit seiner klingonischen Stirn im Hintergrund der Brücke ab und an für ein wenig Science-Fiction-Kolorit sorgen sollte. Worf erfreute sich aber zunehmender Beliebtheit, wenn auch nicht so immenser Popularität wie der absolute Fan-Favorit Data, und so wurde ausgerechnet der grimmige Klingone zum Stützpfeiler der ersten auf lange Sicht angelegten, durchgehenden Handlung bei Star Trek.

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