Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart
Quelle: Paramount

In Teil 4 unserer Star Trek-Retrospektive wird es kontrovers: Autor & Star-Trek-Guru Sebastian Göttling schreibt über Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart.

In den vorangegangenen Teilen dieser Serie habe ich schon viel zu viel geschrieben über das Jahr 1991, mein allererstes Jahr als Star-Trek-Fan. Vielleicht werde ich demnächst noch einmal zurückkehren zu diesem für mich epochale Jahr, doch heute geht es zunächst ans beinahe hinterletzte Ende von 1991. Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag, ich bin seit neun Monaten Trek-begeistert, sah im Frühjahr ein Dutzend Folgen der "Next Generation", wurde den Sommer über druckbetankt mit der Originalserie, genoss die Free-TV-Premieren der ersten drei Kinofilme im Sommer und Herbst. Vor zwei Tagen war Heiligabend, da bekam ich Ralph Sanders damaliges Standardwerk geschenkt, das üppige Sachbuch "Das Star-Trek-Universum" und habe so die letzten zwei Tage nicht nur mit Weihnachtsessen - Rouladen und Hasenkeule bei der Omma - sondern auch mit ausgiebigem Schmökern verbracht.

Man könnte sagen, ich war pappsatt, sowohl im kulinarischen als auch im Fan-Sinne. Weihnachtszeit ist aber nicht bloß Festschmaus- und Schmökerzeit, sondern auch Familienzeit, deswegen liege ich an diesem Abend im elterlichen Wohnzimmer eingewickelt in meine liebste Wolldecke und erwarte strahlend die Erstausstrahlung eines waschechten Familienfilms, denn Trek-Sender SAT.1 zeigt zum Feste "Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart" (englisch: "The Voyage Home) und setzt damit eine frohe und besinnliche Krönung auf mein erstes Fanjahr. Schöner hätte es kaum ausgehen können.

Fliegen wir gemeinsam um die Sonne, noch weiter zurück in die Vergangenheit, um einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Films zu werfen.


Sebastians bisherige Star-Trek-Retrospecials


Nach dem dritten Kinofilm "Auf der Suche nach Mr. Spock" stand für das produzierende Studio Paramount fest, dass Star Trek eine verlässliche Bank ist.

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Der dritte Film hatte genauso viel Geld eingespielt wie der zweite ("Der Zorn des Khan") - und wenn eine Maschine derart verlässlich vor sich hinrattert, dann macht man einfach weiter. Verlässlichkeit und Kontinuität gab es dementsprechend auch hinter den Kulissen, denn Franchise-Lenker Harve Bennett durfte mit "Zurück in die Gegenwart" seinen mittlerweile dritten Star-Trek-Film produzieren, während Erfinder Roddenberry immer noch abgeschoben und grimmig als "Berater" im Hintergrund saß.

Allerdings musste sich Genes Groll mittlerweile ein wenig gelegt haben, denn über diesen vierten Film sind keine roddenberryschen Sabotageakte bekannt. Ebenfalls zurück kehrte Leonard Nimoy, Darsteller des Mister Spock und Regisseur des dritten Kinofilms, der an seine letzte Arbeit nahtlos anknüpfen sollte, diesmal ausnahmsweise aber wieder den gesamten Film über nicht nur hinter, sondern auch vor der Kamera.

Zum zweiten Mal im Regiestuhl: Spock-Darsteller Leonard Nimoy Quelle: Paramount Zum zweiten Mal im Regiestuhl: Spock-Darsteller Leonard Nimoy Blickt man auf die Handlung der beiden vorangegangenen Filme zurück, dann ging es zwar darum, dass unsere Crew als Superhelden-Freundesteam in der Galaxis unterwegs war, doch auch reichlich viel Tod, Zerstörung und Rache waren im Spiel. Khan wütete und brachte Unheil über alle, die sich ihm näherten, ebenso wirkte der dritte Film wie eine Mischung aus Wagner-Oper und Shakespeare-Stück.

Am Ende lagen mehr Leichen, zerstörte Raumschiffe und geborstene Planeten umher als sonst etwas, Spocks Auferstehung war der einzige lebensspendende Akt inmitten all der Vernichtung. Leonard Nimoy wollte mit dem nun folgenden vierten Film unbedingt etwas anderes bieten, bewusst gegen das Dunkle ansteuern und eine deutlich leichtere Geschichte ohne Bösewichte inszenieren.

Ein wenig wahnsinnig scheint es, dass er mit diesem Vorhaben durchkam, denn damals wie heute läuft es in Hollywood eigentlich so: Wenn eine Reihe stabilen Erfolg hat, dann möchten die Geld gebenden und einnehmenden Studios mit jedem Film am liebsten mehr von derselben Geschmacksrichtung. Alles, bloß keine Veränderung.

Doch so groß war mittlerweile das Ansehen von Nimoy und Bennett, dass sie über entsprechend lange Einflusshebel verfügten und darüber ihre kreative Vision stemmen konnten. Einzige Bedingung des Studios: Die Erde muss vom Untergang bedroht werden, damit es spürbare "Stakes" gibt. Harve Bennett, ein altes TV-Schlachtross, das durch die Universal-Serienschmiede gestählt wurde, konnte seine Fernsehwurzeln nicht abstreifen, also war sein Blick auf die Filme auch immer der eines TV-Produzenten.

Im zweiten Film sah er die sogenannte Bottle Show, also eine dichte und klaustrophobische Geschichte, die nicht die vorhandenen und bekannten Sets verlässt (selbst die Reliant war, wir erinnern uns, nur eine Umgestaltung der Enterprise-Brücke).

Der dritte Film war die Episode, in welcher Hauptcharakter Amnesie bekommt. Und der vierte Film sollte schließlich die Folge werden, die man "on location" und weitestgehend ohne gebaute Kulissen in der unmittelbaren Nachbarschaft dreht.

Nun galt es, ein MacGuffin zu finden, denn selbst wenn es keine klassischen Widersacher gibt, brauchen die Charaktere dennoch ein Ziel, auf das sie zuarbeiten, woraufhin ihnen die Autoren dann wiederum Hindernisse in den Weg legen. Die 80er-Jahre waren die Zeit des aufkeimenden, ökologischen Bewusstseins und immerhin in dieser Hinsicht lebte Leonard Nimoy am Puls der Zeit.

Teil des ökologisch angehauchten McGuffins: Eine rätselhafte Sonde wartet auf Antwort. Quelle: Paramount Teil des ökologisch angehauchten McGuffins: Eine rätselhafte Sonde wartet auf Antwort. Schnell hatte der umweltbewusste Regisseur den Einfall, eine von Greenpeace angehauchte Geschichte zu erzählen. Unsere Helden aus dem 23. Jahrhundert sollten per Zeitreise den Rücksturz ins 20. Jahrhundert wagen, um dort etwas zu holen, was die kurzsichtigen Menschen in den zwischenzeitlichen Generationen ausgerottet hatten.

Eine frühe Idee war, dass die Trek-Zukunft von einer ansteckenden Krankheit heimgesucht wird, die nur mit einem Heilmittel aus der Vergangenheit behandelt werden kann.

Nur: Niemand war wirklich angetan von der deprimierenden Vorstellung, die Zukunftsszenen im Stil eines Lazaretts voller Dahinsiechender zu drehen. Auch fanden weder Nimoy noch Bennett den passenden Zugang zu einer Geschichte, in der Kirk & Co. einen besonderen Pfeilgiftfrosch oder ein seltenes Blatt aus dem Regenwald bergen müssen.

Kreative Rettung eilte herbei in Form des Comic- und Romanautoren (und persönlichen Nimoy-Freunds) Howard Weinstein (bis heute immer noch der jüngste Autor, der etwas zu verfilmtem Star Trek beitrug, denn im zarten Alter von 19 Jahren lieferte er die Idee für die Zeichentrickepisode "The Pirates of Orion").

Weinstein brachte die Buckelwale ins Spiel, ebenso eine geheimnisvolle Sonde, die nach den Tieren sucht. Vor allem aber die Vorstellung, etwas unglaublich Sperriges wie Buckelwale in die Zukunft transportieren zu müssen, sagte Nimoy und Bennett sehr zu. Weinstein erhielt für die rettende Idee einen nicht näher erklärten Thank-You-Credit im Abspann.

Wenn die Nummer mit den Walen schon nach einer verrückten Idee klingt, dann kam nun die wohl größte Merkwürdigkeit des vierten Kinofilms ins Spiel. Einer der schillerndsten und erfolgreichsten Stars der Paramount-Filme Mitte der 80er-Jahre war der damalige Comedy-Titan Eddie Murphy (ja, auch der war mal "a thing").

Murphy hatte zuletzt kein Geheimnis daraus gemacht, dass er ein großer Star-Trek-Fan war, womit er der Paramount-Chefetage einen gewaltigen Floh ins Ohr gesetzt hatte. Dort machte man sich schleunigst daran, den dicken Deal mit dem großen Murphy-Fisch einzufädeln. Einer der Studiochefs, Jeffrey Katzenberg, meinte in späteren Jahrzehnten dazu: "Das ist entweder der Welt schlechteste Idee - oder die beste."

Unter den Stammschauspielerinnen und -schauspielern jedoch regte sich Unruhe, denn Shatner & Co. befürchteten, dass ihnen der Megastar die Schau stehlen würde. Das war immerhin ihre Reihe, da wollten sie nicht die zweite Geige spielen.

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Außerdem war das Kick-off-Meeting von Leonard Nimoy und Eddie Murphy gelinde gesagt ein besonderes. Ungezwungen und ohne weitere Teilnehmer sollte es eigentlich stattfinden, ganz privat, doch dann erschien Murphy in Begleitung zweier Typen, die komplett in Leder gekleidet waren. Diplomat Nimoy wusste hinterher zu berichten: "Eddie Murphy ist zweifelsohne ein begabter Komiker, doch mit ihm in einem Zimmer ist es merkwürdig."

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