Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart
Quelle: Paramount

In Teil 4 unserer Star Trek-Retrospektive wird es kontrovers: Autor & Star-Trek-Guru Sebastian Göttling schreibt über Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart.

Wer sich jetzt übrigens fragt, ob der aus dem zweiten und dritten Artikel bekannte Spoilerboy Thorsten mir auch diesmal wieder die Handlung verriet, dem kann ich sagen: Diesmal hatte ich mir im Herbst selbst den Roman zum Film gekauft und ihn während eines Österreichurlaubs mit meinen Eltern und meiner Omma innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Also: Spoiler ja, Thorsten nein.

Ein paar Making-of-Fun-Facts! Für Nicolas Meyer war der vierte Film eine überaus angenehme Erfahrung, der einzige Aspekt der fertigen Geschichte, mit dem er diesmal nicht einverstanden war, war das Schicksal Dr. Gillian Taylors. Meyer fand, eine Umweltaktivistin wie sie würde in der Gegenwart bleiben und den guten Kampf vorantreiben, anstatt sich in die Utopie des 23. Jahrhunderts zu flüchten. In ganz frühen Drehbuchentwürfen blieb die viel zu schnell aus der Geschichte herausgeschriebene Saavik nicht bloß auf Nimmerwiedersehen auf Vulcan zurück, sondern war darüber hinaus schwanger. Vater ihres ungeborenen Kindes war Spock, der auf dem Planeten Genesis im dritten Film eine rapide Kindheit, Jugend und vor allem Pubertät durchgemacht hatte. So war er ins vulkanische Pon farr geraten, wodurch eine Paarung zwingend notwendig war. Die Implikationen dieses Nachwuchses sind endlos faszinierend und es ist schade, dass diese Geschichte nicht verfilmt worden ist.

Zum Produktionsteam stieß derweil erstmals Michael Okuda hinzu, der aktuell wohl dienstälteste Star-Trek-Recke. Okuda war und ist der Produktionsdesigner, dem wir bei der Next Generation unter anderem die ikonischen Displays zu verdanken haben. Okuda und seine Frau Denise sind auch heute noch, über 35 Jahre später, fürs Franchise aktiv.

Verstehen sie Spaß? - diesmal mit Walter König und Michelle Nichols als Lockvögeln! In den Szenen, in denen sich Chekov und Uhura zum Atom-Flugzeugträger Enterprise durchfragen wollen und dabei einigen Passanten und auch einem Polizisten zur großen Verwunderung dienen, kam sichtlich eine versteckte Kamera zum Einsatz. Trotzdem aber waren die Passanten keine wahrhaftig Ahnungslosen, es handelte sich ausnahmslos um gut vorbereitete Statisten.

Zu echt für Greenpeace: Die ferngesteuerten Miniaturwale Quelle: Paramount Zu echt für Greenpeace: Die ferngesteuerten Miniaturwale Am Ende wassert der klingonische Bird-of-Prey in der Bucht von San Francisco und wir sehen einen lebensgroß nachgebauten Teil des sinkenden Schiffs im Wasser, aus dem die feixende Crew klettert und sich über die drauflosschwimmenden Buckelwale freut.

Dieser Wassertank wurde auf dem legendären Parkplatz Paramounts angelegt, der auch als "The Tank" bekannt ist, wo bereits für den ersten Kinofilm die Szenen auf dem Planeten Vulcan entstanden waren.

Apropos Wale: Bis man die endlich gefilmt hatte, musste einiges an Hirnschmalz investiert werden. Lange dachte man darüber nach, ob man echte Wale vor die Linse bekommen könnte (die Antwort: nein), bis es schließlich die kongeniale Effektschmiede Industrial Light & Magic schaffte, 1,20 Meter lange Modelle von Walen zu bauen, deren elektronisches Innenleben einigermaßen wasserdicht war, die man per Fernbedienung lenken und unter Wasser filmen konnte.

Neben diesen kleinen Modellen kamen auch ein paar lebensgroße Heckflossen zum Einsatz. So realistisch wirkten die Aufnahmen der kleinen, ferngesteuerten Wale, dass empörte Tierschützer protestierten, so nah dürfe man doch nicht mit Filmkameras an Wildtiere rangehen. Auf diese gelungene Täuschung war ILM äußerst stolz.

Übrigens handelt es sich bei dem vierten Kinofilm um den einzigen der klassischen Reihe, bei dem keinerlei Untertitel zum Einsatz kamen - und das, obwohl Paramount das eigentlich gefordert hatte. Verrückterweise wollten sie die Konversation zwischen der Sonde und den Buckelwalen am Ende des Films tatsächlich fürs Publikum übersetzt haben.

Harve Bennett sagte dieser Idee zunächst leichtfertig zu, Nimoy hingegen tobte, denn er war aber strikt dagegen und konnte sich am Ende durchsetzen. Tragisch nur, dass ausgerechnet diese Lappalie den Anfang vom Ende ihrer mehrjährigen Freundschaft darstellen sollte.

Apropos Freundschaft: Nachdem man James Horner, der die Filmmusik der beiden vorangegangenen Filmen geschrieben hatte, nicht wieder engagieren konnte, aktivierte Leonard Nimoy seinen persönlichen Freund Leonard Rosenman. Dessen Musik zu "The Voyage Home" ist in Fankreisen durchaus umstritten, obschon vor allem die weihnachtliche Titelmusik mit klingenden Glöckchen hervorragend zum SAT.1-Ausstrahlungstermin passte.

Die Jazz-Fusion-Klänge des Ensembles Yellowjackets, die die Schwierigkeiten unserer Helden mit dem San Francisco Straßenverkehr untermalen, wirken heute sehr aus der Zeit gefallen, während andere Passagen des Films mit sehr atonalen Klängen unterlegt sind. Die stehen wiederum in großem Kontrast zu der klischeehaften Kasatschok-Musik, zu der Chekov über den Flugzeugträger flüchtet, und der klamaukigen Comedy-Musik bei der Jagd durchs Krankenhaus.

Das internationale Filmposter von "Gareth", das eher an eine Teenie-Komödie erinnern sollte. Quelle: Paramount Das internationale Filmposter von „Gareth“, das eher an eine Teenie-Komödie erinnern sollte Überhaupt ist es der kürzeste Soundtrack der ersten sechs Trek-Streifen; der Film gibt sich lange Zeit über verdächtig still. So kommt zum Beispiel von der Szene im Antiquitätenladen bis zu besagter Chekov-Musik überhaupt keine Filmmusik zum Einsatz, nur ein wenig diegetische Musik, also solche, die tatsächlich in der "Realität" der gerade dargestellten Szene abgespielt wird. Dabei handelt es sich natürlich um die berühmte Szene, in der Kirk und Spock während einer Busfahrt mit einem Punk aneinandergeraten.

Eine Szene, die dem Mist des schon etwas älteren und zunehmend konservativen Leonard Nimoyentewachsen war. Der hatte wohl in New York City tatsächlich eine ähnliche Begegnung gemacht, die er als durchaus aggressiv wahrgenommen hatte - "die Jugend von heute" und so. Passenderweise hatte Nimoy für den punkschen Ghettoblaster zunächst "Dad-Rock" im Stile von Duran Duran vorgesehen.

Der 24-jährige Produktionsassistent Kirk Thatcher, der den Punk im Übrigen selbst darstellte, bekam von dieser Musikauswahl gerade noch rechtzeitig Wind und ließ schnell einen möglichst authentischen Song komponieren und von der Gruppe Edge of Etiquette einspielen.

Das Stück trägt den hübschen Titel "I Hate You". An anderer tonangebender Stelle war Nimoy jedoch durchaus hilfreich, denn als er gefragt wurde, welche Klänge wohl die außerirdische Sonde von sich geben würde, performte er ein Wub-Wub-Wub-Geräusch, das unmittelbar aufgenommen, elektronisch verfremdet und als "Stimme" der Sonde verwendet wurde.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk