Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart
Quelle: Paramount

In Teil 4 unserer Star Trek-Retrospektive wird es kontrovers: Autor & Star-Trek-Guru Sebastian Göttling schreibt über Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart.

Unbenommen aller Seltsamkeiten, wollte jedoch im Gegensatz zum dritten Film Harve Bennett diesmal nicht selbst das Drehbuch schreiben. Also engagierte er stattdessen das Autorenteam Steve Meerson und Peter Krikes, das mit der Wale-und-Eddie-Murphy-Idee loslegen sollte. Doch was war der Murphy-Teil dieses Konzepts? Paramounts und auch Bennetts Vorstellung war: Wenn man einen solch hochkarätigen Komiker im Cast hat, musste man ihm auch eine Rolle auf den Leib schreiben. Murphy sollte einen Collegeprofessor spielen, der in den 70er-Jahren ein wenig zu viel "LDS" zu sich genommen hatte und seither ein Esoteriker mit ausgeprägtem Glauben an UFOs und Außerirdische ist.

Als dann unsere Enterprise-Crew im 20. Jahrhundert landet und ihm begegnet, hat der gute Professor nur bei seinen Mitmenschen schon längst jegliche Glaubwürdigkeit verloren und tut sich schwer, ihnen mitzuteilen, dass es diesmal wahrhaftig Außerirdische bzw. Reisende aus der Zukunft sind, die ihn heimsuchten. Im Prinzip die alte Äsop-Fabel "Der Hirtenjunge und der Wolf", nur eben im Sci-Fi-Gewand. Schenkelklopfiger Höhepunkt dieses erstens Storyentwurfs sollte ein Super-Bowl-Spiel sein, bei dem sich vor den Augen der Zehntausenden Zuschauenden ein klingonischer Bird-of-Prey über dem Stadion enttarnt.

Doch nicht nur die Stammbesetzung wurde unruhig, auch an anderer Stelle machte sich langsam Unzufriedenheit breit, denn Eddie Murphy wollte eigentlich keinen Verrückten spielen.

Kurzerhand sagte er seine Teilnahme ab und stürzte sich stattdessen in den Abenteuerfilm "Auf der Suche nach dem goldenen Kind". Auch die Studiobosse waren eher unzufrieden mit der Dramatik des bisherigen Skripts. Eine dieser besagten Chefinnen war Dawn Steele, eine persönliche Bekannte Nicholas Meyers, der bekanntermaßen schon den "Zorn des Khan" geschrieben und auch Regie geführt hatte.

Meyer hatte sich zuletzt sehr darüber geärgert, dass der Tod Spocks und damit der dramatische Schlussakkord seines Films im dritten Streifen rückgängig gemacht wurde, doch der Zorn des Meyer war mittlerweile verflogen und so sagte er zu. Mit Bennett, Meyer und Nimoy war ein äußerst harmonisches und freundschaftliches Dream-Team am Start, aber weil die Zeit wieder einmal langsam knapp wurde, teilte man sich auf.

Spock und Pille katapultieren sich "Zurück in die Gegenwart". Quelle: Paramount Spock und Pille katapultieren sich "Zurück in die Gegenwart". Es war völlig klar, dass Anfang und Ende des Films im 23. Jahrhundert spielen würden, und weil Bennett bereits zwei Jahre zuvor den gesamten dritten Film in diesem Zeitrahmen geschrieben hatte, übernahm er auch jetzt wieder der Autorenjob für die "Klammer". Der Mittelteil, die Geschichte im 20. Jahrhundert, sollte von Nicholas Meyer geschrieben werden.

Meyer sträubte sich ein wenig gegen den geplanten Handlungsort San Francisco, vor allem, weil der Film dadurch verdächtig viele Ähnlichkeiten zu einem seiner anderen Filme aufwies. Schon im Jahr 1979 hatte Meyer "Flucht in die Zukunft" (Time After Time) geschrieben und auch Regie geführt.

Dabei handelt es sich um einen Science-Fiction-Film, in dem Jack the Ripper per Zeitmaschine aus dem Jahr 1893 entkommt und ins San Francisco der späten 70er-Jahre türmt. An seine Fersen heftet sich der ebenfalls zeitreisende Sc-iFi-Autor H.G. Wells. Doch allem Protest zum Trotz blieb der Schauplatz der geplante und Meyer ließ es sich daraufhin nicht nehmen, gleich mehrere Szenen unmittelbar aus seinem älteren Film in die Star-Trek-Produktion zu übernehmen.

Vor allem die Szene im Antiquitätenladen ist beinahe eine 1:1-Kopie. Übrigens sei "Flucht in die Zukunft" jedem Science-Fiction-Fan im Allgemeinen und Star-Trek-Fans im Besonderen empfohlen, denn er ist ein faszinierender Begleitfilm zu "The Voyage Home", wirklich fantastisch geschrieben und inszeniert. Außerdem hat er in den Hauptrollen gleich zwei Schauspieler, die danach noch zu Star-Trek-Ruhm kommen sollten. Jack the Ripper wird gespielt von David Warner, der im fünften Kinofilm den St. John Talbot, im sechsten Film den klingonischen Kanzler Gorkon und in der Next Generation Picards Folterknecht Gul Madred darstellen würde. H. G. Wells wird gespielt von Malcolm McDowell, der im siebten Star-Trek-Film die Rolle des antagonistischen Soran übernehmen würde.

Nach zwölf Wochen waren Meyer und Bennett mit ihren jeweiligen Teilen des Drehbuchs fertig, setzten Anfang, Mitte und Ende formschlüssig zusammen und legen das fertige Skript Leonard Nimoy vor, der höchst zufrieden war. Das war genau das, was ihm vorgeschwebt hatte.

Den Drehbuch-Credit teilen sich alle vier Autoren: Bennett, Meyer sowie das Duo Meerson und Krikes. Allem Anschein nach gab es hinter den Kulissen einige Unstimmigkeiten zwischen den beiden Autorenteams und eine ordentliche Portion Bitterkeit, die die ursprünglichen Autoren mit sich trugen, nachdem Meyer ihren Job kurzerhand übernommen hatte.

In Interviews gaben Meerson und Krikes zu Protokoll, dass die Geschichte bis auf die Verwandlung von Eddie Murphys Professoren-Charakter zur Meeresbiologin Dr. Gillian Taylor eigentlich genau so war, wie sie sie geschrieben hatten. Meyer hingegen gibt in seiner Autobiografie "The View from the Bridge" zu Protokoll, die Namen der beiden Co-Autoren entweder vergessen oder gar nicht erst gekannt zu haben.

Er habe deren Drehbuch-Entwurf niemals gelesen und alles im Alleingang von Grund auf neu geschrieben. Es können unmöglich beide Versionen der Geschichte stimmen. All diese Äußerungen zeugen also davon, dass es ordentlich "Beef" gab zwischen den beteiligten Parteien, womöglich sogar hinter verschlossenen Türen ein Schlichtungsverfahren bei der Writers' Guild of America durchgeführt wurde. Offengelegt wurde all das jedoch nie.

Lebensgroße Walflossen auf dem Paramount-Parkplatz Quelle: Paramount Lebensgroße Walflossen auf dem Paramount-Parkplatz Übrigens: Vor die Kameras ging "Zurück in die Vergangenheit" mit ein paar Monaten Verspätung, denn William Shatner war noch bis ins Frühjahr hinein beschäftigt mit den Dreharbeiten zu seiner Krimiserie "TJ Hooker".

Zeit für eine kurze Zusammenfassung: Nach der Rettung Spocks sind die Helden der Enterprise im Exil auf dem Planeten Vulcan, setzen aber in ihrem gekaperten Klingonen-Raumschiff Kurs auf die Erde, um sich der Justiz zu stellen. Die wird indes heimgesucht von einer rätselhaften Sonde, die irgendetwas zu suchen, aber nicht zu finden scheint und daraufhin die Ozeane der Erde vaporisiert, sämtliche Energiequellen lahmlegt und innerhalb kürzester Zeit reichlich Klimawandel-Chaos anrichtet.

Das Klingonenschiff unserer Helden ist außerhalb des Einflussbereichs der Sonde, Spock findet anhand deren Klagegesang aber heraus, dass sie wohl Buckelwale sucht.

Also reist man zurück ins Jahr 1986 (übrigens per Katapult-Manöver um die Sonne, welches schon in der klassischen Serie zweimal zum Einsatz gekommen war), um ein Buckelwal-Pärchen in die Zukunft zu holen. In der damaligen Jetztzeit kennen sich die Recken aus dem 23. Jahrhundert nicht sonderlich gut aus und haben daher mancherlei komische Kopfstände zu bewältigen, bis am Ende alle wieder vollzählig und mit zwei Buckelwalen an Bord zurück in die Zukunft reisen können.

Ebenfalls mit ihnen kommt die Meeresbiologin Dr. Gillian Taylor, in deren Obhut sich die beiden Wale George und Gracie befunden hatten. Die Wale antworten der Sonde, die zeigt sich zufrieden, die Erde ist gerettet. Vor Gericht werden die Helden rehabilitiert, Kirk wird zum Captain degradiert, darf seinen ungeliebten Admiralsposten nach vier Filmen endlich hinter sich lassen und das Kommando über eine neue Enterprise übernehmen, was bekanntermaßen seine eigentliche Bestimmung ist. Happy End, High Five, Freeze Frame.

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