Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart
Quelle: Paramount

In Teil 4 unserer Star Trek-Retrospektive wird es kontrovers: Autor & Star-Trek-Guru Sebastian Göttling schreibt über Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart.

Klassische Gamer schätzen wahrscheinlich sehr, dass der Film prinzipiell wie ein Grafik-Adventure funktioniert. Das Beschaffen der Wale ist das große, übergeordnete Ziel der Handlung, wird aber in viele kleine Unterrätsel und Quests aufgeteilt, die die Charaktere überall in San Francisco zu lösen haben und zwischen denen ständig hin- und hergeschaltet wird. Angenehme Lucasfilm-Games-Gefühle kamen schon beim ersten Anschauen in mir auf.

Außerdem ist der Film unter allen Trek-Streifen der wohl Mainstream-tauglichste. Er gilt, wie die klassische Folge mit den Tribbles, als "der eine lustige Star-Trek-Film" oder auch als "der mit den Walen". Und auch, wenn die Sonde auf der Erde und im Raumdock reichlich Klima-Remmidemmi auslöst, kommt allem Anschein nach zum ersten und bislang einzigen Mal niemand in einem Star-Trek-Film ums Leben. Zum Ende hin untermauert wird diese heitere Atmosphäre von einem Sitcom-ähnlichen Abspann, der Charakter-Standbilder und andere Filmszenen zeigt. Das Filmfeuilleton des Jahres 1986 lobte den Film weitgehend als gefälligen Thanksgiving-Film für die ganze Familie, völlig ungewohnte Töne für das Star-Trek-Franchise. Es gab allerdings auch vereinzelt Kritik für die gestelzt-spießige, Nimoysche Vortragsweise der Comedy, was sich in der Tat nicht völlig von der Hand weisen lässt. Der Film ist lustig, aber ja, er ist oftmals ziemlich brav, fast schon bieder in seinem Humor.

Auch an den Kinokassen schlug der Familienfilm ab dem letzten November-Wochenende 1986 ein wie eine Bombe. Dem Budget von 26 Millionen Dollar standen satte 133 Millionen eingenommene Dollar gegenüber, das sind etwa 45 Millionen mehr, als der dritte (und auch der zweite) Film hatten einspielen können.

"Star Trek 4" blieb auf lange Zeit der erfolgreichste Star-Trek-Kinofilm und erreichte Platz 5 der US-Jahrescharts, die allerdings 1986 auch zum ersten Mal seit 1979 keinen einzigen Film enthielten, der die 200-Millionen-Marke geknackt hatte- ein Jahr ohne den ganz großen Blockbuster.

Trotz des aufwendig angepassten internationalen Marketings wurde "Star Trek 4" jedoch erneut kaum in Übersee beachtet, denn dort wurde in Summe gerade einmal ein Fünftel der Gesamteinnahmen erzielt. Die internationale Furore Star Treks war 1986 noch immer Zukunftsmusik.

Mit so einem krachenden, wenn auch nur lokalen Erfolg, ließ sich das zwanzigste Jubiläum von Star Trek gut feiern, das 1986 zum ersten Mal im vergleichsweise kleinen Rahmen begangen wurde.

Nach vier Filmen voller Irrungen und Wirrungen kommt die Enterprise-Familie endlich nach Hause. Quelle: Paramount Nach vier Filmen voller Irrungen und Wirrungen kommt die Enterprise-Familie endlich nach Hause. Ein weiteres Zückerli war sicherlich, dass anderthalb Monate vor der Kinopremiere "Star Trek: The Next Generation" als Spin-off fürs Jahr 1987 angekündigt wurde. Übrigens war TNG nicht zuletzt deswegen als eine Serie ohne Shatner & Co. geplant, weil der konstante Erfolg der Kinoreihe dazu führte, dass Star Trek zwar beliebter, die Gagen der etablierten Schauspieler gleichzeitig aber auch immer teurer wurden.

Eine mögliche Erkenntnis aus dem großen Erfolg des Films könnte sein, wo er doch die Antithese zum Beispiel des von Rache, Blut und Action geprägten Khan-Films darstellt: einfach öfter mal etwas anderes machen - neue und frische Geschichten erzählen, die sich völlig vom bisher Gezeigten abheben!

Und doch hat man trotz dieses Erfolgs spätestens ab dem zehnten Film immer wieder das Gefühl, dass die Verantwortlichen bei Paramount stets auf der Suche nach einem zweiten Khan sind - blutrünstige Racheengel mit eigenem Raumschiff anstelle friedfertiger Meeressäuger. Warum in den letzten 35 Jahren bisher keine zweite locker-leichte Kinokomödie inszeniert wurde, scheint rätselhaft.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ... Aber Halt! Das ist eine Geschichte für den nächsten Artikel. Das Echo von "Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart" hallt auf jeden Fall trotzdem nach bis ins Jahr 2023, wo es vor Kurzem in "Picard" ein Wiedersehen mit dem gekaperten Klingonenschiff gab, inklusive eines kurzen musikalischen Zitats aus dem "Weihnachtssoundtrack" des Leonard Rosenman.

Für mich ganz persönlich ist der vierte Film zwar nicht perfekt, ein bisschen zu seicht, aber in etwa so gelungen wie der unmittelbare Vorgänger, den ich ebenfalls sehr schätze, der in meinen Augen jedoch nicht an die klareren Visionen des ersten und zweiten Kinofilms heranreicht. Auch ist "Zurück in die Gegenwart" - oder, in Zusammenhang mit meinen Gefühlen besser beim Originaltitel "The Voyage Home" genannt - für mich eigentlich das perfekte Ende der klassischen Kinoreihe.

Viele Fans hatten sich 1979 beim ersten Kinofilm gewünscht, die Freundschaft und das heitere Zusammengehörigkeitsgefühl der Urserie zu erleben. Stattdessen sahen sie dort entzweite Freunde, die sich aus den Augen verloren und emotional auseinandergelebt hatten. Die Familie war kaputt, Kirk im Schreibtischjob unzufrieden und gefangen in einer Midlife-Crisis.

Aus dieser befreite er sich im zweiten Film zwar, trotzdem aber wurde am Ende des Films mit dem Tod Spocks ein scheinbar irreparables Loch in die Familie gerissen. Diesen schmerzlichen Verlust galt es, im dritten Kinofilm zu überwinden und Spock zu retten, allerdings wurden unsere Helden im Laufe dieses Abenteuers zu Ausgestoßenen, die ihr Zuhause, nämlich die Enterprise, verloren hatten.

Am Ende des vierten Films schließt sich der Kreis: Die Familie ist wieder vereint und darf in ihr neues, altes Zuhause einziehen. Die Charaktere stehen jetzt da, wo viele Fans sie sieben Jahren zuvor gerne gesehen hätten, die Harmonie der Urserie ist wiederhergestellt.

Sogar Spock hat nicht bloß Frieden mit seiner menschlichen Seite, sondern sogar mit seinem gestrengen Vater geschlossen. Aus dramaturgischer Sicht brauchte es nach einem solchen Ende eigentlich keine weiteren Filme. Wahrlich, "The Voyage Home" im besten Wortsinne. Frohe Weihnachten 1991.

Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Ko-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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