Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale
Special
Alle guten Dinge gehen zu Ende: Haus-und-Hof-Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) blickt zurück auf die letzte Staffel von Star Trek TNG. Was für ein Finale!
War wohl Beverlys gruseliger Kerzengeist auch in das Fernsehgerät von Thorsten gefahren? Ich möchte denken, ja. Am nächsten Tag dann der Versuch der Next Generation, eine wachrüttelnde Episode mit Umweltschutzthematik zu bringen. Force of Nature (Die Raumkatastrophe) zeigte, dass der in ganz Star Trek ständig benutzte Warp-Antrieb tatsächlich das Gefüge des Weltraums irreparabel schädigte. Sehr moralisierend durfte Captain Picard hier sagen, dass "was wir immer so geliebt haben, das haben wir bei unserer Forschung selbst zerstört".
Damals wie heute spaltete die Episode unsere Meinungen. Mein Freund Christian fand, dass diese Analogie sehr gelungen war. Ich fand sie sehr holzhammerig, übermäßig moralisierend und verkürzt. Tatsächlich endete die Episode damit, dass der gesamten Sternenflotte ein Tempolimit von Warp 5 verordnet wurde, um nicht weiter mit all der Raserei den Weltraum zu schädigen.
Doch nun sollte man meinen, wenn der Weltraum erhalten und wenn außergewöhnlich subtropische Sommer wie der von 1994 in Zukunft minimiert werden sollten, dann müsste man auf Nachhaltigkeit setzen und sich auch daran halten. Doch das hochdramatisch eingeführte Tempolimit kam nur in sehr wenigen Episoden danach überhaupt zur Sprache, hatte de facto keinen weiteren Einfluss auf die Serie.
Als dann im Jahr 1995 die neue Serie Star Trek: Voyager anlief, wurde dort lapidar gesagt, dass das neue Raumschiff einen Antrieb verpasst bekommen hatte, mit dem man wieder beliebig schnell fliegen konnte, ohne das Gefüge des Universums zu schädigen. Quasi die technologieoffene FDP-Lösung für das ultrakomplexe Klimaproblem.
Mitten in diesem Sommer, in dem ich von Kopf bis Fuß auf Star Trek eingestellt war - eine Leidenschaft, die nicht nur meine Jugend prägte, sondern mich auch dreißig Jahre später noch über alle Maßen umtreibt - und meine Sammlung an Merchandising ausbaute, musste ich mich nun von einem Großteil meiner Kindheit trennen.
Quelle: Paramount
In Parallels (Parallelen) springt Worf von Realität zu Realität.
Am 6. Juli 1994 erschien ein verhängnisvolles, von meinen Eltern geschaltetes Inserat in unserer Lokalzeitung, und auf diesem Wege wurde ein Großteil meiner geliebten Kindheitsschätze zu einem Spottpreis vertickt. In meinen Aufzeichnungen ist zu lesen, dass ich sämtliche Lustigen Taschenbücher von Walt Disney sowie alle meine Hörspielkassetten - beides riesige Sammlungen - für lediglich summa summarum 207 DM abgab.
Alles an ein Ehepaar, das hiermit das Schnäppchen seines Lebens gemacht hatte. Doch diese Dinge gehörten in mein Kinderzimmer, in dem ich da noch saß, nicht aber in mein neues Jugendzimmer, das ich mir zwei Wochen zuvor ausgesucht hatte und dessen Möbel im September geliefert werden sollten.
Die am nächsten Tag gezeigte Episode Parallels (Parallelen) war damals meine Lieblingsepisode der siebten Staffel. Auch heute finde ich sie noch mindestens famos, wenn auch ein wenig gimmicky. Die Next Generation hatte es niemals in das finstere Spiegeluniversum verschlagen, welches die Originalserie erstmals gezeigt hatte.
Nur hier gab es zum zweiten Mal nach Yesterday's Enterprise (Die alte Enterprise) eine Anleihe daran, in der Mr. Worf, der grimmige Klingone, aufgrund eines Shuttle-Antriebsunfalls zahllose Male unkontrolliert von einer Parallelrealität in die nächste sprang, wo sich zunächst nur kleine und schließlich immer dramatischere Dinge um ihn herum änderten, was außer ihm niemand mitbekam.
Am Ende musste er wieder auf seine eigene Enterprise zurückgebracht werden - nur mussten die möglichen Enterprises dazu erst einmal alle an einen Ort geholt werden, sodass ein Raumsektor mit mehreren hunderttausend Enterprises überflutet wurde. Ein unvergleichlicher Anblick - und entfesselte Science-Fiction.
Tatsächlich legte diese Episode auch den Grundstein für eine romantische Beziehung, die die siebte Staffel prägen sollte, denn Worf bandelte hier erstmalig mit der Betazoidin und Bordtherapeutin Deanna Troi an. Eine Romanze, die viele Fans unpassend finden, die ich aber auch heute noch sehr cool finde - die beiden hatten aufrichtige Chemie.
Noch am selben Nachmittag, nachdem ich diese vortreffliche Episode gesehen hatte, trennte ich mich von den restlichen Artefakten meiner Kindheit, von den nur schwer verkäuflichen, bei denen keine Zeitungsannonce gefruchtet hätte. Einen Teil brachten wir zu Freunden meiner Eltern in die Nachbarstadt. Die hatten einen dreijährigen Jungen, der bald in seine Spielzeugphase hineinwachsen würde. Und den ganzen Rest brachten wir zum SOS-Kinderdorf meiner Stadt.
Neun Tage nach dem fernseherzerstörenden Gewitter besuchte ich abermals Thorsten. Auch an dem Nachmittag ging wieder ein großes Unwetter über unsere Heimatstadt hernieder, was dazu führte, dass wir diesmal vorsichtshalber sowohl Computer als auch Fernseher ausgeschaltet ließen und uns anderweitig die Zeit vertrieben. Doch zum Glück lichteten sich die Wolken pünktlich kurz vor 16 Uhr, sodass wir die Next-Generation-Episode Thine Own Self (Radioaktiv) doch noch "live" anschauen konnten.
