Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale
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Alle guten Dinge gehen zu Ende: Haus-und-Hof-Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) blickt zurück auf die letzte Staffel von Star Trek TNG. Was für ein Finale!
Eine der schönsten Data-Episoden, in der er auf einem Planeten in ein mittelalterliches Aliendorf krachte und unter Gedächtnisverlust litt, woraufhin die Einheimischen den bleichen Androiden für einen Eismann aus dem hohen Norden hielten.
Doch der Eismann-Data hatte, weil ja seine Erinnerungen futsch waren, unwissentlich für ihn ungefährliche radioaktive Trümmer in seinem Koffer, die dazu führten, dass die Strahlenkrankheit im Mittelalter zu wüten begann. Eine Identitätskrise also, aber auch eine Version der Frankenstein-Geschichte, in der die wütenden Dorfbewohner am Ende mit Mistgabeln dem todbringenden Golem ans Leder wollen.
Nur einen Tag später gab es eine weitere Tour de Force für Data-Darsteller Brent Spiner in der Episode Masks (Der Komet). Während Thine Own Self äußerst beliebt ist, ist diese Episode äußerst umstritten. Die Enterprise wurde von einem außerirdischen Archiv übernommen, das jahrtausendelang, nein, jahrmillionenlang, im Eisklotz eines Kometen gefangen gewesen war.
Nun verwandelte der antike Museumsapparat das Raumschiff nach und nach in einen südamerikanisch anmutenden Tempel, wodurch jede Menge Prä-Astronautik und Maya-Reminiszenzen verströmt wurden.
Zahllose Gottheiten und Einwohner dieser untergegangenen Zivilisation ergriffen Besitz vom Androiden Data, der hier in eine erneute Identitätskrise gestürzt wurde und mindestens fünf Charaktere darstellen durfte. Bedauerlicherweise hatte man Spiner dieses Drehbuch erst einen Tag vor Drehbeginn vorgelegt, sodass er sich tatsächlich nicht mehr überlegen konnte, wie er die einzelnen Rollen unterschiedlich anzulegen vermochte. Das führte dazu, dass Spiner in aller gebotenen Eile auf breites Overacting und Stereotypen zurückgriff.
Am Ende konnte die Enterprise gerade noch davor bewahrt werden, sich in einen Steintempel zu verwandeln, indem Mond-Gott und Sonnen-Gott miteinander konfrontiert wurden. Der eine musste sich schlafen legen, damit der andere aufgehen konnte - Simulation vorbei. Ich kann verstehen, dass viele Fans diese Episode für zu konfus halten. Mich sprechen ihre Rätselhaftigkeit, Symbolhaftigkeit und die einzigartige Atmosphäre aber bis heute sehr an; sie steht wie kaum eine andere für die entrückte siebte Staffel.
Quelle: Paramount
In Thine Own Self (Radioaktiv) bringt ein amnesischer Data die Strahlenkrankheit ins Mittelalter.
Am nächsten Tag folgte wieder eine düstere Episode mit verstörenden Bildern. In "Eye of the Beholder" (Der Fall "Utopia Planitia") kam es zu einem Suizid an Bord der Enterprise, und die anschließende Untersuchung deckte einen sieben Jahre alten Mord auf, der sich ereignete, als das stolze Schiff noch im Bau war, weshalb die Folge einen unvergesslichen Anblick servierte: in die Wände der Enterprise eingemauerte Gebeine. Deanna und Worf betätigten sich als Ermittlerteam und schienen in einen Strudel des Wahnsinns und Todes zu geraten, der auch für sie gefährlich wurde.
Die Episode war die zweite, welche die Beziehung der beiden vertiefte, doch interessanterweise ereignete sich die Annäherung in der vorigen Folge "nur" in einem Paralleluniversum, und in dieser hier - Spoileralarm - ausschließlich in einer albtraumhaften Vision von Deanna. Tatsächlich "Quality Time" miteinander verbracht hatten die beiden noch nicht. Trotzdem wurde nur wenige Episoden später so getan, als hätten Worf und Deanna wahrhaftig etwas am Laufen - und nicht bloß in anderen Realitäten oder gar Träumen.
In der nächsten Episode, Genesis, wurde die Verrücktheit dann nicht nur auf 11, sondern mindestens auf 12 gedreht, denn die gesamte Besatzung evolutionierte sich aufgrund eines medizinischen Ungemachs zurück, während Captain Picard und Data auf einer Außenmission waren.
Nach ihrer Heimkehr erkannten die beiden ihr Schiff und dessen Bewohner nicht mehr wieder: Einige waren zu Primaten geworden, der erste Offizier Riker lief als Neandertaler umher, Deanna war eine Art Molch oder Quastenflosser, Worf ein prähistorisch-klingonisches Krustentiermonster - und der neurotische Lieutenant Barclay war zu einer Spinne zurückmutiert.
Zweifelsohne ein fantastischer Make-up-Effekt - wobei ich jedoch im Biologieunterricht geschlafen haben muss, als uns beigebracht wurde, dass Arachnide im selben Evolutionsarm wie die Menschheit zu finden sind. Dennoch aber herrlicher Crazy-Monster-Stuff, eine Halloween-Episode vom Feinsten.
Wenige Tage darauf zog es auch meinen gewittergeplagten Freund Thorsten in den Sommerurlaub an die Küste, genauer gesagt nach Norddeich. So verpasste auch er mindestens fünf reguläre Next-Generation-Episoden und - schlimmer noch - sogar das spektakuläre Serienfinale, das an anderer Stelle Thema werden soll.
Christian allerdings war mittlerweile wieder aus den Niederlanden zurückgekehrt, sodass ich im Sommer 1994 trotz unseres Daheim-Bleibens nie wirklich alleine war (na ja, alleine habe ich mich ohnehin nicht gefühlt. Ich hatte ja die ganze Zeit über Captain Picard und seine Freunde zu Besuch).
Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen, einen wunderbaren Sommertag lang mit Christian ins Phantasialand zu fahren, seit jeher "unser" Vergnügungspark.
Ganze vier Male fuhren wir, unserer Star-Trek-Leidenschaft gerecht werdend und den langen Menschenschlangen trotzend, mit der spektakulären Saisonneuheit, einem Motion-Simulator mit Science-Fiction-Thema namens Galaxy. Auch dieser Tag war in gewisser Weise wieder ein Abschied von meiner Kindheit, denn als ich klein war, fuhr ich jedes Jahr mit meinen Eltern ins Phantasialand. Doch dieser Besuch war der letzte für viele, viele Jahre.
