Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale
Quelle: Paramount

Alle guten Dinge gehen zu Ende: Haus-und-Hof-Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) blickt zurück auf die letzte Staffel von Star Trek TNG. Was für ein Finale!

Abschiedsstimmung und Melancholie herrschten dann auch in der letzten verrückten Sci-Fi-Episode aus der siebten Next-Generation-Staffel, Emergence (Neue Intelligenz). Oberflächlich gesehen eine Holodeck-Episode, in der sich wieder einmal ein Programm verselbstständigte und mit anderen Bordsystemen gefährlich interagierte.

In diesem Fall war es der Orient-Express, der sich mit Mafia-Geschichten, Shakespeares "Der Sturm", Rittergeschichten und einigem mehr verquickte. Das Programm schien einen ganz eigenen Willen zu verfolgen, wollte mit dem Orient-Express unbedingt in eine Stadt namens Vertiform City tuckern und auf dem Weg dorthin absurd wertvolle Ziegelsteine schmuggeln, für die der ein oder andere Gangster sogar tötete.

All diese wahnwitzigen Ereignisse waren aber nur Repräsentanzen dessen, was die Enterprise eigentlich vorhatte. Denn nach sieben Serienjahren, in denen sie die Hoffnungen, Träume, Logbücher und Abenteuer ihrer Crew miterlebt und aufgesaugt hatte, hatte sich das neuronale Computernetz des Schiffes zu einer eigenen künstlichen Intelligenz verdichtet, die lebendig geworden war.

Dieser Prozess gipfelte darin, dass die Enterprise ein "Kind" gebar, das ein wenig aussah wie der klassische Windows-Röhren-Bildschirmschoner. Dieses wundersame Geschöpf tauchte schließlich in die Tiefen des Alls ab und der Spuk war vorbei. Auch das wieder eine Episode, die viele unnahbar und verwirrend fanden, die ich aber wunderbar anrührend, kreativ und sinnbildlich finde, blickte sie doch darauf zurück, dass die sieben Jahre, die die Enterprise unterwegs war, eine wahrhaft gute Zeit gewesen waren.

Eine fantastische Zeit war auch dieser 1994er-Jahrhundertsommer, mit drückenden Tagen und lauen Abenden, in denen alles langsamer schien als im Rest des Jahres. Eine der letzten wirklich kindlich-unbeschwerten Zeiten, bevor langsam die Reise über das späte Teenager-Alter zum Erwachsenwerden begann. Hey, immerhin wurde ich während der siebten Next-Generation-Staffel 16 Jahre alt, das war praktisch volljährig.

So melancholisch, wie ich mich mit meinem eigenen Älterwerden heute beschäftige, fühlte ich das damals bestenfalls unterschwellig, denn darüber macht man sich in jungen Jahren einfach keine Gedanken. Und genau das führt mir heute die Next Generation vor Augen: Dass Dinge wunderschön waren, aber zu Ende gehen mussten. Und so hatten dieser Sommer, die in ihm gezeigten Star-Trek-Folgen, aber auch mein eigenes Leben zu dieser Zeit eine unvergleichliche Atmosphäre und sie sind untrennbar miteinander verbunden.

Zeit ist keine Konstante: Nur gute zwei Jahre zuvor hatte ich erstmals auf dem ZDF die zweite Staffel der Next Generation gesehen, die ähnlich viele verrückte Science-Fiction-Episoden zu bieten hatte wie die siebte, die aber "damals" noch ein bisschen altbackener und angestaubter wirkten. Was Staffel 7 bot, war das Gleiche, nur viel "moderner". Genauso wie mein eigenes Leben mit 13 und 16, waren Staffeln 2 und 7 irgendwie gleich und doch völlig anders, sie legten sich wie eine Art Klammer um ein paar ganz entscheidende Jahre meines Lebens.

Der Sommer 1994 war der trekkigste und fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit, aber seine Länge war immer noch kein Vergleich zu der Handvoll Jahre, die zwischen meinem Fan-Werden und der verrückten Staffel 7 vergangen waren. Die wiederum fühlten sich wie eine Million Jahre an.

Gleichzeitig füllte sich mein Jugendzimmer, das noch nicht mal angeliefert war, mit Star-Trek-Merchandise, während ich mich von der Kindheit lossagte und mich von vielen Dingen trennte, die für einen jugendlichen Science-Fiction-Fan nutzlos geworden waren - und von denen ich heute wünsche, ich hätte sie vielleicht doch behalten, im Keller oder sonst wo konserviert.

Nun aber genug von all der Melancholie, die Erinnerungen an alte Zeiten mit sich bringen, zurück zur Sache. Aufmerksame Leserinnen und Leser werden festgestellt haben, dass ich zahlreiche Episoden in der heutigen Auflistung übersprungen habe.

Denn ja, es gibt neben der Verrücktheit auch noch das versprochene zweite Leitmotiv, das ich bisher ebenso völlig ignoriert habe wie die gar wundersamen Dinge, die sich in Hollywood in den Star-Trek-Studios im Laufe der siebten Staffel ereigneten. Deswegen: Fortsetzung folgt.

Eine von Datas vielen verschiedenen Persönlichkeiten in Masks (Der Komet) Quelle: Paramount Eine von Datas vielen verschiedenen Persönlichkeiten in Masks (Der Komet)


Sebastians bisherige Star-Trek-Retro-Specials


Verfügbarkeitshinweis: Alle Staffeln von "tar Trek: The Next Generation sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-Ray und DVD. Alle Staffeln von Star Trek: Deep Space Nine sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf DVD.


Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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