Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale
Special
Alle guten Dinge gehen zu Ende: Haus-und-Hof-Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) blickt zurück auf die letzte Staffel von Star Trek TNG. Was für ein Finale!
Wann immer ich über die siebte Staffel von Star Trek: The Next Generation spreche, diesen Endspurt einer bahnbrechenden Wiederbelebung einer steinalten Sci-Fi-Serie aus den 60ern, verwende ich häufig die Worte "einerseits" und "andererseits". Denn in vielerlei Hinsicht hat dieses finale Serienjahr nicht unbedingt Gegensätze zu bieten, aber so etwas wie zwei Gesichter.
Meine Rekapitulation muss ich also auch aufteilen, am besten einerseits in meine ganz persönliche Perspektive als jugendlicher Star-Trek-Fan in der nordrhein-westfälischen Provinz und andererseits in die Hollywood-Perspektive, den Blick auf die Produktion. Daraus, auch wenn das jetzt noch nicht zwingend logisch klingt, ergibt sich automatisch der ganze Rest - und ich denke, den Anfang muss meine persönliche Geschichte machen.
Ich war im Sommer 1994, als Staffel 7 in Deutschland startete, seit guten drei Jahren leidenschaftlicher Star-Trek-Fan, und lange Zeit hatte mich dabei die sogenannte "ZDF-Angst" begleitet. Denn das öffentlich-rechtliche Fernsehen hatte die schlechte Angewohnheit, meine liebste Science-Fiction-Serie unvorhergesehen und für längere Zeit aus dem Programm zu nehmen, sodass meine Star-Trek-Freunde und ich uns auf dem Schulhof immer wieder angstvoll zuraunten, dass wir befürchteten, wir würden im schlimmsten Fall niemals die komplette Serie sehen können.
Die dramatischste dieser Sendepausen legte das ZDF ausgerechnet wenige Wochen ein, nachdem ich Fan geworden war. Im März 1991 sah ich meine erste Folge und bereits im Frühsommer wurde jäh und, wie sich später herausstellte, allen Versprechen zum Trotz der Stecker gezogen. Weiter ging es erst im Februar 1992 nach einer für einen 13-jährigen endlosen Wartezeit.
Die ZDF-Angst war also berechtigt. Nun aber befanden wir uns im Star-Trek-Superjahr 1994, und die Serie war mittlerweile vom ZDF an den Privatsender SAT.1 übergegangen. Der sendete seit dem 2. März ununterbrochen neue Folgen ab der Mitte der vierten Staffel. Jeden Wochentag eine - bis auf wenige Aussetzer zugunsten von Tennis oder anderen Programmbesonderheiten.
Meine Clique und ich konnten unser Glück nicht glauben, dass nach Staffel 4 ohne Pause die fünfte folgte. Und dann sogar die "brandneue" sechste. "So verrückt kann doch niemand sein, dass die immer weiter und weiter senden", so unser Gedanke.
Quelle: Paramount
Rüpelhafte Alien-Botschafter halten die Crew auf Trab in Liaisons (Indiskretionen).
Nach der sechsten musste aber Schluss sein, das ging gar nicht anders, denn schließlich lief in den USA die siebte Staffel und war noch nicht einmal beendet. So einen unfassbar kurzen Turnaround, dass auch Staffel 7 unmittelbar gesendet würde, konnte es einfach nicht geben, das überstieg unsere Vorstellungskraft, das war buchstäblich Science-Fiction.
Wir wollten in dieser Angelegenheit endlich nicht mehr die Abhängigkeit vom Fernsehen, sondern stattdessen Klarheit und Selbstermächtigung - und wenn ich "wir" sage, dann meine ich nicht mich im Majestätsplural, sondern mich und meine guten Freunde Christian und Thorsten. Die hatten nach vielen Jahren, in denen wir hinsichtlich Informationen ausschließlich auf Fernsehzeitschriften angewiesen waren, die Kontaktdaten für die ultimative Informationsquelle aufgetan. Diese nutzten sie dann auch und mit Christians freundlicher Genehmigung darf ich hier aus seinen Original-Aufzeichnungen zitieren ...
Donnerstag, der 26. Mai 1994: Am Abend rief Thorsten an. Er sagte, er habe bei SAT 1 angerufen und gefragt, wie lange TNG noch läuft. Man habe ihm gesagt, es würde bis zum 29.7. laufen. Da das aber knapp über die siebte Season geht, hat die sich wohl irgendwo vertan. Ich rief dann sofort mal an, da ging ein Mann ran, und der sagte, es ginge bis nächste Woche!?! Danach gäbe es wohl neue Folgen!? Das ist ja total unlogisch, denn es laufen doch jetzt schon neue Folgen, und TNG läuft ganz sicher weiter als nächste Woche, das kann man in jeder Fernsehzeitschrift nachlesen. Naja, danach rief Thorsten NOCHMAL an, und da ging derselbe ran. Diesmal sagte er, es liefe wohl AB nächste Woche, er hätte da wohl keine anderen Informationen...
Freitag, der 27. Mai 1994: Ich rief bei SAT 1 an und versuchte, Klarheit in die Sache mit der siebten Season zu bekommen. Der Mann am anderen Ende hatte den Durchblick und versicherte mir, daß es bis zum 29.7. laufen würde, 178 Episoden!!! Da es nur 176 Episoden gibt, war ich zuerst stutzig, das erklärt sich aber dadurch, daß SAT 1 den Pilotfilm und den "End-Pilotfilm All Good Things" als zwei Episoden zählt, also stimmt das ganze. Der Typ konnte mir sogar einige Originaltitel bis in die siebte Season hinein mitteilen!!! Naja, ich putzte mein Zimmer und rief Thorsten so gegen 18.11 an und erzählte ihm alles.
Da hatten wir es nun also "straight from the horse's mouth", wie der Engländer sagen würde, und doch trauten wir dem Braten nicht, waren zu sehr vom ZDF gebrannte Kinder. Umso schöner war die Überraschung, dass der namenlose Mann bei SAT.1 tatsächlich recht behalten sollte. Die Next Generation wurde in einem Rutsch bis zum Ende durchgesendet. Unglaublich.
Die siebte und letzte Staffel, um die es jetzt gehen soll, fiel komplett in den Hochsommer. Was sich speziell anfühlt, denn ich tippe diese Zeilen hier kurz vor Weihnachten. Da wäre eigentlich eine ganz andere Stimmung angesagt, mit Schneegestöber und klingenden Glöckchen. Aber dennoch, liebe Leserin und Leser, schaltet jetzt im Kopf um auf Freibadwetter und lasst euch von mir mitnehmen in den unvergleichlichen Sommer 1994.
Da ich damals wie heute in Nordrhein-Westfalen lebte, ergab es sich wunderbar, dass kein Bundesland in jenem Jahr einen früheren Sommerferienbeginn hatte als NRW. Der erste Ferientag war der 23. Juni 1994, ein Donnerstag, und gleichzeitig war das der erste Ausstrahlungstag der siebten Staffel Next Generation.
Das bedeutete, die siebte Staffel lief komplett nicht nur im Sommer, sondern auch in den großen Ferien. Was für ein absoluter Traum. Ich konnte meine liebste Serie und ihr Finale in vollen Zügen und ungestört von Hausaufgaben oder Schularbeiten genießen, mich einfach nur auf faule, lange Tage und viele neue Episoden freuen.
Da meine Eltern in den Osterferien mit mir erstmalig in unser aller Leben in die USA geflogen waren, stand ein Sommerurlaub nicht zur Debatte; das Budget war aufgebraucht.
Bildergalerie
Also verbrachte ich die kompletten Sommerferien zu Hause in meiner Heimatstadt Lüdenscheid, da, wo mein Fernseher in meinem Zimmer stand, an den sogar ein von meinem Vater abgelegter Videorekorder angeschlossen war. Keine einzige der neuen Episoden sollte ich urlaubsbedingt verpassen. Ohne es zu wissen, hatten meine Eltern mit der Reise in die USA eine in doppelter Hinsicht goldrichtige Entscheidung getroffen.
