Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek TNG Staffel 7: Ein verrücktes Sommermärchen und ein fantastisches Finale
Quelle: Paramount

Alle guten Dinge gehen zu Ende: Haus-und-Hof-Star-Trek-Guru Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) blickt zurück auf die letzte Staffel von Star Trek TNG. Was für ein Finale!

Nun aber die versprochene Kategorisierung des heutigen Artikels. Neben der Wald- und Wiesen-Folge Liaisons soll es heute um die verrückten Geschichten aus Staffel 7 gehen, die crazy-trippy Sci-Fi-Episoden, von denen es im letzten Serienjahr überdurchschnittlich viele gab.

Zurückzuführen war dies auf eine andere Gruppe Jungs, die Autoren der Serie, die mit einer Ausnahme alle männlich und noch keine 31 Jahre alt waren. Dazu gehörte Brannon Braga, der gerne über Zeitreisen oder über Psychosen schrieb - oder aber auch über psychotische Zeitreisen. Und Joe Menosky, der zeitlebens an keinem "wackydoodle" Science-Fiction-Konzept vorbeigehen konnte, aber auch Naren Shankar, eigentlich wissenschaftlicher Berater der Serie, der sich erstmals selbst an zwar grundlegend faktenbasierten, aber von da ausgehend wilden Geschichten versuchen durfte.

Eine Ansammlung sehr junger Autoren, die noch am Anfang ihrer Hollywood-Karrieren standen und die irrerweise einen Großteil des Autoren-Teams dieser megateuren Serie bildeten. Eben noch unbezahlte Praktikanten, nun schon am Steuer des Einschaltquoten-Juggernauts Next Generation. Dass diese jungen Männer so viel Einfluss auf diese Staffel nahmen, war ein wenig so, wie wenn man einen Führerscheinanfänger einen Lamborghini fahren lässt.

Weil es die letzte Staffel war und man auf der höchsten Erfolgswelle ritt, durften diese Autoren einfach nach Herzenslust freidrehen, denn anders als in den frühen und prekären Serienjahren stand das Überleben nicht mehr auf dem Spiel. Die Serie sollte ohnehin enden und den Sprung auf die Kinoleinwand machen, also hing über niemandem mehr das Damoklesschwert der Absetzung. Aus diesem Grund gerieten elf der 25 regulären Episoden ganz besonders abgefahren.

Sehr früh im siebten Jahr gab es direkt den einzigen staffelinternen Zweiteiler Gambit, Parts 1 & 2 (Der Schachzug, Teil 1 & 2). Der sonst immer sachliche und kontrollierte Picard war hier "fish out of water", denn er war wider Willen undercover unter die Weltraumpiraten gegangen. Inmitten der galaktischen Freibeuter musste er ein doppeltes Spiel spielen; gleichzeitig seine Mission vorantreiben, aber auch tüchtig mitmachen und sich so selbst vor dem Auffliegen schützen.

Die Schatzsuche der Piraten galt einer jahrtausendealten Psi-Waffe vom Planeten Vulcan. Man gönnte sich also hier in einer Serie, in der Vulkanier normalerweise verpönt waren, nicht nur einen Besuch bei den grünblütigen Logikern, sondern auch eine gehörige Portion Mystizismus. Erstmalig seit acht Jahren konnte hier Schauspielerin Robin Curtis wieder die spitzen Ohren anlegen; nachdem sie im dritten und vierten Kinofilm die zweite Saavik gespielt hatte, gab sie hier die zwielichtige Tallera.

Beverly Crusher und ihr gewittriger Kerzengeist in Sub Rosa (Ronin) Quelle: Paramount Beverly Crusher und ihr gewittriger Kerzengeist in Sub Rosa (Ronin) Und weil diese ganze Geschichte rund um Verrat und Piraten so gar nicht dem Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry in den Kram gepasst hätte, der zu dem Zeitpunkt bereits vor zweieinhalb Jahren verstorben war, tat der nachfolgende Franchise-Chef Rick Berman zum ersten Mal etwas, was er noch oft tun sollte: In seinem Büro stand eine Bronze-Büste seines Vorgängers, des altehrwürdigen Roddenberry. Da hier seine Trek-Ideale ignoriert wurden, verband Berman der Büste während der Produktionswochen die Augen. Gene musste nicht alles mitbekommen, auch nicht im Jenseits.

Zurück nach Deutschland. Die brüllende Hitze des Sommers, in dem diese Episoden liefen, führte bei vielen zu immensen Schlafproblemen; so erging es auch mir. Immer wieder heißt es in meinen Aufzeichnungen, dass ich nur wenige Stunden Schlaf fand oder aber versuchte, mir mit möglichst viel Durchluft Abkühlung zu verschaffen, was nahezu unmöglich war im subtropischen Klima des Juli 1994.

Die verrückten Star-Trek-Episoden schienen sich unbewusst an meiner wetterbedingten Insomnie zu orientieren, denn auch in Phantasms (Traumanalyse) ging es um Data, den Androiden, der seine Traum-Experimente, die in der sechsten Staffel begonnen haben, nun fortsetzte. Für ihn wie für mich ergaben sich daraus Schlafschwierigkeiten - eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit für einen Maschinenmenschen.

Er litt unter albtraumhaften Visionen von Bergarbeitern, die ihn gewaltsam zerlegen wollten und begab sich daraufhin bei einem holografischen Sigmund Freud in die Psychoanalyse.

Die Auflösung der Episode, nämlich, dass außerdimensionale Parasiten die Crew befallen hatten und sich deren Anwesenheit störend auf das Traumprogramm von Data auswirkte, war das erste wirklich gute Beispiel dafür, wie komplett abgefahren die siebte Staffel funktionieren würde.

Das Wetter ist und bleibt ein hervorragendes Stichwort, denn einige Monate zuvor war auf SAT.1 - diese Reihe berichtete bereits darüber - eine Episode vorgezogen gesendet worden, weil die eigentlich geplante Tennis-Ausstrahlung aufgrund von Starkregen ausfiel. Eine Kettenreaktion in der Programmplanung hatte dazu geführt, dass immer andere Episoden an den jeweiligen Sendeplatz vorgezogen wurden, und so kam nun auch die 14. Episode der siebten Staffel, Sub Rosa (Ronin), bereits ein paar Tage zu früh. Sie war somit die letzte vorgezogene.

Auch hier imitierte die Kunst wieder das echte Leben. Die Episode präsentierte die ohnehin schon wahnwitzige Idee, dass es eine schottische Kolonie im Weltraum gab, komplett mit Gruselschloss, Hochmoor, Nebel, moosverwittertem Friedhof - und in diesem Fall sogar einem Geist.

Denn Beverly Crusher, ihres Zeichens Bordärztin der Enterprise, hatte eine Großmutter auf besagter schottischer Kolonie, und nachdem diese verstorben war, entdeckte Dr. Crusher in der Erbmasse eine Plasmakerze, und gefangen in der war ein langhaariger, André-Rieu-esker Liebhaber, der gleichzeitig ein fieser Emotionsvampir war.

Es kam, wie es kommen musste: Auch Beverly verfiel dem bildhübschen Gespenst und verbrachte schaurige Gewitternächte im alten, knarzenden Haus ihrer Oma. Doch nicht nur im Weltraum-Schottland gab es außergewöhnlich schlechtes Wetter, auch in der echten Welt. Dazu zurück in meine Aufzeichnungen ...

Dienstag, der 4. Juli 1994: Um 13.10 Uhr fuhr mich mein Vater zu Thorsten und dessen neuem PC, während es wie wahnsinnig blitzte und donnerte. Als wir bei Thorsten vorfuhren, kam der gerade von der Bushaltestelle, wo er wohl auf mich gewartet hatte. Um 16 Uhr sahen wir im Wohnzimmer die TNG-Episode "Sub Rosa". Ungefähr in der Mitte der Episode gab es einen Knall, und der Fernseher war kaputt. Also konnte Thorsten nicht den zweiten Werbeblock rausschneiden (Der Videorekorder ging noch.). Noch als ich da war, kamen Leute vom Elektrofachgeschäft und holten den anderen Fernseher zwecks Reparatur ab und ließen einen anderen da. Der Schaden ist versichert, falls es am Blitzschlag gelegen hat.

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