Eine Geschichte von Sex und Missverständnissen: Die faszinierende Welt der Star Trek-Romane

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Eine Geschichte von Sex und Missverständnissen: Die faszinierende Welt der Star Trek-Romane
Quelle: Simon & Schuster

Star Trek einmal in einem gänzlich anderen Medium: Auch in Buchform geht es bei Star Trek heiß her - und wird ab und an ganz schön schlüpfrig ...

Nicht nur erzeugte McIntyre atemlose Spannung und das Gefühl, den Film wirklich nochmals zu erleben, sie schrieb in ihre Erzählungen auch vieles, das gar nicht auf der Leinwand zu sehen gewesen war. So erhielten einige Charaktere, die in den Filmen nur randständig zu sehen waren - beispielsweise Kadett Peter Preston im zweiten Kinofilm und die Schmugglercrew rund um die Klingonin Valkris im dritten -, eigenständige Subplots und bekamen Leben eingehaucht, wie sie es im Film wenig bis gar nicht besaßen.

In McIntyres Romanen, obwohl sie "nur" Novelisations waren, wurde das Star-Trek-Universum somit um einiges größer und authentischer gemacht. Einen von McIntyres legendären Filmromanen, genauer gesagt die Umsetzung von Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart, hatte ich 1991 direkt in den nächsten Ferien mitgenommen in einen Österreichurlaub. Der herausragende Stil von McIntyres Prosa konnte mich im dritten Anlauf endlich davon überzeugen, dass es unter den Star-Trek-Romanen durchaus einige lesenswerte gab.

Bis Ende 1983 - diese Zeitspanne umfasste die ersten 13 Romane - war Star Trek keine eigenständige Reihe bei Pocket Books, sondern lief unter deren Science-Fiction-Imprint Timescape, einer Untermarke. Das Timescape-Logo war anfangs noch fett oben auf dem Cover abgedruckt, 1983 zuletzt nur noch eher klein. Die Star-Trek-Romane wurden so massiv erfolgreich, dass die Marke Timescape irgendwann verschwand - sie wurde von Star Trek usurpiert und abgeschafft.

Von diesem Erfolg in Übersee angelockt, übernahm der Heyne-Verlag ab 1982 direkt mit der Umsetzung des zweiten Kinofilms die Lizenz für Deutschland. Interessanterweise nicht unter dem deutschen und für die breite Bevölkerung bekannten Serientitel Raumschiff Enterprise, sondern unter der Originalbezeichnung Star Trek, anfangs noch in Versalien unter dem Romantitel, später dann als großer Schriftzug ganz oben auf dem Cover.

Auf frühen Romanen befand sich zudem noch ein fast schon verschämter Störer, der auf den deutschen Titel der Fernsehserie hinwies mit den Worten "Raumschiff Enterprise wieder auf großer Fahrt", doch auch dieser verschwand recht bald.

Paradoxerweise begann der Heyne-Verlag seine Star-Trek-Veröffentlichungen mit dem zweiten Kinofilm Quelle: Heyne-Verlag Paradoxerweise begann der Heyne-Verlag seine Star-Trek-Veröffentlichungen mit dem zweiten Kinofilm Hieran zeigte sich, dass die Romane kaufenden Fans in den 80er-Jahren sehr wohl um den Originaltitel der Serie wussten und dieser Ihnen wichtig war, aber auch, dass die Redaktion bei Heyne das ganz genau wusste. Ein solch kenntnisreicher Umgang mit der Marke war noch bis weit in die 90er-Jahre Mangelware in Deutschland, sogar in den Synchronstudios der Serien war diese Art der Expertise nicht vorhanden.

Anfangs erschienen bei Heyne lediglich ein bis drei Star-Trek-Titel pro Jahr, Tendenz steigend. Im Jahr 1992, also immer noch vor dem großen, von der Next Generation auf SAT.1 ausgelösten Star-Trek-Wahnsinns-Boom in Deutschland, waren es immerhin schon zehn Veröffentlichungen pro Jahr.

Die Cover-Abbildungen wurden meistens von der Originalausgabe übernommen, wenn auch befreit von den hierzulande eher kitschig angesehenen, in den USA aber vorherrschenden Prägedruck- und Metallfolienelementen, und für die stets kompetente Übersetzung zeichnete oftmals der deutsche Science-Fiction-Autor Andreas Brandhorst verantwortlich.

Anders als Pocket Books begann Heyne jedoch die Veröffentlichung nicht mit dem Roman des ersten Kinofilms - dessen Roddenberry-Prosa wurde wahrscheinlich als zu speziell angesehen. Der erste Filmroman erschien erst mit großer Verspätung im Jahr 1992 - da war Heynes Reihe bereits zehn Jahre alt - in einer Übersetzung des deutschen NASA-Mitarbeiters Jesco von Puttkamer, der bei der Produktion des Films als wissenschaftlicher Berater fungiert hatte.

Von Puttkamers Text wurde durch Andreas Brandhorst überarbeitet und an die Science-Fiction-Spezialbegriff-Wortwahl der restlichen Reihe angepasst. Das allererste Star-Trek-Buch von Heyne war paradoxerweise das zum zweiten Kinofilm.

Im Herbst 1985 kam es bei den US-Veröffentlichungen von Pocket Books zu einer empörenden Unregelmäßigkeit, die zurückging auf die Fanfiction-Ursprünge der Romanreihe. Ein Seitenarm der Fanfiction, der im Jahr 1978 sogar eine Art Gesinnungskrieg im Fandom ausgelöst hatte, war die sogenannte Slash-Fiction.

Diese Art von Erzählungen beinhaltete explizite Sexszenen, die meisten von ihnen homoerotischer Natur, und dichtete Captain Kirk und seinem ersten Offizier Spock eine heiße Affäre an. Die Autorinnen solcher pornöser Star-Trek-Geschichten glaubten, in den 79 Serienepisoden zahllose intime Blicke zwischen den beiden gesehen zu haben, und deuteten diese so, dass da deutlich mehr im Spiel war als bloß Freundschaft.

Besonders bekannte Vertreterinnen dieser Literaturgattung waren die bereits erwähnten Sondra Marshak and Myrna Culbreath, doch bei ihrer Arbeit für Bantam und Pocket Books hielten sich die beiden vornehm zurück. Es galt immerhin, die mit den Händen hart erarbeitete Legitimierung der Fanfiction nicht wieder mit dem Hintern (oder vulkanischen Extremitäten) einzureißen.

Versehentlich veröffentlichte Slash-Fanfiction - und mittlerweile begehrtes Sammlerobjekt Quelle: Simon & Schuster Versehentlich veröffentlichte Slash-Fanfiction - und mittlerweile begehrtes Sammlerobjekt Weniger zurückhaltend war Autorin Della van Hise, deren Roman Killing Time (Zeit zu töten) unzählige kaum versteckte Anspielungen auf eine körperliche Beziehung zwischen Kirk und Spock enthielt. Als dieser Roman im Herbst 1985 in US-Buchhandlungen auftauchte, wurde Gene Roddenberry schnell dessen gewahr, was zu einer äußerst wütenden Kontaktaufnahme mit dem Verlag führte.

Simon & Schuster ließ die gesamte restliche Erstauflage zurückrufen und einstampfen; einige Monate später erschien dann eine zweite Fassung, die an über fünfzig Stellen textlich entschärft wurde. Um den Grund dafür, dass Pocket Books ein solcher Fauxpas unterlaufen konnte, ranken sich bis heute zahlreiche Mythen.

Einer davon handelt von einer redaktionell mitarbeitenden Person in New York, die ihre Kündigung ausgesprochen bekam - und ihre letzte von Rache getriebene Amtshandlung wurde daraufhin, eben nicht die final korrigierte Fassung von Killing Time an die Druckerei weiterzuleiten, sondern einen der pikanten Vorentwürfe.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk