Die Star Trek-Romane: Abstieg, Tod und Wiedergeburt eines Universums
Special
Große Momente und katastrophale Fehlentscheidungen: Die Geschichte der Star-Trek-Romane ist voller höchster Höhen und tiefster Tiefen.
Als meine Eltern und ich kurz nach Erscheinen der Invasion-Romane unseren Sommerurlaub in den USA verbrachten, führte nach der Landung des Fliegers mein erster Weg in den nächstgelegenen Buchladen, um die vier Schmöker mit nach Europa reisen zu lassen.
Überhaupt bin ich meinen Eltern wahnsinnig dankbar dafür, dass sie ab 1994 einige Male mit mir in die Staaten reisten - nicht nur, weil das tolle Urlaube waren, sondern auch, weil ich dort den Grundstein für meine Sammlung an Star-Trek-Romanen im englischen Original legte. Der Erste, den ich seinerzeit las, war ein weiterer empfehlenswerter Klassiker von Peter David:"Imzadi, die Liebesgeschichte von William Riker und Deanna Troi, zugleich auch ein aufregendes Zeitreise-Abenteuer.
Und die Cross-over-Geschichten? Es folgten in den nächsten Jahren noch die eher lose zusammenhängenden Captain's-Table-Romane, in denen in einer Kneipe außerhalb der Zeit die Captains der Sternenflotte Geschichten erzählen müssen, um ihre Barrechnungen zu begleichen, und der Day of Honor, ein hoher klingonischer Feiertag, der serienübergreifend begangen wurde.
In beiden Fällen also nur ein übergeordnetes Konzept, das von den Romanreihen individuell interpretiert wurde. Inhaltlich enger verknüpft war dann wieder die Gateways-Reihe, worin überall in der Galaxis Chaos entstand durch sich öffnende Portale, mit denen man in Sekundenbruchteilen irrwitzige Distanzen überbrücken konnte.
Quelle: Simon & Schuster
Invasion, der Cross-over-Roman-Event von 1996
Ein bisschen leid tat mir mein neu gefundenes Interesse an US-Büchern für Frau Rösner von Eckhardt, dem Haus der Bücher, denn als ich zwischen den Urlauben einzelne amerikanische Pocket-Books-Romane von ihr bestellen ließ, dauerte die Lieferung nicht bloß zahllose Wochen - nein, der Großhändler hatte auch ordentlich auf den Preis aufgeschlagen, sodass ein Buch mit einem Coverpreis von $6 auf einmal für knapp 30 Mark an mich verkauft werden sollte.
Deswegen kehrte ich langsam, aber sicher meiner liebsten Buchhandlung den Rücken. Als meine Eltern im Jahr 1999 endlich bei uns zu Hause einen Internetzugang installieren ließen, gab ich am 31. Mai meine erste Star-Trek-Buchbestellung bei dem wohl größten aller Online-Händler auf. Pro Schmöker musste ich dort gerade einmal 11,95 DM bezahlen, außerdem wurden die Bücher blitzschnell am nächsten Werktag vom Paketboten ausgeliefert. Da konnte der traditionelle Buchhandel meiner Heimatstadt bedauerlicherweise nicht mehr mithalten.
Noch bis Januar 2002 wurden in allen regulären Taschenbuch-Romanserien bei Pocket Books die Bände durchnummeriert - eine Praxis, die Heyne in Deutschland niemals übernommen hatte. Die Originalserie erreichte dabei mit 97 Bänden die höchste Zahl - ganz kurz vor der runden 100, wie schade -, dann wurde das Zählen abgeschafft.
Die Prequel-Serie Enterprise war die erste, deren Romane ohne Nummern auf den Buchrücken auskamen. Grund war wahrscheinlich, weil Pocket Books keine komplettistischen Käufer vor den Kopf stoßen wollte dadurch, dass die Zahl zusammenhängender Bücher ihnen so hoch erscheinen musste. Ohne die Nummern wurde das Sammel-Gen, das zur Resignation und zum Einstellen sämtlicher Käufe führen könnte, weniger erregt, so die Marketing-Theorie.
Bald darauf begann im Jahr 2003 für die Star-Trek-Serien des 24. Jahrhunderts die sogenannte Ära der Relaunch-Romane, mittlerweile unter der Chefredaktion von Margaret Clark und Marco Palmieri. Im Fernsehen hatte Deep Space Nine das komplexe Erzählen in großen und staffelübergreifenden Handlungsbögen vorgemacht, nun setzten die Bücher exakt dort wieder ein, wo die Serie rund um die Raumstation aufgehört hatte.
Quelle: Simon & Schuster
Mit Avatar begann die Ära der Relaunch-Romane.
Zum zehnten Jubiläum des Deep-Space-Nine-Pilotfilms begann mit dem Buch-Zweiteiler Avatar aus der Feder von Stephani Danielle Perry etwas, das inoffiziell als die achte Staffel der Serie bezeichnet wurde. Völlig vergessen waren die Tage des Richard Arnold, wo am Ende alle Figürchen wieder fein säuberlich in den Setzkasten zurückgestellt werden mussten.
Weil die Serie im Fernsehen abgelaufen war und mit ihren liegengelassenen Storylines voraussichtlich nie wieder etwas angestellt würde, durften auf einmal die Geschichten der Charaktere und ihrer interplanetaren Geschicke nach einigermaßen freiem Gusto der Pocket-Books-Autorinnen und -Autoren fortgeführt werden.
Schnell stießen ebenfalls - in dieser Reihenfolge - Voyager, die Next Generation und Enterprise zum großen Relaunch hinzu; auch Commander Riker wurde zum Captain der Titan befördert und bekam seine eigene Buchserie.
Diese Romane setzten nicht bloß ihre jeweiligen Serien fort, sondern tauschten untereinander auch Charaktere und Storylines aus und begegneten sich alle paar Jahre zum großen, allumfassenden Cross-over - so auch im Jahr 2008 beim Destiny-Dreiteiler, welcher ein für alle Mal die Geschichte um die kybernetischen Borg zum Ende brachte, generationenübergreifend.
Auch ironisch: Ausgerechnet jetzt, wo sich aufgrund des engen inhaltlichen Zusammenhalts eine Nummerierung angeboten hätte, war diese abgeschafft worden.
Doch an dieser Stelle muss ich ein Geständnis ablegen. Anfangs nahm ich mir fest vor und versuchte tatsächlich, diesem epischen Relaunch zu folgen, doch mein Arbeits- und Privatleben sowie andere Hobbys und ein Monat für Monat besorgniserregend anwachsender Bücherstapel ließen mich die Notbremse ziehen.
