Die Star Trek-Romane: Abstieg, Tod und Wiedergeburt eines Universums

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Die Star Trek-Romane: Abstieg, Tod und Wiedergeburt eines Universums
Quelle: Simon & Schuster

Große Momente und katastrophale Fehlentscheidungen: Die Geschichte der Star-Trek-Romane ist voller höchster Höhen und tiefster Tiefen.

Dennoch habe ich einige Next-Generation-Retro-Buchempfehlungen, die ich nur zu gerne weitergebe. Metamorphosis (Metamorphose) von Jean Lorrah erzählte vom Androiden Data, für den sein größter Wunschtraum in Erfüllung ging, denn er wurde für ein Buch lang zu einem echten Menschen. The Eyes of the Beholders (Die Augen der Betrachter) von Ann C. Crispin ist für mich ein Geheimtipp und erzählte etwas, was in Buchform aus Budgetgründen eigentlich nicht notwendig war, nämlich eine kostensparende Bottleshow nur auf der Enterprise, ganz ohne neue Kulissen.

Die Enterprise-D begegnete einem riesenhaften, kristallinen Objekt im All, welches die Crew in den Wahnsinn zu treiben drohte und für eine äußerst klaustrophobisch beklemmende Erzählung sorgte. Außerdem empfehle ich sämtliche Romane von Peter David bis zu einem gewissen Punkt, ab dem David sich allzu sehr seiner Comiclust hingab (er schrieb auch für DC Comics), woraufhin seine Geschichten einfach nur noch übertrieben daherkamen.

Doch Davids frühe Werke sind allesamt wunderbar dreckige Geschichten, die über Tische und Bänke gehen. Den Höhepunkt - danach wurde es für mich anstrengend - stellte Q-Squared (Q²) dar, ein Roman, die Konzepte aus Originalserie und Next Generation sowie diverse alternative Zeitlinien katastrophal zusammenprallen ließ, darunter auch das finstere Kriegsuniversum aus Yesterday's Enterprise (Die alte Enterprise), einer der klassischsten Next-Generation-Episoden.

Ein weiteres Treffen der Generationen, ebenfalls aus der Feder der Eheleute Reeves-Stevens, war Federation (Die Föderation), eine Begegnung zwischen den Crews von Kirk und Picard, die im selben Jahr erschien wie der Kinofilm Star Trek: Generations (Star Trek: Treffen der Generationen).

Jedoch war das Buch in jeglicher Hinsicht für mich um Längen besser - auch, wenn es wiederum einen Plot erzählte, welchem abermals zwei Jahre später von Star Trek: First Contact komplett widersprochen wurde, nämlich die Lebensgeschichte des Warp-Antrieb-Erfinders Zefram Cochrane,

Ein wilder Ritt durchs Multiversum mit Peter David Quelle: Simon & Schuster Ein wilder Ritt durchs Multiversum mit Peter David Es folgten die ersten nummerierten Deep-Space-Nine-Romane, die größtenteils vergessenswert waren, der Arnold-Faktor eben. Erstaunlich war jedoch, dass, wie in einem meiner letzten Artikel erwähnt, die Romanumsetzung des Deep-Space-Nine-Pilotfilms Emissary bereits vor dessen deutscher Erstausstrahlung unter dem Titel Abgesandte vom Heyne-Verlag in den Buchhandel gebracht wurde.

Eine einsame Empfehlung unter den frühen DS9-Romanen ist für mich Fallen Heroes (Gefallene Helden) von Dafydd ab Hugh, worin in einer Zeitschleifen-Erzählung den Hauptcharakteren von Deep Space Nine gar Schreckliches passiert, sodass meine das Buch lesende Trek-Clique und ich in den 90ern Vermutungen anstellten, bei Dafydd ab Hugh könnte es sich um ein Pseudonym von Peter David handeln, was jedoch nicht der Fall war.

Auch die nummerierten Voyager-Romane, die wenige Jahre darauf erschienen, konzentrierten sich eher auf das Richard-Arnoldsche "Alienvolk des Monats" und boten keinen einzigen Klassiker. Und dennoch waren Mitte der 90er die Star-Trek-Romane in den USA auf dem absoluten Höhepunkt ihres Erfolgs, der sogar mehrere Jahre andauern sollte.

Wo Pocket Books anfangs vier bis sechs Romane pro Jahr veröffentlicht hatte, kamen nun jeden Monat mindestens einer, in vielen Monaten sogar zwei Romane, sodass zwischen 16 und 18 Titel pro Jahr erschienen.

Von März bis August 1996 dann gelang dem Horror-Autor Stephen King mit seinem sechsteiligen Fortsetzungsroman The Green Mile der Bestseller des Jahres - ein leckerer Kuchen von Verkaufsmodell, von dem Star Trek und Pocket Books unbedingt auch ein Stück abhaben wollten. Also setzte man Geheimwaffe Peter David daran, die wohl Comic-hafteste Crew überhaupt zusammenzustellen - die Mannschaft der USS Excalibur rund um Mackenzie Calhoun.

Das Rezept ging auf und die vier ersten Bändchen mit ihrer äußerst wilden Geschichte verkauften sich hervorragend - und das mit einer Star-Trek-Erzählung und -Crew, die überhaupt kein Film- oder Serienvorbild vorweisen konnten. Es schien damals, als hätte sich der Verlag alles erlauben können - dies fand aber nach dem Ende der Ära Richard Arnold und unter dem neuen Chefredakteur John Ordover statt, weswegen zunehmend wieder Experimente möglich waren.

New Frontier, die erste Star-Trek-Romanreihe ohne Fernsehserie Quelle: Simon & Schuster New Frontier, die erste Star-Trek-Romanreihe ohne Fernsehserie Ein solches Experiment war eine Buch-Tetralogie, wie sie im Fernsehen zuvor undenkbar gewesen war - ein großes Cross-over aller vier bis dato existierenden Serien. Die Invasion-Reihe vom Sommer 1996 führte eine finstere Alien-Bedrohung zu Zeiten der Originalserie ein - ein gutes Jahrhundert später mussten sich die Captains Picard auf der Enterprise und Janeway auf der Voyager final mit den Eindringlingen auseinandersetzen -, während die Besatzung von Deep Space Nine in ein Prequel geriet, wo sie per paradoxer Zeitreise die Bedrohung überhaupt erst auslöste.

Diese Art von Mehrbuch-Event, wie sie bei Comics schon lange gang und gäbe war, klang als Idee spannend und aufregend, die Umsetzung reichte jedoch nicht an zuvor erschienene Standalone-Klassiker heran. Dennoch war es das reine Konzept, das mich als gerade 18-jährigen Fan vollkommen ansprach. "Warum schaffen das Voyager und Deep Space Nine im Fernsehen nicht? Aber egal, immerhin als Buch kann ich es lesen", waren meine Gedanken.

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