Die Star Trek-Romane: Abstieg, Tod und Wiedergeburt eines Universums
Special
Große Momente und katastrophale Fehlentscheidungen: Die Geschichte der Star-Trek-Romane ist voller höchster Höhen und tiefster Tiefen.
Ich glaube, in Summe habe ich etwa acht dieser Relaunch-Romane gelesen, von denen es am Ende sicherlich über hundert waren, die von beflissenen Fans in gleichzeitig praktischen wie unübersichtlichen Chronologie-Organigrammen zur Lesereihenfolge angeordnet wurden.
Das alles war mir einfach viel zu viel, ein niemals zu bezwingender Mount Everest aus Papier. Bis heute bestaune ich die Relaunch-Romane aus der Ferne und verspüre dabei großen Respekt. Zu viel Respekt, um mich ihnen jemals anzunähern.
Besonders Aufmerksamen wird nicht entgangen sein, dass ich im Zusammenhang mit diesem Relaunch die Originalserie überhaupt nicht erwähne. Der Grund ist, dass diese für ein Weitererzählen überhaupt keine Anhaltspunkte bot, denn die Kinofilme der klassischen Crew hatten die Geschichte von Alterung, Rente und in Jim Kirks Fall sogar Tod einigermaßen lückenlos erzählt.
Zwischen den Filmen konnte man zwar einzelne Erzählungen ansiedeln und Pocket Books tat das auch fleißig, aber Raum am Ende für ein episches Weitererzählen der Schicksale aller Charaktere existierte schlichtweg nicht. Folglich erschienen zur Originalserie weiterhin ausschließlich Standalone-Romane ohne größeren Zusammenhang.
Quelle: Simon & Schuster
Zum 40. Jubiläum erschien die anrührende Crucible-Buchtrilogie.
Und genau diese sind es auch, zu denen ich bis heute mitunter greife, wenn es mich dürstet nach einem Star-Trek-Roman und ich keinen der Klassiker aus den 80ern und frühen 90ern zur Hand nehmen möchte. Bei den aktuellen Büchern zur Originalserie kann ich mir sicher sein, dass ich zwei bis vier wunderbar unterhaltsame Abende mit einem Schmöker verbringe und im Anschluss daran die Welt - ohne eine oder gar Dutzende mir dräuende Fortsetzungen - wieder verlassen kann.
2006 dann erschien zum 40. Jubiläum von Star Trek ein für mich literarischer Meilenstein, die dreiteilige Crucible-Serie (Feuertaufe) von David R. George III., jeweils ein Roman für McCoy, Spock und Kirk. Darin wurde erzählt, wie sich die wohl klassischste und emotionalste aller Originalserien-Episoden - The City on the Edge of Forever (Griff in die Geschichte), oftmals bezeichnet als das Citizen Kane von Star Trek - auf das weitere Leben des jeweiligen Charakters auswirkte.
Gerade der erste Band um Dr. McCoy ist nicht nur bis heute der umfangreichste Star-Trek-Roman, mit deutlich mehr als 600 winzig klein bedruckten Seiten, sondern auch einfühlsam und großangelegt, fast schon wie Dostojewskis Krieg und Frieden.
Ein paar Worte zur unwiderstehlichen Ausgangssituation der Erzählung: In besagter klassischer Episode wurde McCoy zurückgeworfen in das New York der 1930er-Jahre und veränderte daraufhin die Weltgeschichte so, dass es niemals zur Existenz der Föderation oder Sternenflotte kam. Um die Geschichte zu reparieren, reisten ihm seine besten Freunde Kirk und Spock hinterher und reparierten die originale Zeitlinie.
Dem Autor war hier etwas Geniales aufgefallen, was nie jemand zuvor bemerkt hatte, denn bevor der Captain und der Vulkanier die Zeit wieder zurückkorrigierten, muss es ja eine Parallelwelt gegeben haben, in welcher McCoy den Rest seines Lebens im 20. Jahrhundert zugebracht hatte.
Warum also nicht diese alternative Lebensgeschichte erzählen und über einen Science-Fiction-Kniff mit dem Altwerden des "Real McCoy" verknüpfen? Ein absoluter Lesetipp von mir, eigentlich sogar der heißeste in diesem Artikel, wenn man es episch und gefühlsbetont, mit ein bisschen weniger Action als sonst, mag.
Fleißig wurde bei Pocket Books weiter veröffentlicht, quer durch alle Serien, bis im Jahr 2009 zwar der erste Star-Trek-Film von J.J. Abrams mit großem Erfolg ins Kino kam, aber auch die Weltfinanzkrise mit all ihren Auswirkungen voll aufs US-Verlagswesen durchschlug. Es kam bei Simon & Schuster zu Massenentlassungen, denen auch ein Großteil der äußerst engagierten Star-Trek-Redakteurinnen und -Redakteure zum Opfer fiel.
Quelle: Simon & Schuster
Eine Podcasterin als Hauptcharakter in einem Star-Trek-Roman?
In der Zwischenzeit hatte Heyne in Deutschland die Star-Trek-Lizenz aufgegeben und es übernahm der Boutiquen-Verlag Crosscult, doch der veröffentlichte nicht mehr wie Heyne sämtliche US-Romane lückenlos, die herausgepickten Rosinen dafür aber in hoher Druckqualität und mit von vielen Fans geschätzten, eigenen Coverdesigns.
Auch nach den großen Entlassungen gab es bei Simon & Schuster weiterhin Star-Trek-Romane, allerdings wurde ihre Erscheinungsweise deutlich unregelmäßiger. Um das Jahr 2018 herum ereigneten sich zähe Lizenz-Neuverhandlungen zwischen dem Verlag und Paramount.
Über viele Monate konnte man sich nicht auf einen Preis für die begehrte Lizenz einigen - den gesalzenen Forderungen von Paramount standen langsam, aber stetig sinkende Buchverkaufszahlen gegenüber, und beide Parteien fühlten sich von der jeweils anderen ungerecht behandelt - weswegen es zu einer langen Unterbrechung der Romanveröffentlichungen kam.
Als endlich eine Einigung getroffen wurde - die genaue Summe wurde niemals bekanntgegeben -, wurden Star-Trek-Romane seltener und teurer - von $7.95 stieg der Preis auf das Doppelte mit $16.00 -, aber auch vom Format größer. Sogenannte Trade Paperbacks, wobei es sich um Taschenbücher handelte, die aber die Maße eines Hardcovers hatten.
