Die Star Trek-Romane: Abstieg, Tod und Wiedergeburt eines Universums
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Große Momente und katastrophale Fehlentscheidungen: Die Geschichte der Star-Trek-Romane ist voller höchster Höhen und tiefster Tiefen.
In Teil 1 dieses Artikels könnt ihr lesen, wie die Welt der Star-Trek-Romane ab 1967 entstanden war - und wie ich sie 24 Jahre später selbst nach und nach entdeckte, mit einigen Missverständ- und Hindernissen, die mir auf meiner Reise durch die Buchwelten begegneten. Erste Aufklärung schaffte Ralph Sanders deutsches Standard-Sekundärwerk Das Star-Trek-Universum, in dem neben zahllosen Infos zu allen Serien und Filmen nicht nur sämtliche bis dato erschienenen Star-Trek-Romane aufgelistet, sondern auch rezensiert wurden.
Als ich mir endlich ein Herz fasste und nach einem der von Ralph Sander als besonders hervorragend bezeichneten Romane fragte, die nicht bei Eckhardt, dem Buchhändler meines jugendlichen Vertrauens, im Regal standen, stieß mir Verkäuferin Frau Rösner schon wieder ein Tor in eine unfassbare, neue Welt auf. Ihr magischer Satz lautete: "Ich kann das Buch beim Großhandel bestellen, dann ist es morgen da."
Wow. Das war das erste Mal, dass ich verstand, dass man beim Einkauf von Dingen nicht darauf angewiesen war, was der lokale Einzelhandel gewillt war, auf Lager vorzuhalten. Mit diesem einen Satz von Frau Rösner lag mir das gesamte Universum der Star-Trek-Romane zu Füßen. In den nächsten Monaten wurden von mir Buch-Highlights im Taschengeld-Takt bestellt und abgeholt.
Quelle: Simon & Schuster
Prime Directive - ein Roman wie ein wirklich guter Kinofilm
Wann immer ein druckfrisches Heyne-Verlagsprogramm auslag, griff ich ganz aufgeregt und mit klebrigen Fingerchen danach, denn darin stand auch, welche Star-Trek-Romane in den kommenden Monaten erscheinen würden. Weil Ralph Sander in seinem Standardwerk auch die bereits vor Jahren erschienenen originalsprachlichen Romane rezensiert hatte, die nun erst in Deutschland herauskamen, konnte ich direkt meinen Einkaufsplan für das nächste halbe Jahr gestalten.
Als im 1994er-Verlagsprogramm dann die Rede war von einer neuen Ausgabe des Star-Trek-Universums, diesmal sogar in zwei Bänden, waren das fantastische Neuigkeiten für meine Star-Trek-Clique und mich, doch sehr zum Leidwesen von Buchverkäuferin Frau Rösner verspätete sich diese Neuauflage um mehrere Monate.
Ich ließ es mir nicht nehmen, jeden einzelnen Tag nach der Schule bei Eckhardt vorbeizugehen und zu fragen "ist es schon da?" - nur um annähernd hundertmal ein freundliches "Nein" als Antwort zu bekommen. Als ich das über 1300 Seiten starke Machwerk dann am 23. September 1994 endlich in Händen hielt, konnte ich mein Glück kaum fassen.
Nur, warum traf ich bei all dieser Nerverei und Stöberei im Taschenbuchkeller niemals meinen guten Star-Trek-Freund Gerrit bei Eckhardt, dem Haus der Bücher? Anders als ich wohnte Gerrit sogar in unmittelbarer Innenstadtnähe und war deswegen praktisch jeden zweiten Tag dort.
Frau Rösner muss gewusst haben, dass es da noch einen zweiten Star-Trek-Buchverrückten gab, aber sie führte uns beiden Fans nie zusammen, verriet uns nicht einmal voneinander. Obwohl wir in der Taschenbuchabteilung bereits seit 1991 ein und aus gingen, sprach mich Gerrit erst acht Jahre später im gemeinsamen Studium auf unser galaktisches Hobby an, als er rein zufällig mithörte, wie ich über einen anstehenden Convention-Besuch sprach.
Wahrscheinlich hatte sich Frau Rösner Jahre zuvor gedacht, dass ein Bekanntmachen der beiden Fans für die Taschenbuchverkäufe geschäftsschädigend sein könnte, genau wie Sanders Rezensionen womöglich geschäftsschädigend oder mindestens
-verzerrend für das Verlagsprogramm von Heyne waren.
Dennoch ist es schade, dass Frau Rösner nicht nachfragte, denn sowohl Gerrit als auch ich waren dermaßen begeisterte Sammler, dass wir unsere Bücher eben nicht nur einmal gekauft und dann einander ausgeliehen hätten, sondern stattdessen ganz gewiss jeder seine eigenen Ausgaben im Regal hätten stehen haben wollen.
Quelle: Heyne-Verlag
Die berüchtigte Tütensuppen-Werbung der Heyne-Romane
Zeit für ein paar Retro-Buchempfehlungen zur Originalserie. Da sind zum einen die bereits lang und breit erwähnten, ersten vier Filmumsetzungen von Gene Roddenberry bzw. Vonda N. McIntyre. Dann Barbara Hamblys Ishmael, ein wunderbar spannender Spock-Zeitreise-Roman, der den Vulkanier in den Wilden Westen transportierte und einen Cross-over zwischen Star Trek und der hierzulande nie erschienenen TV-Serie Here Come the Brides darstellte, in welcher Spocks Serienvater Mark Lenard (aka Sarek) den Antagonisten spielte, der in diesem Roman ulkigerweise zu einem anderen Urahnen Spocks wurde.
Auch der One-Two-Punch Demons (Dämonen) und Bloodthirst (Blutdurst) von J.M. Dillard eignet sich wunderbar zum Schmökern rund um Halloween, denn mit viel Spannung und ohne Rücksicht auf Verluste erzählte Dillard hier zum einen von Körperübernahme durch fiese fremde Wesen, zum anderen von einem Weltraum-Vampirvirus.
Margaret Wander Bonannos Strangers from the Sky (Fremde vom Himmel) war eine der Giant Novels, welche auf sehr einfühlsame, gleichzeitig aber auch Jahrhunderte umspannende Art und Weise den Erstkontakt zwischen der Erde und den Vulkaniern thematisierte. Übrigens ein Narrativ, das vom späteren Kinofilm Star Trek: First Contact (Star Trek: Der erste Kontakt) überschrieben wurde.
Daran zeigte sich, dass die Star-Trek-Romane niemals sogenannter Kanon waren, sondern als eine eigenständige Parallelwelt existierten, was jedoch über Jahrzehnte hinweg nie ein Problem darzustellen schien. Zu guter Letzt dann noch Prime Directive (Die erste Direktive) de Eheleute Reeves-Stevens; ein Roman, welcher das Nichteinmischungsprinzip der Föderation erstmalig wirklich und dann auch noch auf sehr dramatische Art und Weise ergründete.
Kirk verlor aufgrund einer katastrophalen Fehleinschätzung seine Anstellung bei der Sternenflotte, musste sich fortan als Gelegenheitsarbeiter durchschlagen und die beliebte Crew wurde in alle vier Winde verstreut. Auf dem Weg zum Happy End musste natürlich - frei nach den Blues Brothers - "die Band wieder zusammengebracht werden". Bis heute sind viele Leserinnen und Leser der Ansicht, dass Prime Directive einen hervorragenden Kinofilm abgegeben hätte.
Quelle: Heyne-Verlag
Auf dieses Cover des Romans zum Next-Generation-Pilotfilm hatte sich die alte Enterprise verirrt.
Ein absolutes Kuriosum der Heyne-Star-Trek-Romane darf hier nicht unerwähnt bleiben - die Reklame! Bei den Anfang der 90er-Jahre erschienenen Büchern war es gang und gäbe, dass man mitten im Text auf einmal über zwei Seiten stolperte, die beide mit dem Wort "Zwischendurch" begannen, in denen aber die meisten Zeilen geschwärzt waren, wie auf einem aus Datenschutzgründen unkenntlich gemachten Dokument.
Die wenigen lesbaren Abschnitte verliefen dann in etwa so: "Bei dermaßen viel intergalaktischer Aufregung musste auch ein Captain Kirk Hunger bekommen, doch was tun? Schließlich hatte er nicht viel Zeit, weil ihm die Klingonen im Nacken saßen! Doch zum Glück gab es eine rasche Lösung für seinen knurrenden Magen. Nur schnell aufgießen, kurz warten und genießen - die Fünf-Minuten-Terrine von Maggi. Guten Appetit!"
Diese ungewöhnliche Werbung schlug sogar internationale Wellen und diverse Star-Trek-Autorinnen und -Autoren, die heute noch unter uns weilen und ein Blog betreiben, haben in selbigen auch einen Eintrag, der sich darüber lustig macht und staunt, dass ihre Bücher in Deutschland damals mitten in der Handlung für Tütensuppen-Werbung unterbrochen wurden.
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Die meisten nahmen das kopfschüttelnd mit Humor, nicht jedoch Scheibenwelt-Autor Terry Pratchett, der den Heyne-Verlag nach Bekanntwerden umgehend anwies, das doch künftig zu unterlassen. Als der Verlag das nicht zusagen wollte, zog Pratchett die ultimative Konsequenz, kündigte seine Zusammenarbeit mit Heyne auf und wechselte mit seinen Büchern zur Konkurrenz Goldmann.
