Ungerader Film, klassische Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock
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Autor und Star-Trek-Universalexperte Sebastian Göttling seziert im dritten Teil seiner Artikelreihe den Klassiker Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock.
Dieses Alles-aufs-Spiel-Setzen für einen alten Freund hatte es in dieser Form schon im einzigen Zweiteiler der klassischen Serie gegeben, "The Menagerie", zu Deutsch "Talos IV - Tabu". Dort entführt wiederum Spock die Enterprise, um ihrem und seinem ersten Captain Christopher Pike, durch einen Strahlenunfall nur noch ein Schatten seiner selbst, auf einem verbotenen Planeten doch noch einen angenehmen Lebensabend zu ermöglichen. Das war eine Aktion des sonst so regeltreuen Spocks, an der sich seine Freunde im dritten Film ein deutliches Beispiel nehmen. Die Endszenen auf Vulcan hingegen erinnern bewusst stark an die Episode "Amok Time", zu Deutsch zunächst "Weltraumfieber", in einer später korrigierten Synchronisation dann "Pon Farr". Vulcan, dessen Art Design und Rituale finden sich 1:1 wieder in dieser klassischen Folge, die Ende der 60er die zweite Staffel eröffnete. Ebenso bediente sich die Urserie häufig religiöser Motive wie der Vertreibung aus dem Paradies - und auch "Auf der Suche nach Mr. Spock" ist der wohl katholischste Film der Reihe, mit Spocks österlicher Wiederauferstehung und dem konservativen Bußgedanken, der hinter Davids Tod steht.
Und, so viel steht heute fest: Im Jahr 1984, als der Film erschien, war die klassische Serie dank ihrer täglichen Wiederholungen im US-Fernsehen beliebter denn je, sodass diese urtümlichen Zutaten des dritten Films von den damaligen Fans größtenteils goutiert wurden.
Dabei war die zeitgenössische Kritik in der Tat hauptsächlich wohlwollend, wenn auch lange nicht so überschwänglich wie die Rezensionen, die der zweite Film einfahren konnte. In der Historie gilt "The Search for Spock" aufgrund seiner kleinen und großen Fehler als einer der sogenannten "ungeraden" Star-Trek-Filme.
Quelle: Paramount Pictures
Erst neulich wieder bei „Picard“ gesehen: Das Raumdock
Der amtierende US-Präsident Ronald Reagan hielt damals in seinem Tagebuch fest: "Nach dem Abendessen sahen wir Star Trek 3 (jetzt kaufen 10,90 € ). Er war nicht sonderlich gut." An den Kinokassen sprach zudem vieles gegen den dritten Film, denn er kam nur eine Woche nach "Indiana Jones und der Tempel des Todes" heraus (eine sonderbare Entscheidung, weil Paramount dadurch gleich zwei seiner großen Franchises in einen unmittelbaren und eigentlich unnötigen Konkurrenzkampf schickte - womöglich verursacht durch die Terminverschiebung von Weihnachten in den Frühsommer), während nur eine Woche nach dem Kinostart der Doppelwhopper "Gremlins" und "Ghostbusters" in den US-Kinos das Genre der Gruselkomödie wiederbelebte und Platzhirsch in den Filmcharts wurde.
So ist es ein Wunder, dass "Auf der Suche nach Mr. Spock" überhaupt Platz 9 der US-Jahresrangliste erreichte und somit ein doch beträchtliches Stück vom Kuchen abbekam. Einem mit 16 Millionen Dollar eher schmalen Budget standen Einnahmen in Höhe von 87 Millionen gegenüber, das war beinahe eine so gute Gewinnmarge wie die des zweiten Films.
Damit war ein vierter Film so sicher wie das Beamen im Transporterraum. Die TV-Erstausstrahlung in Amerika fiel auf einen deutlich besseren Tag als der Kinostart, denn man machte daraus einen veritablen Star-Trek-Mega-Event. Im September 1987 wurde am selben Tag nicht nur der dritte Kinofilm im Fernsehen uraufgeführt, sondern auch gleich der Pilotfilm der Spin-off-Serie "Star Trek: The Next Generation".
Heute wiederum sind die Dinge, die der Film zeigt, tief ins Vernakular Star Treks eingedrungen. Erst vor wenigen Wochen gab es in der ersten Folge der dritten Staffel "Picard" ein riesiges Weltraumdock, aus dem eines der Heldenschiffe herausfliegt, begleitet von einer Musik, die doch sehr stark an James Horners Kompositionen erinnert.
Diese dritte Staffel läuft außerdem darauf hinaus, so lassen die ersten Episoden vermuten lassen, dass einzelne Mitglieder der alten und lieb gewonnenen Familie in einer bestenfalls halblegalen Aktion gerettet werden müssen. "Alle für einen" eben und "Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock" sind somit aktueller denn je.
Und für Sonja und mich damals gerade wegen der starken Anleihen an die Urserie, die wir dank der täglichen Premiere-Sommerausstrahlung ganz frisch kennen und lieben gelernt hatten, etwas, das absolut unseren Geschmack des Jahres 1991 traf.
Aus diesem Betrachtungswinkel, und auch, weil ich atmosphärische und klaustrophobische Studiokulissen, die irgendwie falsch aussehen, nostalgisch und ästhetisch sehr zu schätzen weiß, wird "The Search for Spock" für mich nie als einer der "ungerade" schlechten Filme gelten, sondern immer einen warmen Platz in meinem Herzen einnehmen.
Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Ko-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.
