Ungerader Film mit klassischen Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Ungerader Film mit klassischen Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock
Quelle: Paramount Pictures

Autor und Star-Trek-Universalexperte Sebastian Göttling seziert im dritten Teil seiner Artikelreihe den Klassiker Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock.

Der Abspann läuft, "Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock" ist vorbei. Ich schalte den Videorekorder und den Fernseher im elterlichen Wohnzimmer aus und beende das Kino-Feeling, indem ich die Jalousien wieder hochziehe. Ich habe den Film soeben zum zweiten oder dritten Mal gesehen, meine Schulfreundin Sonja hingegen zum allerersten Mal. Sonja ist diejenige, die mich im März 1991 zu einem jungen Star-Trek-Fan machte, indem sie mich bei einem ihrer Samstagsbesuche dazu nötigte, "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert" einzuschalten.

Bei dieser, meiner ersten Folge war ich widerwillig, Sonja aber seit jeher ziemlich überzeugungskräftig. The rest is history: Ich sah es an, wurde Fan und dafür stand ich natürlich auf ewig in Sonjas Schuld. Weil ihre Eltern allergisch auf übermäßigen Fernsehkonsum ihrer Kinder reagierten und deswegen Videorekorder und Privatfernsehen bei ihr zu Hause tabu waren, konnte Sonja zwar die Next Generation auf dem ZDF sehen, nicht aber die Ausstrahlung der Star-Trek-Kinofilme auf SAT.1. So ergab sich die beste Möglichkeit, ein wenig von meiner Schuld zurückzuzahlen. Folglich trafen wir uns an drei aufeinanderfolgenden - es waren, glaube ich, Donnerstage - bei uns zu Hause, um gemeinsam meine aus dem Fernsehen aufgezeichneten Star Trek 1, 2 und 3 anzuschauen.

Dies hier ist der dritte Donnerstag damals im Herbst 1991, der Film ist gelaufen und ich schaue Sonja erwartungsvoll an. Zum Glück bestätigt sie rasch meinen Eindruck, indem sie sagt: "Sebastian, das war der beste der drei Filme!"


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Heute, über dreißig Jahre später, habe ich diese Meinung für mich revidiert, halte längst die ersten beiden Filme für die Highlights der Reihe (den ersten aus subjektiven, den zweiten aus eher objektiven Gründen, siehe meine vorangegangenen Artikel in dieser Serie). Doch ich stehe heute immer noch dazu, dass ich diesen oftmals kleingeredeten Film damals als junger Jugendlicher extrem super fand. Warum, das verrate ich später.

Ich spule noch ein Stück weiter zurück zur Erstausstrahlung des Films in Deutschland. Ich kam mir damals generell vor wie ein Sebastian im Glück, denn es ist immer noch ein riesiger Zufall, dass ich zu Beginn meines Fan-Daseins mit Star Trek nur so überschüttet wurde. Ja, ich war genau zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen.

Schon seit „Khan“ trägt Pille die Katra des verstorbenen Spock spazieren. Quelle: Paramount Pictures Schon seit „Khan“ trägt Pille die Katra des verstorbenen Spock spazieren.

Nach jahrzehntelanger Durststrecke hatten die deutschen Fans ab 1989 erstmals alle Folgen der klassischen Serie zu sehen bekommen, mit Ausnahme der berüchtigten Nazi-Episode "Schablonen der Gewalt" (Patterns of Force). Frisch synchronisiert waren sie nun also, die 78 Folgen, und in den Sommerferien 1991 strahlte der Pay-TV-Sender Premiere jeden Wochentag eine Episode der klassischen Serie aus, unverschlüsselt.

Viele davon hatte ich gewissenhaft aufgenommen und praktisch auswendig gelernt. Und obwohl die Star-Trek-Post in Deutschland erst 1994 mit der Massenausstrahlung der Next Generation auf SAT.1 so richtig abgehen sollte, hatte die eingeschworene Fangemeinde in meinem ersten Fanjahr immerhin ein solches Gewicht bekommen, dass die vier ersten Kinofilme in deutscher Erstausstrahlung im Fernsehen gezeigt wurden.

So war es dann auch am 13. Oktober 1991 soweit: "Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock" lief auf SAT.1 und ich hatte beim Anschauen große Teile Originalserie im Hinterkopf.

Doch weil der 13. Oktober ein Sonntagabend und am Montag ganz normaler Schulunterricht angesagt war und meine Eltern in solchen Fällen aufs frühe Zubettgehen meinerseits bestanden, durfte ich den Film nicht live anschauen, sondern lediglich aufnehmen und frühestens am folgenden Tag nachholen. Aufmerksame Leserinnen und Leser dieser Reihe kennen Thorsten, meinen ganz persönlichen Spoiler-Boy, der mir bereits auf einer Klassenfahrt die vollständige Handlung des zweiten Kinofilms erzählt hatte.

Thorsten war es auch, dessen Eltern den Fernsehkonsum weniger kritisch sahen als Sonjas oder meine Eltern. Er durfte deutlich länger aufbleiben als ich, den dritten Star-Trek-Film am späten Sonntagabend sehen und war nun erneut drauf und dran, mich brühwarm mit Infos zu versorgen.

Es ist also Montag, der 14. Oktober, die erste große Pause, draußen regnet es in Strömen. Thorsten und ich gehen immer und immer wieder die paar Dutzend Meter auf und ab, die die Pausenhalle lang ist, und Thorsten fasst schwadronierend die Handlung des dritten Films zusammen. Wieder einmal wehre ich mich überhaupt nicht dagegen, obwohl ich den Film doch für den Nachmittag nach den Hausaufgaben fest eingeplant hatte.

Lebhaft erinnere ich mich daran, dass mich Thorsten mehrere Minuten lang raten lässt. Seine Aufgabenstellung, formuliert wie eine Scherzfrage: Treffen sich ein Planet, ein kleines Föderationsraumschiff, ein Klingonen-Raumschiff und eine Enterprise. Von diesen vieren übersteht den Film nur eines, welches ist es?

Ein wenig enttäuscht ist Thorsten schon, als ich, obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe, messerscharf und korrekt deduziere. Irgendwie verstehe ich mit 13 Jahren schon, wie dramatisches Storytelling funktioniert, und vor allem, wie Thorsten eine Frage anbahnt. Die Antwort lautet: Das klingonische Schiff.

Und wenn Torsten schon die Handlung zusammenfassen darf, dann will ich dies auch kurz tun: Nach dem zweiten Film ist Khan bezwungen, Spock ist tot, ein neuer Planet namens Genesis erschaffen und eine schwerbeschädigte Enterprise humpelt nach Hause, an Bord derer die hinterbliebene Crew ihre Wunden leckt.

Daheim in San Francisco stellt sich schnell heraus, dass Spock nicht vollkommen verloren ist, nein, er hat seine Katra, das ist Vulkanisch für Seele, noch ganz kurz vor seinem Tod in Pille McCoy abgespeichert. Um dem toten Freund und Kameraden eine letzte Ehre zu erweisen, hijacken Kirk & Co. die Enterprise aus dem Trockendock und fliegen als Piratengang zurück nach Genesis, wo bekanntermaßen der Körper des Verstorbenen lagert.

Dort geraten sie mit einer Bande Klingonen aneinander, Kirks Sohn David, der auch vor Ort ist, kommt ums Leben, und sogar die Enterprise wird zerstört. Die Opfer sind hoch, doch am Ende nimmt man einen vom Planeten Genesis überraschenderweise wiederbelebten Spock mit zum Planeten Vulcan, wo in einem uralten Ritual Körper und Seele wieder miteinander vereint werden. Die Trek-Familie ist wieder vollzählig.

Wie kam es zu dieser Geschichte? Nun, weil der zweite Kinofilm ein riesiger Erfolg war, kam das grüne Licht für den dritten Film so schnell wie nie, nur wenige Tage nach dem Kinostart von "Der Zorn des Khan" Anfang Juni 1982. Die erste, eher kurzlebige Idee kam von Star-Trek-2-Regisseur und -Co-Autor Nicholas Meyer und nannte sich "Prison Planet".

In dieser Erzählung kommen Kirk & Co. gar nicht erst vor, stattdessen handelt es sich um eine Art Spin-off/Prequel, in dem das tragische Exil Khans und seiner genetischen Superleute auf Ceti Alpha 5 geschildert wird (spannenderweise ist diese Idee erst jüngst inmitten all der neuen Star-Trek-Serien seit 2017 wieder herausgekramt worden. Für kurze Zeit sah es so aus, als käme endlich eine Ceti-Alpha-5-Miniserie, daraus wurde aber dann leider doch nichts. Der aktuelle Stand der Dinge ist, dass Nicholas Meyer die Geschichte in Hörspielform als mehrteiligen Podcast produzieren soll, doch auch bei diesem Projekt ist schon wieder seit vielen Monaten Schweigen im Walde).

Statt "Prison Planet" entschied der damals amtierende Franchise-Chef Harve Bennett, die im zweiten Film gepflanzte Saat aufgehen zu lassen. Denn dort gab es die berühmte Gedankenverschmelzungs-Remember-Szene zu sehen (auf Deutsch eher ungelenk und sperrig übersetzt mit "all das vergiss bitte nie"), die eine Wiederkehr Spocks via McCoy verhieß.

Diese kreative Entscheidung führte unmittelbar dazu, dass Nicholas Meyer "Bye-Bye" sagte, denn er wollte auf gar keinen Fall den Tod Spocks wieder rückgängig machen, den er dramatisch und stimmig herbeigeführt hatte, wie er selbst und viele Fans fanden.

Meyer war der Ansicht, eine Wiederbelebung Spocks wäre nichts weniger als Verrat an der Kunst, eine Entwertung von Spocks großem Opfer und auch ein Verhöhnung der Fans. Mit so einer Art der Fortsetzung wollte Meyer nichts weiter zu tun haben. Zerstritten hatten sich auch Harve Bennett und sein langjähriger Freund und Khan-Co-Produzent Bob Sallin. Ersetzt wurde Sallin durch Ralph Winter, der die nächsten drei Trek-Kinofilme als Co-Produzent begleiten sollte.

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