Ungerader Film, klassische Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Ungerader Film, klassische Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock
Quelle: Paramount Pictures

Autor und Star-Trek-Universalexperte Sebastian Göttling seziert im dritten Teil seiner Artikelreihe den Klassiker Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock.

Ebenfalls für einige Irritation sorgte eine Entscheidung, die Nimoy relativ spät im Entwicklungsprozess des Films traf. Eigentlich sollten ja die Romulaner die Bösewichte des Films sein und genau wie in der Urserie auf einem sogenannten Bird of Prey unterwegs sein, der außerdem über eine Tarnvorrichtung verfügte. Nimoy jedoch fand, dass Wald- und Wiesen-Kinogänger womöglich die Vulkanier und Romulaner nicht auseinanderhalten würden können, denn beide Völker haben gemeinsame Wurzeln und kommen mit gleichermaßen markanten Augenbrauen und spitzen Ohren daher. Nimoy hielt stattdessen die Klingonen für geeigneter, weil er sie opernhafter fand und in ihnen eine stärkere Parallele zur echten Welt sah, genauer gesagt zur damaligen Sowjetunion (diese realpolitische Annäherung der Klingonen sollte in einer weiteren Nimoy-Geschichte drei Kinofilme später ein weiteres Mal überdeutlich herausgearbeitet werden).

So führte diese eher fragwürdige Entscheidung dazu, dass bis zum heutigen Tag, fast vierzig Jahre später, die Klingonen in Star Trek über Tarnvorrichtungen verfügen und auf Birds of Prey durch die Galaxie cruisen, denn diese Story-Zutaten wurden nach dem Herausschreiben der Romulaner schlicht und ergreifend nicht geändert. Optisch schraubte Nimoy die Klingonen zurück, die zuletzt im ersten Kinofilm einen neuen Look bekommen hatten. In "Star Trek: Der Film" prangten zwar auch schon Rillen auf der Mitte ihres Schädels, dort sahen sie aber noch aus wie eine Mischung aus Haifischflosse und rasiertem Irokesenschnitt.

Für diesen zweiten Auftritt der neu designten Klingonen wurde das Profil ihrer Stirne, das Nimoy zu comichaft übertrieben erschien, deutlich zurückgenommen.

Auch über die Klingonen hinaus betrieb der Film jede Menge Worldbuilding mit Langzeitwirkung, denn wir sehen hier zum ersten Mal die majestätischen und pilzförmigen Weltraumdocks. Ein wunderschönes Design, auch wenn der gigantische Hohlraum mit anscheinend nur einer einzigen Zuflugsluke für Raumschiffe bei längerem Nachdenken alles andere als praktisch erscheint.

Für eine Handvoll Sitcom-Klingonen Quelle: Paramount Pictures Für eine Handvoll Sitcom-Klingonen

Zudem lernen wir die nächsten Raumschiffe der Zukunft kennen, die Excelsior-Klasse mit dem sogenannten Transwarp-Antrieb - ziemlich unansehnliche Pötte mit einer seltsam kahlen Brücke, für die man nicht einmal ein eigenes, richtiges Set gebaut, sondern stattdessen nur ein paar Stühle und Konsolen in eine Halle geräumt hatte.

Ulkig auch die Freizeit- und Piratenklamotten von Kirk & Co., die von Lederjacken bis Rüschen visuell eine ganze Menge zu bieten haben. Am lustigsten ist dabei Chekovs Outfit in einer Szene, kurz, nachdem die Enterprise auf Kaperfahrt aufbricht. Plötzlich trägt er einen Kragen, der dem kleinen Lord Fauntleroy alle Ehre machen würde.

Und ja, Thorsten hatte es bereits gespoilert: Die Enterprise wird in diesem Film vernichtet, quasi geopfert. Weil Gene Roddenberry auch hiermit nicht einverstanden war, gilt es erneut als gesichert, dass er derjenige Whistleblower war, der Fans schon im Vorhinein diese Informationen steckte, genauso wie er beim letzten Film den Tod Spocks vorzeitig hatte durchsickern lassen. Roddenberry konnte seinem Nachfolger Bennett den Erfolg einfach nicht gönnen, musste ihm beharrlich in die Suppe spucken.

Die Zerstörung der Enterprise war wahrlich ein Meisterstück der Effektschmiede Industrial Light & Magic, die hier zum zweiten Mal für Star Trek arbeitete: Gleich mehrere Enterprise-Miniaturen wurden in die Luft gejagt. Als das Feuer der Selbstzerstörung die große Registrierungsnummer auf der Außenhülle des Schiffs zerfrisst, wurde dies im Zeitraffer mit aufträufelnder Säure gefilmt.

Das glühende Inferno im Inneren des Schiffes wurde durch brennende Stahlwolle dargestellt. Anders als bei so mancher Schiffsexplosion in den Star-Trek-Kinofilmen wurde hier also nicht einfach nur ein Archiv-Feuerball als Overlay eingefügt, nein, die liebgewonnene Enterprise stirbt spektakulär und schmerzhaft. Am Ende verglüht das Schiff dann auch noch mit einer riesig langen Rauchfahne im roten Abendhimmel des ebenfalls dem Untergang geweihten Genesis-Planeten.

Wer im zweiten Film nicht mehr am Start war, war Saavik-Darstellerin Kirstie Alley. Sie wurde kurzerhand ersetzt durch Robin Curtis, die die Rolle der Halb-Vulkanierin auch im Folgefilm darstellen sollte. Vor ein paar Jahren lief die Gerüchteküche noch heiß, was diese Neubesetzung anging; die Spekulationen gingen in eine Richtung, die man heute mit dem Hashtag #MeToo versehen würde.

In den letzten zwei Jahren jedoch brachen viele der damals Beteiligten ihr Schweigen und es stellte sich mittlerweile heraus, dass hier ein waschechter Mobbingfall vorlag. Die langsam in die Jahre gekommenen Hauptdarsteller Star Treks befürchteten 1982, dass sie durch eine jüngere Generation abgelöst werden sollten (eine Befürchtung, die sich, wenn auch anders als gedacht, durchaus bewahrheiten sollte). Aus dieser Angst heraus schassten und marginalisierten die alteingesessenen Darstellerinnen und Darsteller die hochbegabte Kirstie Alley.

Weitere Casting-Details: Wo im zweiten Teil noch Ricardo Montalban als Khan wütete, wurde der klingonische Bösewicht Kruge von Christopher Lloyd dargestellt. Der war damals noch ein Jahr entfernt von seinem großen Kinoerfolg als Doc Brown in den Zurück-in-die Zukunft-Filmen und stattdessen einem breiten US-Publikum bekannt durch seine Sitcom-Hauptrolle bei "Taxi", wo er den Yellow Cab fahrenden Reverend Jim Ignatowski spielte, dessen Gehirn unter exzessivem Drogenkonsum Ende der 60er gelitten hatte.

Außerdem kannte man ihn als Künstler/Nebenbuhler aus einem legendären Zweiteiler des Serien-Megahits "Cheers". Verrückt ist dabei, dass die Klingonen des dritten Films hauptsächlich Sitcom-Stars waren, denn Maltz, die rechte Hand Kruges und einziger Überlebender der Klingonen-Gang, wurde gespielt von John Larroquette, der später im Erscheinungsjahr von "The Search for Spock" die neun Staffeln währende, mehrfach Emmy-preisgekrönte Darstellung des Staatsanwalts Dan Fielding in der beliebten Anarcho-Sitcom "Night Court" (zu Deutsch "Harrys wundersames Strafgericht") antreten würde.

Deutlich klassischer war das Engagement der schon Mitte-80-jährigen Dame Judith Anderson, bekannt unter anderem als fiese Haushälterin in Alfred Hitchcocks erstem US-Film "Rebecca", als vulkanische Hohepriesterin. Sie steht damit in bester Tradition von Celia Lovsky, die in der zweiten Staffel der Urserie eine ganz ähnliche Rolle gespielt hatte.

Nicht zurück kehrte Bibi Besch als Dr. Carol Marcus, wohl aber ihr Leinwandsohn Merritt Butrick als David, auch wenn dies sein letzter Auftritt bleiben sollte, denn auch David wird geopfert - zum einen, um den dramatischen Einsatz Kirks bei der Rücküberführung seines alten Freunds Spock zu erhöhen, zum anderen, weil sich herausstellt, dass David bei der Entwicklung des Genesis-Projekts gegen die Ethik der Wissenschaft und damit gegen Mutter Natur sündigte.

Leider hervorzuheben ist ebenfalls, dass Uhura-Darstellerin Nichelle Nichols über weite Strecken aus dem Film herausgeschrieben wurde, denn während ihre männlichen Kollegen allesamt auf große Rettungsmission gehen, verabschiedet sich Uhura schon vor dem Abflug der Enterprise aus der Handlung und wartet erst gegen Ende des Films auf dem Planeten Vulcan auf den Rest der Truppe.

Apropos Hauptdarsteller: Da Leonard Nimoy als Spock erst gegen Ende des Films wiederzusehen war und da dann auch die Überraschung, ob er denn nun gerettet werden kann, erhalten bleiben sollte, wurde er im Vorspann nicht als Schauspieler genannt, nur als Regisseur. Stattdessen gab es eine längere Pause und einen schwarzen Sternenhintergrund zwischen den Namenseinblendungen von William Shatner und DeForest Kelley zu sehen.

Um das Geheimnis noch besser zu hüten, wurde Nimoy außerdem auf keinem der täglich verwendeten Call Sheets erwähnt, stattdessen stets der mysteriöse "Frank Force" - und wenn irgendwo im Drehbuch dann doch einmal die Rede von Spock war, dann stand da nicht Spock, sondern Nacluv, das ist Vulcan rückwärts. All diese Geheimniskrämerei in einem Film, dessen verräterischer Titel "Auf der Suche nach Mr. Spock" lautet. Angesichts dessen wäre es doch reichlich enttäuschend gewesen, wenn am Ende der Suche kein Fund stattgefunden hätte.

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