Ungerader Film, klassische Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock
Special
Autor und Star-Trek-Universalexperte Sebastian Göttling seziert im dritten Teil seiner Artikelreihe den Klassiker Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock.
Enttäuscht sein konnten Filmliebhaber auch aufgrund mancher Dinge, die ganz offensichtlich gegen den Film arbeiteten. Stand in Film 2 noch Gayne Rescher hinter der Kamera, filmte nun Charles Correll, der kein besonders begnadeter Kinematograph war. Seine Szenen haben weniger Tiefe, weniger Schatten, es sieht alles mehr nach einem Fernsehfilm aus, als es der Vorgänger "Khan" tat, der fehlendes Budget mit Düsternis ausglich. Doch hier wurde auf jede Kulisse einfach eine große Menge Licht geknallt. Da überrascht es kaum, herauszufinden, dass Correll in nachfolgenden Jahrzehnten Serien wie "MacGyver" und "Melrose Place" filmen sollte. An der Schreibmaschine saß bekanntermaßen Harve Bennett, ein TV-Produzent und im Gegensatz zu Nicholas Meyer eben kein "Literat". Angesichts dessen gerieten auch die Dialoge weniger raffiniert, mehr Wald und Wiese. Mit Leonard Nimoy im Regiestuhl wurde der Film zudem technischer und routinierter heruntergekurbelt, als es bei dem doch eher anspruchsvollen Meyer der Fall war.
Hinzu kommt, dass auch die Bösewichte weniger episch erschienen im Vergleich zum gewaltigen Khan. Kurzum: An zu vielen Stellen wurde der Film schlicht und ergreifend in Richtung Fernsehproduktion verkleinert. Der Film fühlt sich außerdem mit seinen gerade einmal 105 Minuten vergleichsweise kurz an, was durch seine eigentümliche Erzählstruktur noch hervorgehoben wird: Es dauert etwa den halben Film, bis die Enterprise endlich Kurs nimmt auf Genesis, wo ja eigentlich der Hauptteil der Handlung stattfinden müsste, nur um dort nach einer guten Viertelstunde schon wieder fertig zu sein, woraufhin das letzte Drittel des Films auf Vulcan stattfindet.
Für das sehr langsame und getragene Ende mit schier endlos wirkenden vulkanisch-archaischen Riten musste Regisseur Nimoy hart kämpfen, denn Paramount forderte von ihm eigentlich, dass der Film mit der rasanten Action auf Genesis enden und die Wiederverschmelzung von Spocks Körper und Seele in einem Coda rasch abgehandelt werden sollte.
Quelle: Paramount Pictures
Das Motto der TOS-Gang: Alle für einen!
Dennoch: Trotz Nimoys Ringen fiel eine legendäre Deleted Scene gegen Ende des Films unter den Tisch, als nämlich die Prozession auf dem Planeten Vulcan auch noch durch die "Hall of Ancient Thought" ziehen sollte, in welcher jahrtausendealte, riesige, zerbröselte Statuen liegen. Bis heute haben diese Szenen leider nicht den Weg in das Bonusmaterial einer Heimkino-Auswertung des Films gefunden und man kann nur spekulieren, wie aufwendig dieses Set ausgesehen haben mag.
Auch kann man den größten Kritikpunkt vieler Fans verstehen, den Nicholas Meyer ebenfalls teilt, nämlich dass der zweite Film nahezu gänzlich rückgängig gemacht wird, denn am Ende lebt Spock wieder, auch wenn er sein Gedächtnis noch nicht wiedererlangt zu haben scheint.
Doch auch über andere Aspekte des zweiten Films wird mit der Dampfwalze gefahren: Kirks Sohn David, gerade erst frisch eingeführt - eine tolle Gelegenheit, um erwachsenere Dinge über den plötzlichen Vater Jim zu erzählen -, kommt nur sehr kurz im Film vor und wird brutal aus dem Franchise herausgeschrieben.
Frappierend ist auch, dass Kirk am Ende des zweiten Films seine Midlife-Crisis eigentlich überwunden hatte, sich wieder jung fühlte und voller Tatendrang. Sein Eröffnungslogbuch im dritten Film, der nur wenige Tage nach dem Ende von Teil 2 einsetzt, behauptet auf einmal, dass er sich aufgrund Spocks Tod müde, leer, sinnlos, also eigentlich wieder zurück in der Midlife-Crisis fühlt. Einfach weggewischt wird somit die zentrale Charakterentwicklung, die Kirk im letzten Film durchlaufen hatte - und das ist schon sehr ärgerlich.
Zugutehalten muss man "The Search for Spock" andererseits, dass er sich als erster Film der Reihe und wie kein anderer nach ihm an den Qualitäten und Themen der klassischen Serie orientierte. Es ist gerade die geschrumpfte Inszenierung, das Fernsehmäßige, das in Fans der Urserie wunderbar warme Reminiszenzen auslöst.
Es gibt in Kruge einen eher quatschigen Bösewicht, mit dem sich Kirk zünftig nach TOS-Style kloppen darf, was Jim in den ersten beiden Filmen ebenfalls verwehrt blieb. Die Kulissen sind, exakt wie in den 60ern, ganz klar künstlich, irgendwie cheesy und stehen im Studio.
Auch - oder vor allem - der paradiesische Urwald-Planet Genesis (Kinematograph Correll wollte diese Szenen eigentlich als Außendreh auf Hawaii filmen, doch diesen Ausflug fand Paramount zu teuer. Als auf dem Genesis-Set während des Drehs ein Feuer ausbrach und dieses zum Glück sehr schnell gelöscht werden konnte, war der innere Egoist des Charles Correll tatsächlich sehr enttäuscht, weil er sich erhofft hatte, im Falle der totalen Set-Vernichtung doch auf Hawaii drehen zu dürfen.) Ein Aspekt der Fernsehserie, der Fans insbesondere beim ersten Kinofilm fehlte, nämlich das warme und familiäre Zusammenspiel der Charaktere, wurde hier vollumfänglich eingebracht: Alle für einen und einer für alle.
