Queer und divers - besser wär's? Ein Blick auf Gender-Identität in Videospielen
Special 53,99 €Eine Analyse der Inklusion von Queerness und Diversität in Baldur's Gate 3, Starfield und Hogwarts Legacy
Wir Menschen mögen und benötigen oftmals ganz klare Strukturen, Formen, Regeln und Grenzen. Vor allem in den Naturwissenschaften oder explizit der Medizin sind diese auch enorm wichtig. Dahingegen ist es in unserer sozialen Gesellschaft und Kultur eher von Vorteil, wenn wir all das nicht zu strikt halten. Denn auch, wenn eine vermeintliche Ordnung definiert durch Standards uns oftmals Sicherheit verleiht, besteht die Welt um uns herum im Grunde aus Chaos und Diversität. Die Repräsentation dieser Diversität und auch Vielfalt aller möglichen Lebensrealitäten wollen wir uns in diesem Special einmal genauer anschauen. Unser Redakteur Daniel hat sich bereits in einem Interview die Repräsentation von queeren Figuren generell angesehen. Wir wollen nun analysieren, wie die Inklusion von Queerness und Diversität heutzutage in AAA-Titeln aussieht.
Dafür haben wir uns drei der bekanntesten und beliebtesten Games aus dem vergangenen Jahr herausgepickt: Baldur's Gate 3 (Larian Studios), Starfield (Bethesda Game Studios) und Hogwarts Legacy (Avalanche Software). Sie alle eint ihre riesigen Budgets, ihre Rollenspielelemente und damit auch ihr hohes Identifikationspotenzial. Wir haben uns gefragt: Wie wird in ihnen ganz generell Queerness und Diversität repräsentiert? Was ist möglich und was nicht? Und was sagt die Community dazu?
Queerness 101
Zeiten ändern sich. Alles unterliegt einem stetigen Wandel und schreitet stets voran. Das ist auch gut so, ansonsten würden wir uns ja immer noch in der Steinzeit befinden und müssten um unser bloßes Überleben kämpfen. Genau so schreiten parallel auch unser Zeitgeist, unsere Gesellschaft und unsere Kultur voran.
Unsere Normen und Werte, Hierarchien und Strukturen - auch sie verändern sich tagtäglich. Mal passiert das langsamer, mal schneller. Zum Beispiel entstanden neben Print- die Onlinemedien und zu analogen Spielen gesellten sich die digitalen. All diese Phänomene wurden erst von uns Menschen entwickelt und hergestellt.
Aber eines gibt es schon, seitdem wir als Homo sapiens auf dieser Erde existieren: unsere Individualität. Kein Mensch gleicht einem anderen. Klone existieren in ihrer literarischen Interpretation nur in der Fiktion und selbst eineiige Zwillinge weisen trotz ihrer augenscheinlichen Ähnlichkeit oftmals starke Unterschiede in ihren Verhaltensweisen oder Interessen auf.
Anhand dessen lässt sich zum Beispiel auch darauf schließen, dass unsere genetische Zusammensetzung nur einen kleinen Teil unserer individuellen Identität ausmacht. Wir alle sind genetisch gesehen Menschen, dennoch können wir uns ganz unterschiedlich als Personen definieren. Zum Beispiel über unsere Denk- und Verhaltensweisen.
Manchmal ist damit auch die (Nicht-)Identifikation mit unserem biologischen und/oder sozialen Geschlecht (Gender) verbunden. In den letzten Jahren durften wir intensiver und umfangreicher als je zuvor lernen und sehen, wie genau diese Diversität und Individualität in unserer Gesellschaft aussehen. Daneben konnten wir jedoch auch feststellen, wie unterschiedlich die Meinungen dazu sind.
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Aber egal, wie stark sich die Geister darüber scheiden, eines ist und bleibt Fakt: Queere Sexualitäten, Identitäten und Realitäten gab es schon immer und wird es immer geben.
Die biologischen Geschlechter sind anhand des Genoms eines Menschen klar definierbar, das soziale Geschlecht jedoch nicht. Unser soziales Geschlecht, also das, womit wir uns selbst und nach außen hin identifizieren, ist - wie die Bezeichnung schon verrät - ein soziales Konstrukt und hier finden wir ein ganzes Spektrum an Identifikationsmöglichkeiten.
Manchmal stimmt für uns das soziale Geschlecht mit unserem biologischen überein und manchmal eben auch nicht. Und manchmal besitzen wir sexuelle Begehren, die vielfältiger aussehen können als nur ein simples Schwarz-Weiß-Bild. Egal, wie - Queerness umfasst im Grunde alles, was nicht unter die Label "cis-geschlechtlich" und "heterosexuell" fällt.
Wir alle wissen: Es gibt nicht plötzlich mehr queere Personen als zuvor, unser Fokus verschiebt sich lediglich Stück für Stück. Mehr Menschen bekennen sich offen zu sich selbst und schon immer dagewesene Identitäten und Realitäten werden erstmalig genauso gesehen und gezeigt, wie bisher sonst nur der vermeintliche (cis-idente und heterosexuelle) Standard.
Ein Flashback zum Backlash
All das geht auch an der heutigen Spieleindustrie nicht spurlos vorbei. Oftmals finden wir in Spielen eine Art "Safe Space" und sie ermöglichen uns die ersehnte Flucht vor der Realität. Daher ist es vielleicht paradox, dass die meisten Spiele - egal welches Setting sie besitzen mögen - allerlei Strukturen, Hierarchien und Lebenswirklichkeiten aus unserer realen Welt und Gesellschaft reproduzieren und abbilden.
Deshalb sollten wir stets bedenken, inwiefern Videospiele grundlegend mit der Repräsentation unterschiedlichster Identitäten und Realitäten umgehen.
Für lange Zeit wurde von den einkommensstarken Studios fälschlicherweise angenommen, dass ihre primäre Zielgruppe aus weißen, cis-männlichen und heterosexuellen jungen Erwachsenen besteht. Vor allem aus Angst vor negativem Backlash dieser Gruppe, wurden queere Individuen oftmals kaum bis gar nicht repräsentiert.
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Wenn sie doch einmal vorkamen, dann meist in völlig überzogener, ironischer Form oder schlichtweg nicht authentisch. Oft wurde den Studios dafür wiederum vorgeworfen, dass sie auf Krampf versuchen würden, mehr Diversität in ihre Spiele einzubauen. Dieser Kritikpunkt nennt sich im Fachjargon Tokenism und besteht auch heute noch fort. Im Gegensatz dazu existieren nun schon lange zahlreiche Indie-Titel auf dem Markt, die häufig dafür gelobt (Link) werden, wie gut und authentisch sie queere Inhalte einbauen.