Queere Figuren in Games: zwischen Anbiederung und Repräsentation - Interview über I Was A Teenage Exocolonist

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Queere Figuren in Games: zwischen Anbiederung und Repräsentation - Interview über I Was A Teenage Exocolonist
Quelle: Northway Games

Im Interview mit Lindsay Ishihiro, Artist bei I was a Teenage Exocolonist, erfahren wir, wie wichtig queere Repräsentation in Videospielen ist und wie gute Repräsentation eigentlich aussieht.

Dumbledore ist homosexuell, Arielle wird von einer schwarzen Schauspielerin verkörpert, und der Doctor in Doctor Who wird nach Jahrzehnten von einer Frau gespielt. "Das ist doch forced diversity!" erklingt es aus der hintersten Reihe. Jegliche Abweichung von einem vermeintlichen Standard - weiß, heterosexuell, und im besten Fall noch männlich - wird von vielen Personen grundlegend als schlecht wahrgenommen. Dass dieser vermeintliche Standard jedoch nicht auf Fakten begründet ist, wird oft vergessen. Beispielsweise kämpfen Frauen im medizinischen Bereich immer noch damit, von Ärzten wahrgenommen zu werden. Hier wurden Frauen nämlich meist nur als Abweichung vom Mann wahrgenommen, weswegen Diagnosen und Behandlungen oft völlig unzureichend ausfallen.

Dieser Schrei über "forced diversity" findet jedoch nicht nur statt, wenn eine bekannte Figur plötzlich Sexualität oder Geschlecht wechselt, sondern auch bei brandneuen Projekten. Blizzard machte sich vor einigen Monaten regelrecht zur Witzfigur, als ihr Tool für diverse Charaktere die Runde machte. Figuren wurden arbiträre Nummern zugewiesen, die ihre Diversität zum Ausdruck bringen sollten. Ist eine bestimmte Punktezahl erreicht, galt der Charakter als vielfältig genug.

Beispielsweise Zarya, eine muskulöse Frau, welche von einem ebenfalls arbiträren Standard von nicht-muskulösen Frauen abweicht, obendrein auch noch mit einem russischen Akzent spricht und kurze, pinkfarbene Haare besitzt. Blizzard hat es vollbracht: Diversität nach Schablone.

Man könnte wohl stundenlang darüber reden, wieso diese forced diversity eigentlich gar nicht so schlimm und in vielen Fällen sogar ziemlich hilfreich ist, doch die Opposition hat dennoch einen Punkt richtig erkannt: Diese Charaktere sind oft nicht sonderlich authentisch. Ein queerer Charakter hakt oftmals nur verschiedene Punkte auf einer Liste ab, damit das Studio dahinter als besonders fortschrittlich gilt.

Hier sitzt kein leidenschaftlicher Entwickler dahinter, der sich selbst als queer bezeichnen würde, und einfach eine Geschichte erzählen möchte, die ihm selbst am Herzen liegt. Man kann wohl einen deutlichen Unterschied ziehen zwischen Spielen und Geschichten, die bestimmte diverse Charaktere beinhalten, nur um eine Art Quote zu erfüllen, und queeren Geschichten.

Ein Spiel, welches die zweite Kategorie besiedelt, ist das kürzlich veröffentlichte I Was a Teenage Exocolonist. Das Team bei Northway Games, dem Studio hinter Teenage Exocolonist, besteht aus den verschiedensten Individuen, die allesamt eine authentische Geschichte erzählen wollten.

Eine Geschichte, die aus ihren eigenen Erfahrungen, aus ihrem eigenen Leben, und ihrer eigenen Fantasie entsprang, und nicht aus einer Liste bestimmter Eigenschaften, die unbedingt inkludiert werden müssen.

Queere Figuren in Games: zwischen Anbiederung und Repräsentation - Interview über I Was A Teenage Exocolonist (1) Quelle: Lindsay Ishihiro Queere Figuren in Games: zwischen Anbiederung und Repräsentation - Interview über I Was A Teenage Exocolonist (1) Das Interview wurde geführt mit Lindsay Ishihiro. Lindsay ist bei Northway Games für Writing und die Creature Sprites von I Was a Teenage Exocolonist verantwortlich. Ansonsten gehören auch einige Comics über "geekiness," Mutterschaft, Feminismus, und Videospiele zu ihrem Repertoire.

Mit den durch Comics gesammelten Erfahrungen und der Liebe für Aufbau- und Management-Spiele war Lindsay verständlicherweise ein perfekter Kandidat, die Welt von I Was a Teenage Exocolonist mit Leben zu füllen. Ihre Vorliebe, "fiktionale Charaktere zum Küssen zu bringen" hat sicherlich auch dabei geholfen.

Ursprünglich wurde uns über das Spiel nur verraten, dass es "heteronormatives Storytelling" herausfordern möchte. Sowohl wir als auch die Macher sind jedoch der Meinung, dass man so nicht unbedingt über das Spiel denken sollte.

Klar weicht es von den traditionellen Handlungssträngen ab, die man mittlerweile aus verschiedenen Genres kennt, doch das Team hinter I was a Teenage Exocolonist wollte mit seinem Spiel nichts herausfordern. Sie wollten lediglich eine aufrichtige Geschichte erzählen, die von Personen auf der ganzen Welt erlebt werden kann. In der Geschichte gibt es nur wesentlich mehr queere Charaktere, als man sonst gewohnt ist.

  1. Seite 1 I Was a Teenage Exocolonist: Interview über Queerness in Spielen - Seite 1
  2. Seite 2 I Was a Teenage Exocolonist im Interview - Seite 2
  3. Seite 3 I Was a Teenage Exocolonist im Interview - Seite 3
  4. Seite 4 I Was a Teenage Exocolonist im Interview - Seite 4
  5. Seite 5 I Was a Teenage Exocolonist im Interview - Seite 5
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