Queer und divers - besser wär's? Ein Blick auf Gender-Identität in Videospielen
Special 53,99 €Eine Analyse der Inklusion von Queerness und Diversität in Baldur's Gate 3, Starfield und Hogwarts Legacy
In der Welt von Hogwarts Legacy spielt die Repräsentation von queeren oder diversen Inhalten nur eine Nebenrolle. Romance-Optionen gibt es nicht, da wir laut Avalanche in der Story einen jungen Charakter verkörpern und es im Spiel nicht darum geht, Liebesbeziehungen einzugehen. Immerhin treffen wir in der Hauptstory auf eine transidente Barkeeperin namens Sirona. Sie zeichnet sich allerdings allein dadurch aus, dass sie einen als weiblich lesbaren Körperbau mit einer tiefen Stimme besitzt. Daneben treffen wir in der Welt und bei ihren NPCs kaum auf repräsentative und natürlich eingebaute Queerness. Wir finden lediglich ab und zu mal einige Andeutungen auf homosexuelle Partnerschaften, aber danach muss man auch explizit suchen, sonst wird man nicht darauf stoßen. Schon allein deshalb wirkt Sirona für viele aus der Community wie eine auffällige Token-Figur, die vor allem aufgrund der Vorwürfe J. K. Rowling gegenüber eingebaut wurde.
Generell wird dem AAA-Studio Avalanche starker Tokenism vorgeworfen. Die Kritik kann natürlich theoretisch von den Macher*innen mit einem einfachen "es passt nicht in das Universum, das Setting, die Story" abgewehrt werden. Und die simplen Editor-Möglichkeiten wie die der Stimmenanpassung werden als Rechtfertigung herangezogen, dass man ja etwas tue.
Ganz allgemein kann sich das Team leicht aus der Verantwortung ziehen und die Progressivität in Hinblick auf authentische Inklusion von Queerness und Diversität lässt hier im Vergleich zu Baldur's Gate 3 oder Starfield eindeutig zu wünschen übrig. Die queere Community sagt: so nicht, Avalanche.
Eine Infusion voller Inklusion
Larian macht es vor, Bethesda zieht nach und Avalanche hat das Ziel verfehlt. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass neben den zahlreichen Indie-Games nun auch besonders große und bekannte AAA-Games immer inklusiver werden. Das geschieht mal langsamer, mal schneller, mal authentischer, mal unauthentischer.
Aber vor allem im Vergleich zu früheren, vermeintlich progressiven, inklusiven und diversen Titeln, wird die Thematik besser umgesetzt und eingebaut. Auf natürliche Art und Weise werden queere Inhalte gezeigt und wird Diversität vertreten.
Egal ob dick oder dünn, jung oder alt, weiß oder PoC, hetero- oder homosexuell, asexuell, trans*- oder cis-ident, er, sie oder they: Vieles wird zunehmend authentischer eingebunden. Für alle Vorlieben, Lebensidentitäten, -realitäten und -sexualitäten wird Raum und Sichtbarkeit geschaffen.
Quelle: Pexels
Diese umfangreichere Repräsentation in der Fiktion von Spielen sorgt für mehr generelle Sichtbarkeit und das wiederum auf lange Sicht auch für mehr Inklusion und Akzeptanz in der Realität. Daher sollte unserer Meinung nach stets weiter daran gearbeitet werden, dass solch eine Inklusivität schon im Kern des Spiels etabliert wird und nicht erst durch Mods von außen hinzugefügt werden muss.
Dennoch bleiben ein paar Kritikpunkte und Bedenken in unserer Analyse bestehen. Wo sind zum Beispiel unsere Charaktere mit mehr Handicap als nur ein paar "hübsche" Narben im Gesicht? Wo bleiben unsere noch authentischeren queeren NPCs, die keine Protagosexualität aufweisen? Warum darf mein Elf nicht dick sein, Larian? Warum darf meine als Frau gelesene Protagonistin keinen Bart tragen, Bethesda? Und was ist denn da generell los, Avalanche?
Fiktion beinhaltet immer ein Stück weit Realität und andersherum genauso. Beides beeinflusst sich gegenseitig. Also warum nicht zumindest versuchen, einfach alle einzubeziehen? Vor allem, wenn es sich um ein Spiel aus dem Rollenspielgenre handelt, indem generell der Fantasie und den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt sind.
Dennoch ist es natürlich wichtig, zu beachten, in welchem Setting wir uns befinden und welche Geschichte erzählt werden soll, solange dies nicht als angenehmer Ausweg herangezogen wird, um sich als großes Studio aus der Verantwortung zu ziehen. Nicht jedes Spiel muss beziehungsweise sollte alles und alle repräsentieren, das sagt sogar die LGBTGIA+ Community selbst.
Ein wenig außerhalb der bisherigen Möglichkeiten zu denken und zumindest stets bemüht zu sein, ist jedoch allemal aufmunternd. Gerade deshalb haben die im Vergleich zu Blockbuster-Produktionen meist von Haus aus inklusiveren Indie-Games in letzter Zeit viel Zulauf und Lob erhalten. Aber auch hier gibt es ganz klare Unterschiede.
Vielen Spielen kann trotzdem heutzutage noch der klassische Tokenism vorgeworfen werden und man kann weiterhin den ganzen Finanzierungsapparat von Games kritisch ansehen. Dennoch kann man sich gleichzeitig auch einfach über den Wandel und den prinzipiellen Versuch freuen, dass Inklusion inzwischen mehr ist als nur Beiwerk.
Denn niemand macht es von Beginn an perfekt, auch wir nicht. Sollten wir in diesem Artikel einen eurer Meinung nach wichtigen Aspekt nicht behandelt haben, lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.
Außerdem dürft ihr gerne eure unterschiedlichen, konstruktiven Meinungen zu dem Thema mit uns und den anderen Usern und Userinnen im Forum teilen. Bleibt dabei bitte sachlich, denn über eine Sache sollten wir uns nicht streiten müssen: grundlegende Menschenrechte. Dazu zählt für uns das Recht, sich genauso entfalten und identifizieren zu dürfen, wie man das selbst möchte, solang man niemanden dabei schadet.