Queer und divers - besser wär's? Ein Blick auf Gender-Identität in Videospielen

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Queer und divers - besser wär's? Ein Blick auf Gender-Identität in Videospielen
Quelle: PC Games

Eine Analyse der Inklusion von Queerness und Diversität in Baldur's Gate 3, Starfield und Hogwarts Legacy

Starfield

Science Fiction und Fantasy haben eines ganz grundlegend schon einmal gemeinsam: Fiktion wird hier großgeschrieben. Aber auch hier haben wir wieder eine Welt, die sich an unseren realen menschlichen Problemen, Ideen, Hierarchien und Strukturen orientiert. In Starfield von den Bethesda Game Studios erleben wir zum Beispiel, wie eine Welt in mehreren Jahrhunderten aussehen könnte, sollte es uns gelingen, die Raumfahrt weiterhin zu revolutionieren. Als Besiedelnde des Weltraums kämpfen wir uns in diesem RPG-Adventure durch das All und erkunden zahlreiche Planeten. Dafür erstellen wir zu Beginn erst einmal unseren Charakter. In Starfield geschieht dies ebenfalls über Presets, aber diesmal sind eher weiblich und eher männlich gelesene Charaktere Teil des gleichen Pools an Optionen. Erneut sind daraufhin dann fast alle Individualisierungseinstellungen unabhängig von der Wahl des Presets möglich. Wer jedoch einen Bart tragen möchte, kann dies nur in Abhängigkeit von einem der auswählbaren männlich gelesenen Körpertypen.

Anders als bei Baldur's Gate 3 können die Charaktere hier sogar von der Gewichtsnorm abweichen, dafür ist es jedoch nicht möglich, die Genitalien oder Stimme anzupassen. Jedoch können wieder genderneutrale Pronomen gewählt werden. Und ansonsten verschieben wir zahlreiche Regler ganz nach Belieben und sind ziemlich frei in unserer Erstellung.

Wo uns hingegen ein wenig die Hände gebunden sind, ist bei der Wahl einer Partnerschaft. In Starfield stehen uns nämlich, anders als in Baldur's Gate, nur vier mögliche Romance-Optionen zur Verfügung.

Zwei als weiblich und zwei als männlich gelesene Personen bemühen sich um unsere Gunst. Auch sie sind protagosexuell und alle von ihnen würden - im Gegensatz zu einigen Figuren in Baldur's Gate - ausschließlich eine monogame Beziehung mit uns führen.

Charaktererstellung in Starfield Quelle: Bethesda Sieht man sich die Diversität dieser vier NPCs an, stellt man fest, dass es lediglich eine PoC (Person of Color) zur Auswahl gibt. Diese steht als Mann offen zu einer früheren homosexuellen Beziehung. Auf der einen Seite kann dies als eine mögliche Form von Tokenism angesehen werden, auf der anderen Seite sprechen sich jedoch einige Stimmen aus der Community positiv darüber aus, dass sich überhaupt eine der Hauptfiguren offen zu seiner Homosexualität bekennt.

Und wieder einmal müssen wir keinen der Begleiter-NPCs zwingend romancen und können daher auch asexuell agieren. Oftmals ist vielleicht auch einfach nicht der, die oder them Richtige dabei.

Zudem erfreuen sich viele Menschen aus der LGBTQIA+ Community daran, dass die Repräsentation in Starfield allgemein sehr umfangreich und organisch stattfindet. In der Welt finden sie zahlreiche, von der Norm abweichende Lebensidentitäten, -sexualitäten und -realitäten. Wer also nicht genau hinsieht, wird auch nicht fündig.

Auf der einen Seite erfreut das diejenigen, die mit alledem nichts am Hut haben wollen und sich am liebsten den Pronomen-Entfernungs-Mod auf Nexus Mods zurückwünschen. Auf der anderen Seite ist es für die queere Community ein schönes Erlebnis, sich überhaupt so zahlreich repräsentiert zu sehen, sei es auch nur in zweiter Reihe und nur im Ansatz in der Hauptstory.

Lob und Kritik fallen für Starfield ähnlich aus wie bei Baldur's Gate zuvor. Was für viele Fans hier genauso zählt, ist der Versuch und Gedanke dahinter. Das beweist nämlich auch, dass die zahlreichen queeren Mods der letzten Jahre für genug Aufmerksamkeit gesorgt haben und Bethesda zum Umdenken angeregt wurde. Im Vergleich zu früheren Titeln ist Starfield ein Inklusionswunder. Die queere Community sagt: weiter so, Bethesda!

Hogwarts Legacy

Hogwarts Legacy war dieses Jahr fast in aller Munde. Die große Kontroverse rund um den Titel und die Schöpferin der magischen Harry-Potter-Welt dahinter führte zu unzähligen hitzigen Diskussionen und Boykottaufrufen auf allerlei Meinungsplattformen. Wir finden es daher umso spannender, zu analysieren, wie es denn mit der queeren Inklusion und Diversität aussieht, die uns von Avalanche versprochen wurde.

Zunächst können wir bereits im Charakter-Editor feststellen, dass dieser den anderen beiden Titeln in puncto Presets gleichkommt. Wie auch in Starfield sind hier die eher weiblich sowie auch männlich lesbaren Körpertypen in einem zusammengewürfelt.

Charaktererstellung in Hogwarts Legacy Quelle: buffed Die Wahl der Gesichtsform wird je nachdem eingeschränkt und auch die Frisurenauswahl ist abhängig von dem gewählten Preset. Jedoch gibt es auf beiden Seiten Frisuren, die eher weiblich oder eher männlich gelesen werden können. Expliziteres, wie zum Beispiel Genitalien, lassen sich nicht einstellen, was natürlich an der jüngeren Zielgruppe liegt.

Dafür können die Stimmen angepasst und eine Wahl zwischen "Hexe" oder "Zauberer" getroffen werden. Dies alles befähigt uns dazu, einen transidenten Charakter zu erstellen, jedoch nicht einen genderneutralen/genderfluiden.

Sehen wir diesen Editor nun zusammenfassend kritisch an, stellen wir fest, dass er zwar augenscheinlich versucht, inklusiv und divers zu sein, aber im Kern dann doch wieder nur einem binären System unterliegt.

Die äußerst simple Umsetzung einer angedeuteten Transidentität ist nur möglich im Sinne von: weiblich gelesenen Körpertyp im Zusammenhang mit einer tiefen Stimme wählen.

Bärte fehlen zum Beispiel, aufgrund des Teenager-Alters der Spielfigur gänzlich. Und ein nonbinäres beziehungsweise genderneutrales/genderfluides Aussehen ist zwar möglich, jedoch fehlen die nötigen Neopronomen zur eindeutigen Identifikation. Weitere Diversität in Bezug auf Alter oder Gewicht fehlt ebenso. Letzteres könnte jedoch mit dem zugrundeliegenden Setting und der Story begründet werden.

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