Wenn Fans es besser können: So stehlen Mods und Fan-Games Blockbustern die Show

Special Manuel Zippl Lukas Schmid
Wenn Fans es besser können: So stehlen Mods und Fan-Games Blockbustern die Show
Quelle: Nintendo

Fan-Games, Mods und Co. gehören zur Gaming-Branche wie Call of Duty, Zelda und Indie-Games - und sie sind häufig besser als das Original!

Zu Valves Verteidigung: TF: Source 2 benutzte S&box (ausgesprochen Sandbox), ein Toolkit für Entwickler, das so etwas wie der spirituelle Nachfolger zu Garry's Mod sein soll und selbst auf einer stark modifizierten Version der Source 2 - Engine basiert.

Um Team Fortress 2 auf die Source 2 Engine zu porten, wie es sich die Mod zum Ziel gemacht hatte, mussten die Entwickler der Mod allerdings Inhalte des Originalspiels verwenden, was illegal ist. Andere Developer wie Garry Newman von Garry's Mod sind davon nicht betroffen, da sie über eine Source-Engine-Lizenz verfügen und somit Inhalte der Source-Engine benutzen dürfen.

Auch die vorher erwähnten Spiele erlitten nicht dasselbe Schicksal, weil man, um sie zu zocken, trotzdem noch die jeweiligen Basisspiele brauchte bzw. braucht. Zudem kommt, dass S&box noch in einer Preview-Phase ist und sich der Code ständig verändert, weshalb man bei der Entwicklung von TF: Source 2 ohnehin schon auf sehr viele Probleme stieß.

Eine weitere Mod - Portal 64, ein Port von Portal auf das Nintendo 64 - gibt es ebenfalls seit Kurzem nicht mehr. Hierbei wurden die Inhalte des Originalspiels für die Hardware des Nintendo 64 komplett überarbeitet. Daher ist diesmal keine DMCA-Mitteilung im Spiel.

Valve riet dem Entwickler des Ports aber, seine Arbeiten einzustellen, weil er bzw. auch Valve selbst sonst wegen der Nutzung von Nintendos Library in rechtliche Schwierigkeiten mit dem japanischen Spielehersteller kommen könnten. Eine berechtigte Befürchtung, da dies für Nintendo kein untypisches Verhalten wäre, wie wir gleich noch sehen werden.

Ebenfalls für Valve spricht, dass die Portal-Mod Portal Revolution gerade erst vor ein paar Wochen erschien, also ziemlich genau zeitgleich mit dem Drama um TF: Source 2 und Portal 64. Es gibt also durchaus Unternehmen, denen man eher vorwerfen kann, nicht offen gegenüber Fancontent zu sein.

Nintendo: Danke, aber nein danke

Das Verhalten Nintendos gegenüber Fancontent hat schon des Öfteren Wellen geschlagen. Obwohl sie einer der bekanntesten Spielehersteller der Welt sind und sich über die letzten Jahrzehnte eine der größten Fanbases der Gaming-Industrie aufbauen konnten, haben sie sich gleichzeitig den Ruf gemacht, Fan-Content aller Art zu attackieren.

So geriet beispielsweise das Fan-Remake des 1991 erschienenen Metroid 2: Return of Samus namens AM2R (Another Metroid 2 Remake) unter Beschuss von Nintendo. Wenige Tage nach dem Release 2016 schickte das Unternehmen DMCA-Mitteilungen an Websites mit den Download-Links, welche diese daraufhin entfernen mussten.

AM2R Quelle: Moby Games AM2R Einen Monat später erhielt der Entwickler Milton Guasti selbst eine DMCA-Mitteilung und stellte anschließend die Entwicklung des Spiels ein. Nintendo veröffentlichte im Jahr darauf ein eigenes Metroid-2-Remake namens Metroid: Samus Returns. Guasti arbeitet mittlerweile bei Moon Studios und hat bei der Entwicklung von Ori and the Will of the Wisps mitgeholfen.

Ein vergleichbares Schicksal erlebte auch Pokémon Uranium, ein Fangame der Pokémon-Reihe, welches über 160 eigene Spezies hinzufügt und einen Online-Modus beinhaltet.

Nach 1,5 Millionen Downloads erhielten auch diesmal Websites mit den Download-Links eine Unterlassungsaufforderung von Nintendo und die Entwicklung wurde daraufhin eingestellt. Ähnlich erging es The Legend of Zelda: The Missing Link und No Mario's Sky - einer Mischung zwischen Super Mario Bros. und No Man's Sky.

Sowohl Pokémon Uranium als auch AM2R waren bei den Game Awards 2016 für "Beste Fankreation" nominiert. Diese Nominierungen wurden daraufhin zurückgezogen, weil Nintendo damit nicht einverstanden war.

Die genannten Spiele (und viele andere) sind zwar nicht mehr auf ihren ursprünglichen Websites erhältlich, Fans haben es sich aber dennoch zur Aufgabe gemacht, sie weiterhin verfügbar zu machen. No Mario's Sky wurde auch als DMCA's Sky neu veröffentlicht und überarbeitet.

Nintendo schreitet aber nicht nur bei Fan-Games ein. Vor einem Jahr ließ das Unternehmen mehrere Videos des YouTubers PointCrow striken, in welchen er eine Multiplayer-Mod für The Legend of Zelda: Breath of The Wild vorstellte.

Laut eigener Aussage bot er die Mods, die er vorstellte, nicht zum Verkauf an und verwendete sie lediglich für seine Videos. Nachdem sein Kanal von Nintendo zwei Strikes erhalten hatte, claimten sie 24 andere Videos, in denen der YouTuber teilweise sogar nur die Vanilla-Version von BOTW spielte. Dabei handelte es sich um Videos mit insgesamt über 50 Millionen Aufrufen.

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