Wenn Fans es besser können: So stehlen Mods und Fan-Games Blockbustern die Show
Special
Fan-Games, Mods und Co. gehören zur Gaming-Branche wie Call of Duty, Zelda und Indie-Games - und sie sind häufig besser als das Original!
Der Gaming-Markt boomt. Die Meinung, dass 2023 eines der besten Jahre für Gaming überhaupt war, ist weit verbreitet. Die Spieleindustrie hat in den letzten Jahrzehnten einen langen Weg zurückgelegt.
Viele Dinge haben ihr auf diesem Weg geholfen, doch nur eine Sache war absolut unverzichtbar. Während eine realistische Grafik, packende Soundtracks und unvergessliche Charaktere für die Gaming-Industrie sicher als wichtige Organe gelten, sind die Fans zweifelsohne das Herz, das sie am Leben hält.
Was wären Videospiele ohne Fans? Richtig: Nichts. Fans sind der Richter im Prozess über den Erfolg oder Flop, der Wind, der das Segel Richtung Profit leitet und der Tester, der das Projekt mit seiner Meinung zur Vollendung führt. Sie hauchen der Industrie Leben ein, indem sie Games kaufen, spielen und über sie diskutieren.
Sie sind der Grund, wieso Spielemarken durch Merch, Brettspiele, Bücher und sogar Filme vergrößert werden können. Sobald ein Game seine Fans verliert, ist es dem Untergang geweiht.
Besonders engagierte Fans nutzen ihre Zeit und Kreativität sogar dafür, ihre Lieblingsspiele nach ihren Wünschen anzupassen, zu verbessern und auszuweiten, teilweise mit großem Erfolg.
Modifikationen gehören mittlerweile zu Games wie Skyrim oder Minecraft fest dazu und mit Black Mesa, Portal Revolution und Co. haben es bereits mehrere Fanprojekte als eigenständige Spiele in den Steam-Shop geschafft. Gleichzeitig wurden den Entwicklern von Team Fortress 2: Source, Portal 64, Pokémon Uranium und vielen weiteren die Verbreitung ihrer Fanprojekte untersagt.
Quelle: Moby Games
Pokémon Uranium
Welchen Platz haben Fan-Games und Mods nun also in der Videospielindustrie? Wie reagieren Entwickler darauf? Fördern sie die Kreationen ihrer Fans oder setzen sie alles daran, diese aus der Welt zu schaffen? Dient Fan-Content nur als Erweiterung und Vervollständigung für Spiele, oder ist er bereits fester Bestandteil unseres Konsumverhaltens?
Fancontent definiert
Um die Antwort auf die letzte Frage gleich vorwegzunehmen: beides. Doch von vorn: um Fan-Content besser analysieren zu können, sei zuerst einmal definiert, was damit gemeint ist. Es geht mir hierbei nämlich nicht um Spiele, die von existierenden Titeln lediglich inspiriert sind, sondern um Kreationen der Fans, die die Originalspiele auf irgendeine Weise ergänzen.
Erstens geschieht das durch Modifikationen eines Spiels, abgekürzt Mods. Unter Mods versteht man die Erweiterung bzw. Veränderung eines Videospiels. Sie werden, ähnlich wie ein DLC, direkt ins Game implementiert.
Im Gegensatz zu einem DLC stammen sie aber nicht vom eigentlichen Entwickler, sondern meist von Hobbyentwicklern, und sind auch nicht kostenpflichtig. Spiele wie Skyrim (und alle anderen Bethesda-Spiele), Minecraft und Die Sims sind gute Beispiele für große Modding-Szenen.
Zweitens besteht Fan-Content aus alleinstehenden Spielen. Darunter versteht man Spiele, die zwar ihre eigene Identität haben, sich aber mehr oder weniger stark an der Engine, den Charakteren oder der Lore des Originalspiels bedienen. Wenn ein bestehendes Spiel verändert bzw. erweitert und als Stand-alone veröffentlicht wird, spricht man - verwirrenderweise - auch von Mods.
Quelle: Moby Games
Skyrim
Unter solche Spiele fallen zum Beispiel die Portal-2-Mods Portal Stories: Mel und Portal Revolution. Wie bereits erwähnt. müssen Fan-Projekte nicht zwingend die Engine des Originalspiels benutzen bzw. können diese stark abändern. So erhebt Black Mesa zum Beispiel den Originaltitel Half-Life von der GoldSrc-Engine auf eine verbesserte Version der Source-Engine.
Drittens kann es auch sein, dass ein Spiel als Mod eines anderen Games anfing und erst später zu einem eigenen Spiel wurde. Ein Beispiel dafür ist The Forgotten City, welches anfangs eine Skyrim-Mod war.
Die Unterscheidung dazwischen, welche Fan-Games als Mods bezeichnet werden können und welche nicht, ist sehr verwirrend. Um jegliche Verwirrung zu vermeiden, kann man zur Verallgemeinerung den Begriff Fan-Content verwenden.
Jetzt, wo der Begriff klar definiert ist, können wir uns näher anschauen, welche Bedeutung Fan-Content für die Communitys der verschiedenen Spiele hat.
Quelle: Moby Games
The Forgotten City
Die Wurzeln der Fan-Ideen
Die Gründe, weshalb Fan-Content überhaupt entsteht, sind vielseitig. Oftmals machen Fans es sich zur Aufgabe, die Fehler der Entwickler zu korrigieren, die sie in ihren Spielen gemacht haben. Dazu zählen Bugs, Glitches, schwammige Texturen, eine ungenaue Steuerung oder auch unübersichtliche Menüs.
Nicht umsonst zählen SkyUI und der Inoffizielle Skyrim Special Edition Patch auf der Seite Nexus Mods zu den am meisten downgeloadeten Mods. SkyUI überarbeitet komplett das Inventar und macht es benutzerfreundlicher und übersichtlicher, während der Inoffizielle Skyrim Special Edition Patch Hunderte Bugs behebt.
Ein weiterer Grund, wieso Fan-Content auf so viel Beliebtheit stößt, ist, dass man Dinge möglich machen kann, die im Basisspiel nie möglich gewesen wären. Modder können ihrer Kreativität freien Lauf lassen und somit Features hinzufügen, die ihrer Meinung nach in der Originalversion gefehlt haben.
So gibt es von Fans erstellte Skyrim-Mods mit neuen Quests, grafischen Updates, benutzerdefinierten Begleitern oder überarbeiteten Kampftechniken, die teilweise Millionen von Downloads haben und alle das Ziel verfolgen, das Spiel immersiver und einzigartiger zu machen.
Bildergalerie
Genauso gibt es Mods für Die Sims 4, welche neue Karrieren, neue Kleidung oder neue soziale Aktivitäten hinzufügen. Auch die Portal-2-Mod Aperture Tag: The Paint Gun Testing Initiative verändert das Konzept des Basisspiels, indem es dem Spieler erlaubt, selbst die Farbgel mit einer Kanone zu verschießen und so Rätsel zu lösen, die darauf aufbauen.
